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Pressemitteilungen: Fernsehen

Unsere Geschichte: Als die Amerikaner in den Norden kamen

Sonnabend, 7. April 2018, 11.30-12.15 Uhr, im NDR/RB-Fernsehen

27. Februar 2018

Ein Radio Bremen-Film von Susanne Brahms und Michaela Herold

Die Geschichte der GIs in Norddeutschland begann im April 1945. Bremen war zu 59 Prozent, Bremerhaven zu 56 Prozent zerstört. Schon vor Kriegsende war klar, dass Bremen und Bremerhaven amerikanische Enklaven werden sollten. Die Amerikaner brauchten einen Hafen an der Küste. Über Jahrzehnte spielte Bremerhaven als „Port ofEmbarkation“ eine zentrale Rolle in Europa. Hunderttausende GIs und sämtlicher Nachschub der US-Armee landeten hier an. Bremen nannte sich stolz „Vorstadt von New York“, doch Bremerhaven war der „Vorort von New York“.

Anfangs war das Verhältnis zwischen Besatzern und Besetzten zerrüttet – wie sollte es anders sein. Die Amerikaner machten sich nicht beliebt, als sie über 4.000 Wohnungen in Bremen und Bremerhaven beschlagnahmten. USA übersetzten die Bremer spöttisch mit: Uhren stehlen sie auch! Es kam auch nicht besonders gut an, dass die Amerikaner im altehrwürdigen Bremer Ratskeller „GI Joe´s Bar“ einrichteten und am Ende 400.000 Flaschen edelster Wein in den Beständen fehlten.

Doch bald gewöhnte man sich aneinander und – man mochte sich sogar. Es waren die kleinen Gesten, die Vertrauen schufen. Im Dezember 1945 feierten Bremer und Besatzer gemeinsam Weihnachten auf dem Bremer Marktplatz.

Die amerikanischen Besatzungssoldaten hatten nicht nur die Ideale von Demokratie und bürgerlicher Freiheit im Gepäck, sondern auch das Kultobjekt Jeans, coole Musik, schicke Autos, Promis wie Elvis, Nylons, Kaugummi und Schokolade. Höhepunkt des Way of Life: der lässigste GI aller Zeiten, Elvis Presley, machte 1958 Stippvisite in Bremerhaven auf dem Weg in seine Kaserne. Es gab legendäre Clubs in Bremerhaven und Bremen, in denen u.a. James „Hansi“ Last seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte. „Ich war 16 und die Amis haben mein ganzes Leben verändert“, sagte er dazu.

Die Kinder überwanden ihre Scheu als erste – aus purer Not. In ganzen Rudeln liefen Kinder hinter den Soldaten her und die ließen sich erweichen. Sie zeigten Herz für die mageren deutschen Kinder und haben so vielleicht die Grundlage für das später so gute Verhältnis zwischen den Amerikanern und den Deutschen gelegt. Trotz der strengen Militärdisziplin ließen die Amerikaner auch mal fünfe gerade sein – mehr als alle Umerziehungsprogramme waren die Deutschen gerade davon fasziniert. Sie erlebten Soldaten, die die eigenen amerikanischen Waren abzweigten, um sie hungernden Kindern zu geben. Die Amerikaner haben die Deutschen nicht zur Demokratie gezwungen, sie haben sie dazu verführt.

Bis heute sind viele Menschen im Norden von den Amerikanern geprägt. Wie Antje „Angie“ Cramer, die 1947 als Dreijährige im zerstörten Bremerhaven von amerikanischen GIs durchgefüttert wurde, fast von einer amerikanischen Familie adoptiert worden wäre und deren Leben bis heute mit den USA eng verwoben ist.

Die Autorinnen Susanne Brahms und Michaela Herold erzählen in diesem Radio Bremen-Film von geglückten und misslungenen Liebesgeschichten, von Kindern der GIs in Bremerhaven, die feststellen mussten, dass ihr unbekannter Vater auf drei Kontinenten Kinder hinterließ. Von ehemaligen GIs, für die Norddeutschland zur Heimat wurde. Und vom Einzug des American Way of Life, der Deutschland-West bis heute prägt.

 Erstausstrahlung am 14. Mai 2014 im NDR/RB-Fernsehen

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