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Pressemitteiljungen: Fernsehen

Geschichte im Ersten: Korruption und Wohnungsbau – Das Ende der Neuen Heimat

Montag, 13. Januar 2020, 23.30-0.15 Uhr, im Ersten

19. November 2019

Eine Radio Bremen-Dokumentation von Susanne Brahms und Rainer Krause

Es war einer der größten Skandale der Bundesrepublik. Ausgerechnet die Bosse der Neuen Heimat, eines Baukonzerns in Gewerkschaftshand, hatten in die eigene Tasche gewirtschaftet. Ein Schock für einfache Gewerkschaftsmitglieder wie Klaus P. Malchow aus München. „Mein Weltbild geriet ins Wanken – dass Gewerkschafter so etwas machen!“

Die von der Neuen Heimat, das waren doch „die Guten,“ die Neue Heimat war dem Gemeinwohl verpflichtet. Kein Streben nach Gewinn, das einzige Ziel des Konzerns: Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen. Umso tiefer war der Fall Anfang der 1980er. Die Radio Bremen-Dokumentation von Susanne Brahms und Rainer Krause zeichnet Aufstieg und Fall der Neuen Heimat nach und stellt auch die Frage nach den Folgen für den Wohnungsmarkt bis heute.

Bis 1982 war die Neue Heimat der größte Baukonzern Europas mit Sitz in Hamburg und Filialen in allen größeren Städten. Der Konzern hat entscheidend dazu beigetragen, das Wohnungselend im Nachkriegsdeutschland zu lindern. Er gab entscheidende Impulse für den Städtebau der 1960er und 1970er Jahre. Die Neue Vahr in Bremen, Neuperlach in München, Kongresszentren in Berlin und Hamburg, das Klinikum in Aachen, die Uni in Göttingen. Die Liste der Bauwerke und Trabantenstädte der Neuen Heimat ist endlos. Oder wie es der Historiker Peter Kramper formuliert: „Sie haben in Deutschland alles gebaut, was groß und sichtbar ist, um nicht zu sagen: hässlich.“ Allein in München Neuperlach baute die Neue Heimat  auf einen Schlag Wohnungen für 70.000 Menschen – eine ganze Stadt!

Die Neue Heimat kassierte viele Millionen Mark Steuergelder von Städten und Gemeinden, weil der Konzern gemeinnützig war. Am Ende besaß der Konzern fast 400.000 Wohnungen. Die Neue Heimat machte in den besten Zeiten einen Jahresumsatz von über fünf Milliarden Mark. Trotzdem war die Neue Heimat 1982 nahezu pleite, denn die Manager waren nicht nur korrupt, sie hatten sich auch noch gründlich verspekuliert. Sie hatten übersehen, dass der deutsche Wohnungsmarkt ab Mitte der 1970er gesättigt war und bauten jahrelang am Bedarf vorbei. Etliche ihrer gigantischen Siedlungsprojekte endeten als vergammelte soziale Brennpunkte, die später sogar abgerissen wurden.

Die Gewerkschaften mussten am Ende die Neue Heimat stückweise verkaufen und verloren in Folge des Skandals nicht nur die Wohnungen, sondern auch ihre Bank, ihre Versicherung Volksfürsorge und die Einkaufsgenossenschaft Coop. Die Utopie von der gerechteren Art des Wirtschaftens wurde, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, abgeschafft, 1990 beseitigte die Kohl-Regierung auch noch das Gesetz zur Gemeinnützigkeit im Wohnungsbau.

Ein Fehler? Ist die Idee von der Gemeinwirtschaft im Wohnungsbau gescheitert oder sind es nur die Manager, die in ihrem Namen handelten? Braucht es 30 Jahre später wieder den gemeinnützigen Wohnungsbau für den kleinen Geldbeutel?

Eine Produktion der Kinescope-Film GmbH im Auftrag von Radio Bremen (Redaktion: Michaela Herold) für das Erste 2020.

Fotos sind unter ARD Foto abrufbar.

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