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Der letzte Schirmmacher Bremens

3. Mai 2017, 10:40 Uhr

Starke Böen, ständiger Regen. Wind und Wetter trotzen. In Norddeutschland ein ständiges Thema. Schirme können da eine Hilfe sein. Doch Qualität wird nicht mehr groß geschrieben, und der Beruf des Schirmmachers stirbt aus. Am Rande des Bremer Marktplatzes arbeitet einer der letzten in Deutschland.

Die Fassade des Schirmgeschäft Finger [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]
Nur noch bis Mitte Mai ist das Geschäft in der Violenstraße geöffnet. [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]

"Diese günstigen Schirme, die gehen ja eh gleich kaputt", sagt ein Passantin. "Die halten ja nicht lange. Für fünf Euro oder so einen Schirm kaufen, ich habe zu Hause zwei Stück, die kann man gleich wegwerfen."

Alle kommen zu Till Finger

Im Laden Parkettboden, an der Wand in Regalen befinden sich Schirme aller Größen und Formen. Hier produzierte Till Finger bis vor kurzer Zeit noch selbst. Doch Mitte Mai wird er seinen Laden schließen. Beratungsgespräche mit Kunden. Schirme zeigen, probieren. 

Till Finger an der Maschine. [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]
Till Finger bei der Arbeit. [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]

Vom Schüler bis zum Politiker, sie alle kommen in Till Fingers Laden. Er ist Schirmmacher, in sechster Generation. Sein Ur-Ur-Urgroßvater hatte vor 132 Jahren begonnen, Schirme herzustellen und zu reparieren. Die darauf folgenden Generationen taten es ihm gleich, so auch Till Finger. Elf Jahre lang führte er den kleinen Betrieb in Bremen.

Den Laden hier habe ich aufgemacht sogar, da war es so, dass es Leute in der Familie gab, die sagten, ich soll was anderes machen. Aber nö, ich wollte das, und das war auch kein Fehler.

Ausbildung wurde abgeschafft

Deutschlandweit gibt es nur noch zwei oder drei Schirmmacher. Finger ist einer der Letzten seines Standes. Schon 1998 wurde die Ausbildung zum Schirmmacher abgeschafft. Die industrielle Anfertigung von Regenschirmen und ausländische Konkurrenz haben dazu geführt, dass Schirmmacher selten geworden sind.

Eine Maschine ist noch im Laden, die anderen hat Till Finger schon ausgeräumt. Sie ist ein echtes Multifunktionsgerät. "Hier kann sie bohren, hier kann sie fräsen, da kann sie sägen und hier kann sie bohren, So hier fixe ich jetzt den Stock, um diese Fräsung zu machen."

Hightech-Materialien

Das Innere eines Schirmgeschäfts [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]
Große und kleine Schirme in allen Farben gibt es bei Finger zu kaufen. [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]

In Norddeutschland müssen Schirme vor allem windfest sein. Hier kann es schließlich auch zu Sturmböen kommen. "Das ist ein Schirm, der ist komplett aus Fieberglas und Karbon gefertigt, und der trotzt natürlich jedem Sturm", sagt Finger.

Solche Exemplare wird Till Finger jetzt bei einem Schirmhersteller als Prototypen entwickeln. Der Schirmmacher ist froh, sich aus der Selbstständigkeit zu verabschieden. Die Unsicherheit ist einfach zu groß.

Ein Beitrag von Heinrich Pfeiffer:
Der letzte Schirmmacher Bremens [3:18 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 03. Mai, 10.40 Uhr

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