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Lale Andersen auf Langeoog

13. Oktober 2015, 10:40 Uhr

Sie war ein Weltstar. Sie verkaufte so viele Schalplatten wie nie ein deutscher Sänger oder eine deutsche Sängerin vor ihr. Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg. Besser bekannt als Lale Andersen. Mit ihrem Lied "Lili Marleen" wurde sie berühmt. Sie konnte alles haben. Doch als Urlaubsort suchte sie sich keine Südseeinsel aus oder ein Strandhaus in Florida. Nein, Lale Andersen residierte auf der ostfriesischen Insel Langeoog.

Lale-Andersen-Statue auf Langeoog [Quelle: DPA]
Seit 2005 in Bronze verewigt: Lae Andersen auf Langeoog. [Quelle: DPA]

Der Zweite Weltkrieg ist fast vorbei. Eine Frau macht sich auf den Weg an die Küste. Mit ihren drei Kindern kommt sie auf der Insel Langeoog an, sagt Hendrik Tongers vom Heimatverein Langeoog: "Danach kamen dann im Mai die Kanadier, das war die Besatzungsmacht und einer der Offiziere hat dann den ältesten Sohn getroffen und der hat ihn dann gefragt woher und wohin."

Die Antwort des Jungen macht den Offizier stutzig. Er will dessen Mutter sehen. Und sie wurde in die Kommandantur in dern Backhausenstraße bestellt. Dann soll die blonde Frau ihren Pass vorzeigen und – singen. Und sie singt.

Lili Marleen kannte wirklich weltweit jeder, das war so ein Evergreen wie White Christmas oder Yesterday von Paul McCartney, und danach war Lale hier auf der Insel installiert.

Schleppender Start für Lili Marlene

Lale Andersen [Quelle: Radio Bremen]
"Lili Marleen" macht Andersen berühmt. [Quelle: Radio Bremen]

Lale Andersen. Ein Weltstar damals. Doch die Karriere von Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg aus Bremerhaven verläuft zunächst schleppend. Das Lied "Lili Marlene" will in den 1930er Jahren keiner hören, sagt Tongers. Bis zwei Soldaten des Propagandasenders Belgrad in Wien nach neuer Musik suchen.

"Auf jeden Fall sehen sie das "Lied eines kleines Wachsoldaten" und denken, das kann was sein, und zwar für den Zapfenstreich um kurz vor zehn. Und das haben sie mitgenommen nach Belgrad und haben das dann abends gesendet, danach ist das Lied losgegangen, das ist einfach ein Welthit geworden", erzählt Tongers.

Es ist die erste deutsche Schallplatte, die mehr als eine Million Mal verkauft wird. Doch den Nazis ist Andersen immer mehr ein Dorn im Auge. Denn sie verkehrt mit dem jüdischen Theaterregisseur Kurt Hirschfeld aus Zürich.

Goebbels hat sie gehasst. Dann hatte sie Auftrittsverbot bekommen und dann hat ihr Geliebter, Rolf Liebermann, in der Schweiz das Gerücht in die Welt gesetzt, die Nazis haben Lale Andersen verhaftet.

Lale liebt Langeoog

Von 1945 bis zu ihrem Tod 1972 verbrachte sie jeden Sommer in ihrem Haus auf der Nordseeinsel Langeoog. [Quelle: Radio Bremen]
Von 1945 bis zu ihrem Tod 1972 verbrachte sie jeden Sommer in ihrem Haus auf der Nordseeinsel Langeoog. [Quelle: Radio Bremen]

Die BBC berichtet. Goebbels muss zurückrudern und bezichtigt den britischen Sender der Lüge. Das alles ist längst vorbei, als der beliebte Weltstar Andersen auf der ostfriesischen Insel ankommt. Die Kanadier schenken ihr eine Wehrmachtsbaracke im Norden Langeoogs, sagt Insulanerin Eva Recker.

Dort hat sie 30 Jahre gelebt und das Haus nach und nach ausgebaut. Mit Reetdach und Zweithaus. Sie soll sich dort sehr wohl gefühlt haben, das war also ihre Wahlheimat. Lale Andersen liebt Langeoog, sogar ihre letzte Ruhe findet sie dort. Ihre Verbundenheit zur Insel muss mehr gewürdigt werden, findet Goldschmiedin Eva Recker. 2005 fertigt sie eine lebensgroße Bronzestatue vom einstigen Weltstar an.

Das erinnert an das Lied Lili Marlene, sie lehnt an einer Laterne, und sie schaut auf die Besucher, die nach Langeoog kommen, empfängt sie sozusagen.

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