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Brons Spende

Ein alter Apfelbaum in Groothusen

25. Mai 2016, 14:40 Uhr

Groothusen, etwa 15 Kilometer nordwestlich von Emden, ist ein geschichtsträchtiger Ort. Schon vor etwas mehr als 1.000 Jahren wurde er erstmals in einem Heberegister des Klosters Werden erwähnt. Noch heute steht hier eines der ältesten noch erhaltenen Steinhäuser aus der friesischen "Häuptlingszeit". Und im Vorgarten eines alten Landarbeiterhauses steht ein ganz besonderer Apfelbaum mit einem ungewöhnlichen Namen: Brons Spende.

ein alter Apfelbaum in einem Garten [Quelle: Radio Bremen, Hanne Klöver]
Fst 100 Jahre ist der Apfelbaum mit der besonderen Geschichte alt. [Quelle: Radio Bremen, Hanne Klöver]

Fast 100 Jahre alt ist der Apfelbaum. Johann-Gerhard Müller steht im Garten seiner Großeltern und schwärmt von den Äpfeln dieses Baumes, von der Mischung zwischen Säure und Süße. Knackig frisch sind die Äpfel, man schmeckt die Sonne und den Wind.

Das Landarbeiterhaus der Familie Müller ist heute ein Ferienhaus. Der krumme Baum daneben hatte nicht jeden Küstensturm gut überstanden. Nachdem Hero Boomgarden das Haus gekauft und restauriert hatte, verpasste er auch dem Apfelbaum eine Verjüngungskur: "Da habe ich mit einem Gärtner gesprochen. Der sagte, füllt ihn im Stamm mit Zement. Haben wir dann gemacht. Also er steht jetzt ganz stabil. Trägt besser denn je."

Abschiedsgeschenk für die Landarbeiter

So viel Aufwand um einen fast 100 Jahre alten Baum? Er war ein besonderes Geschenk. Nach dem Ersten Weltkrieg brachte die Inflation auch landwirtschaftliche Betriebe zu Fall. Ein Sprössling der reichen Kaufmannsfamilie Brons musste in Groothusen seinen großen Hof aufgeben. Zum Abschied machte er seinen Arbeitern ein besonderes Geschenk. Auch die Großeltern von Johann-Gerhard Müller wurden bedacht:

Nachdem der Hof verkauft war, haben sie dann einigen Arbeitern einen Apfelbaum für die Gesundheit geschenkt. Eine Rose für die Schönheit. Und fürs Wohlbefinden eine neue Zimmerdecke aus Holz.
kleines Landarbeiterhaus [Quelle: Radio Bremen, Hanne Klöver]
Im Garten des kleinen Hauses steht "Brons Spende", vor 100 Jahren ein ganz besonderes Geschenk. [Quelle: Radio Bremen, Hanne Klöver]

Dieses Geschenk ist als "Brons Spende" in die Familiengeschichte eingegangen. Weshalb aber kam der Apfelbaum in den Blumengarten? Der Gemüsegarten war den Landarbeitern schlichtweg zu schade dafür. Sie lebten fast ausschließlich von dem, was sie selbst anbauten. Kein Landarbeiter hätte sich einen Apfel kaufen können. Die Müllers lebten mit sieben Kindern und der Großmutter auf wenigen Quadratmetern. Hero Boomgarden:

Ein Apfelbaum war schon etwas Besonderes. Und vor allen Dingen einer, den man auch lagern konnte. Das war schon was ganz Wichtiges für die Vitaminversorgung. Das war ja einer der wenigen Vitaminspender, die man noch im Winter hatte.

Die Äpfel wurden sorgfältig auf dem winzigen Dachboden der Familie Müller gelagert, direkt über dem Schweinestall. Dort war es schön warm, erinnert sich Johann-Gerhard Müller:

Oma und Opa hatten auf dem Boden, wo Torf gelagert wurde und Stroh für die Tiere, eine Holzkiste. Damit sind die früher als Mägde und Knechte von Hof zu Hof gezogen. Da hatten sie ihre Kleider drin. Darin wurden diese Äpfel im Stroh gelagert, um sie bis Weihnachten über die Runden zu bringen.

Ein Ableger vom alten Apfelbaum

Hero Boomgarden wollte die Apfelsorte bestimmen lassen. Letztlich ein erfolgloses Unterfangen.

Und dann habe ich ihn fünf oder sechs Pomologen gegeben und habe drei verschiedene Antworten gekriegt. Von dreien gar keine. Da ist mir klargeworden, wie schwer es wohl sein muss, einen Apfelbaum zu bestimmen.

Von dem alten Apfelbaum hat er Ableger im Ökowerk Emden machen lassen, getauft wurde der Apfel auf den Namen "Brons Spende". Doch der junge Baum will unter dem alten nicht so recht wachsen.

Unner `n starken Boom kann en jung nich groot worden... Also, der kümmert sehr vor sich hin. Wir werden jetzt im Herbst den Baum hier wieder herausnehmen und frei einpflanzen, damit er dann während seiner Jugendzeit ungestört von seiner Herkunft wachsen kann. Und wenn irgendwann dieser alte sein Leben aufgibt, kommt er dann an diese Stelle als halbgewachsener Baum.

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