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Wer war Admiral Brommy?

9. Mai 2016, 10:40 Uhr

Kennen Sie das? Man läuft durch Straßen und an Denkmälern vorbei und liest dabei Namen von Menschen, die man bis dahin noch nicht einmal gehört hatte. Beispiel Brommy: In Berlin gibt’s eine Brommybrücke, in Bremerhaven und Wilhelmshaven eine Brommystraße und in Bremen einen Brommyplatz. Und? Wissen Sie, wer Brommy war? Unser Reporter Daniel Koßmann hat versucht, das herauszufinden.

Das Grab von Brommy [Quelle: Radio Bremen, Daniel Koßmann]
Die Inschrift auf Karl Rudolph Brommy. [Quelle: Radio Bremen, Daniel Koßmann]

Zwei Fliegen tollen auf einer Grabsteinplatte. Links daneben eine einsame lila Blume. Und ein vom Wetter schon lädierter gelbrauner Engelskopf. Müde, fast als würde er schlafen, liegt er da im Schatten.

Daniel Koßmann ist auf dem Friedhof von Hammelwarden, einem Stadtteil der Kreisstadt Brake. Vor ihm steht ein übermannshoher, grau-kalter Felsbrocken. Es ist das Grab des ersten Admirals der deutschen Flotte. Sein Name Karl Rudolph Brommy. Nur, ob er hier auch wirklich liegt, das weiß keiner so genau. Erwin Wagner, pensionierter Marineoffizier und Brommy-Fachmann des Schifffahrtsmuseums in Brake, ist sich da auch nicht so sicher:

Angeblich ist er nicht in der Gruft. Aber auf jeden Fall war an dieser Stelle seine Beerdigung.

Karl Rudolph Brommy wurde am 10. September 1804 in Anger bei Leipzig geboren. Die Eltern starben früh. Mag sein, dass der jugendliche Brommy deswegen so von Meer und Ferne angezogen wurde. Was hielt ihn denn schon an Land? Brommy ging nach Hamburg und besuchte dort die Navigationsschule. Zwischen 1822 und 1825 schloss er sich der US-amerikanischen Handelsmarine an. In dieser Zeit änderte er auch seinen Geburtsnamen Bromme in Brommy.

Bei den Handelsschiffen war das früher so, dass die Kapitäne die Besatzungen ausgesucht hatten und auch angeheuert haben, und naja, ich geh‘ mal davon aus, dass aus dem e ein i wurde – Brommi – und damit es interessant wurde, hat er ein y daraus gemacht.
Das Grab von Brommy [Quelle: Radio Bremen, Daniel Koßmann]
Das Grab von Admiral Brommy. [Quelle: Radio Bremen, Daniel Koßmann]

Brommy kämpfte auch im griechischen Unabhängigkeitskampf. Dass er dies aus politischen Idealen tat, ist mehr als fraglich. Denn es gibt keine offiziellen Quellen. "Brommy war Marineoffizier. Über Brommys politische Einstellung ist so gut wie gar nichts zu erfahren. Ihn interessierten die politischen Verhältnisse offensichtlich recht wenig. "Er wollte seinen Job machen, wollte seinen Dienst machen und eben als Soldat", weiß Erwin Wagner.

Mehr als für Politik begeisterte sich der Marineoffizier für die musischen Seiten des Lebens: Er schrieb Gedichte, Geschichten und komponierte Musik. Aber was verband ihn eigentlich mit Brake?

Brommy hatte ja Bremerhaven zunächst als Stützpunkt, hatte da auch dann die Flotte, die so nach und nach eintraf, zusammengekauft. Und fürs Winterlager suchte er an und für sich einen sicheren Ort. Ja, und so ist also Brommy nach Brake gekommen. Der Ort Brake hatte dann schon ein bisschen Probleme. Vor allen Dingen mit den Disziplinlosigkeiten der Besatzung hauptsächlich während der Winterzeit.

Damals mussten aus Oldenburg extra zusätzliche Polizeieinheiten angefordert werden. Die örtlichen Gefängnisse sollen zeitweise sogar überfüllt gewesen sein. Das war die eine Seite. Die andere war durchaus positiver: “Wirtschaftlich hatte Brake Aufschwung genommen, auch gesellschaftlich und kulturell. Das war an und für sich das, was nachher in Brake geblieben ist.“

Doch die von Brommy gegründete erste deutsche Marineflotte hielt nicht lange. Sie war bis zu ihrer Auflösung 1852 an nur einem Kampfeinsatz beteiligt. Brommy traf das alles sehr. Am 9. Januar 1860 starb er dann mit 55 Jahren in Bremen-St. Magnus – als gebrochener Mann.

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