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Das Stadion "Bremer Brücke" in Osnabrück

19. April 2017, 10:40 Uhr

Es gibt die Bremer Stadtmusikanten, die Bremer Landesbank oder das Bremer Knipp – das sind einige der häufigsten Suchbegriffe im Internet im Zusammenhang mit Bremen. Und dann gibt es noch: die Bremer Brücke! So, und die steht nun nicht annähernd in Bremen, sondern: in Osnabrück. Gemeint ist damit das Stadion des Fußball-Drittligisten.

Luftbildaufnahme des Stadions in Osnabrück [Quelle: VfL Osnabrück]
Ein Bild aus alten Tagen: Das Stadion "Bremer Brücke" in Osnabrück in den 1950er-Jahren. [Quelle: VfL Osnabrück]

Zwei Tore, in der Mitte grüner Naturrasen und – passend zu den Vereinsfarben – viele lilafarbene und weiße Sitzschalen – das ist das Stadion des VfL Osnabrück. Einer, der seit mehr als fünfzig Jahren regelmäßig hierher kommt, das ist Horst Lewin. Anfang der Sechziger Jahre zog der 76-Jährige der Arbeit wegen von Lingen in den traditionellen Osnabrücker Arbeiter-Stadtteil Schinkel. Die Bremer Brücke kennt er seitdem – und zwar nur unter diesem Namen.

Lila-Weiß gegen Blau-Weiß

Luftbildaufnahme auf die Bremer Brücke in Osnabrück [Quelle: VfL Osnabrück]
Auswertungsluftbild (mit Stadion) aus den späten Kriegsjahren von den USAAF (United States Army Air Forces) [Quelle: VfL Osnabrück]

Das Stadion an der Bremer Brücke fasst mit Nord- und Südtribüne, West- und Ostkurve heute fast 17.000 Zuschauer. Gebaut wurde es in den Dreißiger Jahren vom SC Rapid, der 1938 im VfL Osnabrück aufging. Als erste große Partie im neuen Stadion galt der Sieg der Lila-Weißen gegen den deutschen Meister Schalke 04 – im November 1939. Der Austragungsort trug schon zu der Zeit den Namen "Städtisches Stadion an der Bremer Brücke". Direkt mit der Stadt Bremen hat der Name nichts zu tun, sagt Bernhard Lanfer, der Leiter des VfL-Museums.

Die Eisenbahnbrücke, die "Bremer Brücke", ist die Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof Osnabrück Richtung Bremen. Die Schinkelaner, die Bewohner aus dem Schinkel, die haben irgendwann mal den Begriff "Bremer Brücke" geprägt, die Zugüberführung haben die dann eben so genannt. Und so ist das seit Jahrzehnten eingebürgert.

Die benachbarte Eisenbahnbrücke, die eigentliche "Bremer Brücke", findet bereits Erwähnung in Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues":

Ein Bahnübergang. Ich stehe am Fenster, ich kann mich nicht trennen. Die anderen bereiten ihre Sachen zum Aussteigen vor. Ich spreche den Namen der Straße, die wir überqueren, vor mich hin: Bremer Straße, Bremer Straße… Radfahrer, Wagen, Menschen sind da unten; es ist eine graue Straße und eine graue Unterführung; sie ergreift mich, als wäre sie meine Mutter.

Schreibt der gebürtige Osnabrücker in seinem weltberühmten Roman über den Ersten Weltkrieg. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wird das Stadion bald wieder aufgebaut.

Legendärer Lederball

In den fünfziger Jahren macht die "Bremer Brücke" wieder von sich reden. Ein Lederball, der der Legende nach von Uwe Seeler höchstpersönlich in die angrenzenden Tannen geschossen wurde, erzählt noch bis heute im VfL-Museum von diesen Zeiten.

Der Eingang ins Stadion in Osnabrück [Quelle: Radio Bremen, Katharina Lohmeyer]
In lilafarbenden und weißen Buchstaben wird der geneigte Fußball-Fan an der Bremer Brücke begrüßt. [Quelle: Radio Bremen, Katharina Lohmeyer]

1995 bekommt die Bremer Brücke den Namen eines großen Osnabrücker Dienstleistungsunternehmens. Dann, ab 2004, lautet der neue Name wie der örtliche Telefonanbieter. Anfang dieses Jahres ist der Verein wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt – seitdem ist wieder vom "Stadion an der Bremer Brücke" die Rede. VfL-Museumsleiter Lanfer: "Ja, an die Wurzeln zurückzugehen, die Tradition des Vereins aufrecht zu erhalten, und natürlich auch die Tradition dieser Sportstätte aufrecht zu erhalten. Das ist natürlich Sinn und Zweck dieser Namensänderung."

Derzeit spielt der VfL Osnabrück in der Dritten Liga. Der Rasen an der Bremer Brücke hat aber auch schon bessere Zeiten gesehen – für den VfL, aber auch bei der Austragung der Frauen-Europameisterschaft 1989 zum Beispiel. Ob der neue, alte Name des Stadions, Bremer Brücke, dem Verein Glück bringen wird? Das weiß Bernhard Lanfer natürlich nicht. "Aber ich hoffe, dass wir in einigen Jahrzehnten immer noch diesen Namen für dieses Stadion haben. Das wäre toll."

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 19. April, 10.40 Uhr

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