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Der Bär von Esens

11. August 2015, 14:40 Uhr

Esens hat ein Wappentier: Einen Bären. In der ostfriesischen Stadt tummeln sich überall Bären. Es gibt die Bärenapotheke, Restaurants heißen Fischbär oder Spaghettibär. Der Bär ist überall. Denn die Stadt verdankt dem Tier vieles. Es hat sie einst vor einer Eroberung bewahrt.

Bären-Skulptur in Esens [Quelle: Radio Bremen, Frank Jakobs]
Rettete die Stadt Esens der Legende nach vor der Eroberung: Der Bär. [Quelle: Radio Bremen, Frank Jakobs]

Es ist das Jahr 1540. Es dauert nicht mehr lang und die Menschen in der Stadt müssen aufgeben. Die Bremer Belagerer haben alle Wege nach Esens abgeschnitten. "Die Feinde haben versucht, die Stadt auszuhungern, und das hat monatelang gedauert, und die Esenser unter dem damaligen Häuptling Baltasar wollten sich nicht ergeben", erzählt Gerd Rokahr, der sich mit der Geschichte Esens in mehreren Abhandlungen befasst hat.

Doch es gab nichts mehr zu essen. Die Esenser mussten sich sogar noch vor einem Ungetüm schützen: Ein fremder Bärenzieher sei in der Stadt gewesen und konnte sie wegen der Belagerung nicht verlassen. Er und sein Tier hätten auch Hunger gelitten, sagt Rokahr.

Bär brüllt Feinde in die Flucht

Die Flagge der Stadt Esens mit einem Bären. [Quelle: Radio Bremen, Frank Jakobs]
Als Dank wurde der Bär zum Wappentier. [Quelle: Radio Bremen, Frank Jakobs]

Der Bärenführer sperrte nun seinen Tanzbären in den Lumpenturm ein, in dem sonst Gesindel bei Wasser und Brot in Verwahrung gehalten wurde. Der Turm hatte unten nur ein kleines Verlies, eine steinerne Treppe führte nach oben auf eine Plattform. Getrieben vom Hunger stieg der Bär die Treppe hinauf. "Dort hat er dann die Brüstung des Turmes zerstört, hat die Steine rausgerissen und auf die Feinde geworfen", so Rotkahr.

Der brüllende Bär jagte den feindlichen Bremern Angst ein. Und sie zogen den falschen Schluss, sagt Rokahr: "Wenn die Esenser noch einen unnützen Bären durchfüttern können, dann hat es keinen Sinn, die Stadt weiter zu belagern, dann müssen die noch genügend Vorräte haben. Die Belagerer haben sich verzogen, und Esens war gerettet. Und als Dank haben die Esenser den Bären in ihr Wappen aufgenommen."

Wappentier von Esens

Ob sich diese Geschichte tatsächlich so abgespielt hat, ist ungewiss. In anderen Versionen belagern hessische Truppen die Stadt. Sicher ist aber, dass Esens zuletzt von den Bremern belagert wurde. Zur selben Zeit verstarb Junker Balthasar, der damalige Herrscher der Stadt. Kurze Zeit später schloss seine Schwester Anna von Rietberg einen Friedensvertrag mit den Bremern. An diesem Friedensvertrag vom 1. Dezember 1540 sei zum ersten Mal ein Siegel der Stadt Esens mit dem Bär als Wappentier angehängt worden, so Gerd Rokahr.

Ein Bär mit Arztkittel sitzt auf einer Hecke in Esens. [Quelle: Radio Bremen, Frank Jakobs]
Dieser Bär versucht sich als Arzt. [Quelle: Radio Bremen, Frank Jakobs]

Vermutlich wurde das Wappentier von der Häuptlingsfamilie Attena übernommen, aus dessen Geschlecht Balthasar stammte. In Esens kennen viele nur die Legende. Und bis heute ist der Bär allgegenwärtig in der Stadt. Es sollen 48 Bären sein.

Der Bär als Markenzeichen

Sie sind mannshoch und bunt, manche sind rot oder blau, manche tragen einen Anzug oder einen Arztkittel. Einige tragen den Schriftzug des Geschäfts, vor dem sie stehen. "Der Bär ist das Markenzeichen von Esens, ist ja auch auf dem Wappen drauf, und darum haben die vor Jahren die Bären sich angeschafft. Jeder der einen Bär haben wollte, kann sich einen kaufen", erzählt ein Bürger.

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