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Schauplatz Nordwest

Der David Copperfield des Nordens

12. Juli 2016, 15:40 Uhr

Sie lassen Dinge verschwinden, sägen Frauenkörper mittig durch oder holen aus dem Nichts eine Taube hervor: Magier und Zauberkünstler. Hoch im Norden, im Landkreis Aurich, lebte einst auch ein berühmter Zauberkünstler. Sein Name: Melachini. Obwohl dieser Mann ein Ausnahmekünstler von Weltruhm war, gibt es keine Spuren mehr von dem Mann in der Stadt.

Veranstaltungsgrafik Melachini Caligari [Quelle: Radio Bremen]
Im Landkreis Aurich lebte einst ein berühmter Zauberkünstler. Sein Name: Melachini Caligari.

Wilhelm Heinrich Joseph Geilen und seine Frau Berta sind sehr berühmte Leute. Bekannt sind sie als "Professor Melachini Caligari" und "La Beata". Sie zählten zu den prominentesten Persönlichkeiten in der Nachkriegszeit in Ostfriesland. Professor Melachini Caligari ist Zauberkünstler, La Beata seine Assistentin, sagt Johann Haddinga, der sich eingehend mit Melachini beschäftigt hat. Die beiden verzaubern ihr Publikum und zwar in ganz Europa. Melachini tritt sogar vor dem britischen König Eduard VII auf. Der Magier ist einer der gefragtesten im In- und Ausland, so Haddinga, der seine Zaubertricks mit eigenen Augen gesehen hat.

Ich kann mich an verblüffende Kartentricks erinnern, natürlich an die zersägte Jungfrau. Er ließ dann also Geldscheine verschwinden, die fanden sich dann in irgendwelchen Zitronen wieder. Irgendwann soll es ihm auch gelungen sein, ein ganzes Auto von der Bühne verschwinden zu lassen.

Glück beim fahrenden Volk

Melachini zeigt seine Künste immer wieder auch vor erlesenem Fachpublikum – auf Zauberkongressen. Auf einem dieser Kongresse, der war in Berlin, da wurde er als der Beste der Besten in der Welt bezeichnet. Dabei hätte er gar kein Zauberer werden sollen, sondern Pastor. So wollte es Melachinis Vater. Doch der Sohn verlässt mit 15 Jahren das Gymnasium in seiner Geburtsstadt Köln – ohne Abschluss.

Und dann suchte er sein Glück beim fahrenden Volk. Da hat er in der Akrobatengruppe eines Zirkusunternehmens in den Niederlanden vorübergehend eine neue Bleibe gefunden, und dann hat er sich auch das Zaubern beibrigen lassen.

Aufnahme in den magischen Zirkel

Für Melachini beginnt eine steile Karriere. Der magische Zirkel von Deutschland nimmt ihn auf. Er selbst gründet einen ähnlichen Zirkel in den Niederlanden. Als 1920 der Stummfilmklassiker "Das Cabinet des Doktor Caligari" in die Kinos kommt, tritt Melachini vor den Filmvorführungen mit seinen Tricks auf. So kommt er zu dem Beinamen "Caligari", den nur er verwenden durfte, so Haddinga. Doch im Zweiten Weltkrieg verliert der Zauberer seine gesamte Ausrüstung und landet schließlich im ostfriesischen Norden. Die britischen Besatzer erlauben ihm, zu zaubern. Melachini bleibt im Norden und gelangt von dort, zusammen mit La Beata, zu alter Berühmtheit. Nach dem Tod der beiden erinnerte lange Zeit ein Grabstein an das Magier-Ehepaar. Doch dieser Stein ist nun nicht mehr da, sagt Johann Haddinga.

Ich habe es festgestellt, als ich vor einigen Jahren noch einmal über den Melachini Caligari geschrieben habe, und ich wollte dann den Grabstein noch mal sehen und plötzlich war der verschwunden.

Keine Spur mehr von dem Zauberkünstler

Offenbar gab es keine Nachkommen, die sich um das Grab gekümmert haben. In solchen Fällen werden die Gräber von Amtswegen abgeräumt, erklärt ein Sprecher der Stadt Norden. Dass es sich in diesem Fall um einen berühmten Magier gehandelt habe, bedauere die Stadt. Kein Stein, keine Gedenktafel, nichts erinnert mehr an den Zauberer von damals. Und so wird Professor Melachini Caligari wohl irgendwann aus dem Gedächtnis der Stadt verschwinden – so wie einst das Auto auf seiner Bühne.

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