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Baum des Lebens

Ahnenforscher Timo Kracke

22. Juni 2017, 10:40 Uhr

Eine unauffällige Doppelhaushälfte am Ortsrand von Ganderkesee mit Blick auf grüne Wiesen. Das eigentlich Bemerkenswerte passiert drinnen, meist an einem Laptop auf dem Esszimmertisch. Timo Kracke geht dort den Spuren seiner familiären Herkunft nach. Der Einstieg in die Ahnenforschung ist heute – dank Internet – einfach geworden. Aber Ahnenforscher Timo Krackes Suche nach seinem Stammbaum ist aufwändig. Reporter Gerhard Snitjer hat ihn in Ganderkesee besucht.

Familien-Stammbaum [Quelle: Radio Bremen]
Eine Ahnentafel an der Wand: Das haben nicht nur die Habsburger, auch Genealoge Timo Kracke aus Ganderkesee erforscht die Herkunft seiner Familie.

Die Ahnentafel an der Wand gibt einen kleinen Einblick: Unten in der Mitte stehen die Namen von Timo Krackes Kindern. Darüber die beiden Eltern. Darüber deren vier Eltern. Darüber die Namen derer acht Eltern, den Urgroßeltern der Kinder. Aber es geht ja weiter, und es empfiehlt sich, die Namensfelder in immer größeren Halbkreisen anzuordnen. Ein Halbkreis mit 16 Namen, dann einer mit 32 und so weiter. Ab und zu bleibt auch mal ein Feld leer, denn es verlieren sich zwangsläufig einige Linien, trotz akribischer Recherche.

Der äußerste Halbkreis in dieser schmucken, gerahmten Ahnentafel besteht schon aus weit über 100 Feldern, aber Timo Krackes Familienforschung reicht viel weiter als die abgebildeten acht Generationen oder lächerliche 200 Jahre. Er ist viel, viel weiter in die Vergangenheit eingetaucht und kennt inzwischen die Tücken und die Tricks.

In welchem Zeitraum muss ich mich ans Standesamt wenden? Welchen Zeitraum muss ich in Kirchenbüchern suchen? Welche Sekundärquellen gibt es? Und wie kann ich sie lesen?

Ahnenlinie bis ins Mittelalter

Und wenn das gelingt, kommt man bei Vorfahren an, die vor 1800 lebten, und auch da ist noch nicht Schluss. Die längste Ahnenlinie, die Timo Kracke verfolgen konnte, führt noch viel weiter zurück, runde 200 Jahre vor Johann Sebastian Bach, also irgendwo ins 15. Jahrhundert – vor Luther, vor Kolumbus, eigentlich fast noch im Mittelalter.

Da zeugte ein Bauer namens Sander Upte Hurlo ein Kind und wurde damit zum frühesten noch feststellbaren Ahnen von Timo Kracke und seinen Kindern. Das liegt mindestens 20 Generationen zurück! Und nur mal angenommen, die gesamte Ahnentafel wäre so vollständig wie diese eine Linie, dann stünden mehr als zwei Millionen Namen drauf.

Timo Kracke stieß bei seinen Recherchen im Oldenburger Münsterland auf einen weiteren fleißigen Genealogen.

Und es stellte sich raus, dass er der Cousin 8. Grades meiner Frau ist.

Forschung mithilfe der DNA-Analyse

Timo Kracke findet solche Ergebnisse hochspannend, und mit ihm viele Mitglieder des Vereins für Computer-Genealogie, in dessen Vorstand er sitzt. Im klassischen Einwanderungsland USA sind die Forschungen schon weiter, sagt Kracke: Da lassen sich zum Beispiel ethnische Zugehörigkeit oder geografische Herkunft bereits per DNA-Analyse ermitteln. Das geht in Deutschland noch nicht, denn es gibt noch nicht genug Referenzproben.

Vielleicht ist das aber gar nicht so entscheidend, gibt Timo Kracke zu bedenken. Denn wer wir sind, ergibt sich nicht nur aus dem Erbgut, sondern auch aus den Spuren von Adoptiv- und Pflege-Eltern, aus der Liebe und Fürsorge von Stiefeltern und Patchwork-Verwandten. Das lässt vermuten, dass das Zeichnen einer Ahnentafel künftig noch viel komplexer wird als jetzt schon. Dennoch könnten unsere Nachfahren es damit einfacher haben: Unsere Lebensdaten werden heute viel besser dokumentiert als in den Unterlagen des späten Mittelalters.

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 22. Juni 2017, 10:40 Uhr

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