Fahrradfreundliches Bremen?

Der Verkehrssenator im Fakten-Check

Holprige Fahrradwege, parkende Autos, lange Ampelphasen: Bremen gilt zwar als Fahrradstadt. Dennoch gibt es viele Probleme. Bei Radio Bremen Vier stellte sich Verkehrssenator Joachim Lohse (Bündnis 90/ Die Grünen) den Fragen der Hörer. Wir fassen seine Antworten für euch zusammen – und machen den Fakten-Check.

Joachim Lohse [Quelle: Radio Bremen, Ulrike Kunze]
Der Verkehrssenator Joachim Lohse (Bündnis 90/ Die Grünen) stellte sich bei Radio Bremen Vier den Fragen der Hörer. [Quelle: Radio Bremen, Ulrike Kunze]

Zum Interviewtermin bei Radio Bremen Vier kam Verkehrssenator Joachim Lohse (Bündnis 90/ Die Grünen) 10 Minuten zu spät: Er war im Stau stecken geblieben. Vielleicht wäre er besser mit dem Fahrrad gekommen?

Wie fahrradfreundlich ist Bremen?

Die Situation in Bremen ist ziemlich gut, aber es gibt Luft nach oben.

Joachim Lohse (Bündnis 90/ Die Grünen), Verkehrssenator

Ein Viertel der Wege, die Bremer in der Stadt zurücklegen, bewältigen sie mit dem Fahrrad. "Bei Großstädten über 500.000 Einwohner belegt Bremen damit den dritten Platz europaweit", sagt Lohse. Um das Radfahren attraktiver zu machen, plane Bremen weitere Premiumrouten und Querrouten, um ein noch besseres Radwege-Netz zu schaffen.

Wohin mit der Kritik?

Holpriger oder zugewucherter Radweg, im Winter nicht gestreut? Solche Ärgernisse können die Bremer beim Bürgertelefon melden. Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr. Telefon: 0421 - 3610.

Faktencheck:

  • Stimmt. Auch der ADFC zeigt sich zufrieden mit der Gesamtsituation. In Berlin etwa liegt der Anteil der zurückgelegten Strecken mit dem Rad nur bei 15 Prozent.

  • Aber: In anderen deutschen Städten steigt der Anteil der Fahrradfahrer, in Oldenburg liegt er gar bei 42 Prozent. In Bremen stagniert die Zahl.

Grafik: Wie Bremer sich im Verkehr bewegen Zu Fuß: 25%, Mit dem Fahrrad: 24%, Mit dem ÖPNV: 16%, Mit dem MIV (Motorisierter Individualverkehr)/Auto: 35% [Quelle: Radio Bremen, Grafik: Marissa Kimmel]
Alle fünf Jahre werden die Bremer zu ihrem Verkehrsverhalten befragt, zuletzt 2013. Daraus geht hervor, dass das Fahrrad die Nummer Zwei in Bremen ist. Die Gewohnheiten von Pendlern und Touristen sind dabei nicht berücksichtigt worden. [Quelle: Radio Bremen, Grafik: Marissa Kimmel]

Radwege auf der Fahrbahn, Fahrradstraßen: Warum setzt Bremen darauf, dass Radfahrer auf den Straßen fahren?

Radfahrer haben immer das Recht, auf der Straße zu fahren. Es ist sicherer auf der Straße, das wissen viele nicht.

Verkehrssenator Lohse (Bündnis 90/ Die Grünen)

Gerade beim Abbiegen von Autos über einen Gehweg käme es zu vielen Unfällen mit Radfahrern. In Bremen sei es an vielen Stellen auch nicht möglich, die Radfahrer vom Straßenverkehr zu trennen, weil die Straßen zu schmal seien.

Faktencheck:

  • Tatsächlich wissen einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zufolge 85 Prozent der Radfahrer nicht, dass sie in der Regel auch auf der Straße fahren dürfen. Nur wo ein blaues Fahrradschild steht, muss der Radweg genutzt werden.

  • Dennoch wünscht sich der ADFC Bremen mehr durchgängige autofreie oder autoarme Routen. Auch viele Radfahrer fühlen sich zwischen den Autos unwohl.

  • Und bei Fahrradstraßen, auf denen Radfahrer Vorfahrt haben, kommt es immer wieder zu Konflikten, weil viele Autofahrer die neuen Regeln gar nicht kennen.

Fahrradstraßen: Wer hält sich an die Regeln?

Warum müssen Radfahrer an Ampeln so lange warten?

Alle sind unzufrieden mit Ampelschaltungen, auch die Autofahrer und Fußgänger. Wenn alle gleichermaßen meckern, kann es so schlimm ja nicht sein.

Joachim Lohse (Bündnis 90/ Die Grünen), Verkehrssenator

In der Regel versuche die Stadt, innerhalb von 60 Sekunden auf eine Grünphase umzustellen. Sollte es an manchen Stellen deutlich länger dauern, könnten die Bremer sich auch beim Bürgertelefon des Verkehrsressorts beschweren (siehe Infokasten).

Faktencheck:

  • Durch die bessere Vernetzung der Verkehsampeln für Busse und Bahnen kommt es vielerorts doch zu längeren Rotphasen für Radfahrer. Dies berichten Hörer und ein Verkehrsplaner.

  • Besonders lange müsse man an der Schwachhauser Heerstraße zwischen Emma- und Buchenstraße warten: bis zu drei Minuten. Auch an der Eduard-Schopf-Allee hätten Autofahrer bis zu 30 Sekunden länger grün.

Rote Ampel für Radfahrer [Quelle: Radio Bremen, Marcus Behrens]
Lange Wartephasen für Radfahrer: Da sahen einige Hörer rot. [Quelle: Radio Bremen, Marcus Behrens]

Was muss noch getan werden?

Wir können nicht alles perfekt gestalten. Es kommt immer auch auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer an, da ist Rücksichtsnahme angesagt.

Joachim Lohse (Bündnis 90/ Die Grünen), Verkehrssenator

In Bremen gebe es ein Problem mit schmalen Straßen und schmalen Radwegen, die oft auch eine schlechte Oberfläche hätten, gibt Senator Lohse zu. Diese Probleme monieren auch viele der Bremen-Vier-Hörer. Dennoch lohne es sich an vielen Stellen nicht, diese zu reparieren. Statt dessen müssten die Straßenräume neu gedacht und neu aufgeteilt werden. Aber: Bremen sei in einer schwierigen Haushaltslage.

Konkret will Lohse:

  • das Parken in zweiter Reihe in der Parkallee abschaffen. Der Ortsbeirat dort habe die Parkplätze gern erhalten worden, das habe sich aber nicht bewährt.

  • die für Radfahrer gefährliche Situation am Bremer Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) entschärfen. Ein neuer ZOB nahe des Güterbahnhofs sei konkret geplant und vermutlich in 4 bis 5 Jahren fertig.

Wie gefährlich ist Radfahren in Bremen – und welche Rolle spielen die Radfahrer selbst dabei?

Autorin: Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: 12. Mai 2017, Radio Bremen Vier, 8.40 Uhr.