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Rabiat

Scheißjob Bulle?

Freund und Helfer oder wütige Ordnungskraft

14. Februar 2020, 20:15 Uhr | 3sat

Das Bild von Polizistinnen und Polizisten in Deutschland ist so gespalten, wie lange nicht mehr oder vielleicht noch nie. Es muss und soll sich etwas ändern, sind sich die Verantwortlichen sicher, aber wie und vor allem mit welchem Personal scheint offen. Wie steht es um den Job im Dienst der Gesellschaft vorm Fußballstadion und beim Weltkongress, aber auch beim täglichen Einsatz? Rabiat-Reporter Manuel Möglich ist auf Spurensuche in einer Großorganisation im Wandel. In "Rabiat: Scheißjob Bulle?" interessieren ihn die Menschen, die Polizisten sind oder es noch werden wollen.

Der Reporter wird entfernt. [Quelle: Radio Bremen, Ilhan Coskun]
Polizeigriff – Rabiat-Reporter Manuel Möglich harrt in "Rabiat: Scheißjob Bulle?" während einer Übung der Bereitschaftspolizei Bremen in einer Sitzblockade aus und wird nach mehreren Aufforderungen mit Nachdruck entfernt. [Quelle: Radio Bremen, Ilhan Coskun]

Wachwechsel bei der Polizei. Nach zwanzig Jahren Sparkurs, nach Revierschließungen, überfüllten Überstunden-Konten und Beförderungsstau investieren Bund und Länder wieder. Vielmehr sie müssen investieren: Die Babyboomer gehen in Pension, die Lage im Land verändert sich, besonders an den Rändern. Der Respekt zerbröselt, Clankriminalität, Wirtschaftsverbrechen, Terror, Radikalismus, Cybercrime. Innere Sicherheit ist "das Thema".

Erneuern und verstärken, das sind die Chancen. Innerhalb nur eines Jahres (2017) kam es zu einem Personalanstieg um ca. 6.100 Beschäftigte. Das ist der größte Zuwachs seit über 20 Jahren. Mehr Frauen, mehr Beamte mit Migrationshintergrund, mehr bunte Republik.

Gleichzeitig ist die Polizei unter Druck. Das Gebot der Zukunft: Transparenz und Verhältnismäßigkeit auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Leichter gesagt als getan. G20, Hambacher Forst, NSU 2.0 werfen lange Schatten. Immerhin: Laut Forsa-Umfrage (2019) haben 78 Prozent der Deutschen Vertrauen in die Polizei.

Vor dem Weserstadion. [Quelle: Radio Bremen, Ilhan Coskun]
Freund und Helfer oder wütige Ordnungskraft – das Bild von Polizistinnen und Polizisten in Deutschland ist so gespalten, wie lange nicht mehr oder vielleicht noch nie. Es muss und soll sich etwas ändern, sind sich die Verantwortlichen sicher, aber wie und vor allem mit welchem Personal scheint offen. Unterwegs mit einer Hundertschaft beim einem Heimspiel von Werder Bremen. Der stellvertretende Zugleiter wartet mit Rabiat-Reporter Manuel Möglich vor dem Weserstadion auf das Ende des Spiels. [Quelle: Radio Bremen, Ilhan Coskun]

In Bremen begleitet die Rabiat-Reportage "Scheißjob Bulle?" eine Hundertschaft zu einem Bundesligaspiel. Tags drauf trainiert Rabiat-Reporter Manuel Möglich mit einem anderen Zug, lernt den MES (im Volksmund Gummiknüppel) und Abwehrtechniken am eigenen Leib kennen. Trainingspartner Jesper macht keinen Hehl daraus, dass manche Einsätze der Bereitschaftspolizei einiges von ihm und seinen Kollegen abverlangen: "Man wünscht sich manchmal, dass das Gegenüber auch den Menschen unter der Uniform sieht, der Familie hat und nach dem Dienst einfach nach Hause gehen will. Und das am besten gesund. Wenn man bespuckt wird oder von Clownsarmen mit Urin bespritzt wird, da fragt man sich schon: Ist das der richtige Job?"

Verdecktes Interview, irgendwo in Deutschland: Der Mann arbeitet als Polizeitrainer und geht seine Behörde in der Rabiat-Reportage deutlich an: "Entgegen der landläufigen Meinung sind Polizisten kein Querschnitt der Gesellschaft. Schon auf der Suche wird sehr deutlich nach einem bestimmten Persönlichkeitsprofil gefiltert. Deswegen findet man bei der Polizei tendenziell eher konservative Menschen mit einer ‘Law & Order‘-Mentalität und eben deutlich mehr Mitte-rechts-lastig politisch Eingestellte als Mitte-links."

Polizist bei einer Schießübung. [Quelle: Radio Bremen, Ilhan Coskun]
An der Polizeiakademie Nienburg (Weser) schießt ein junger Polizist in Ausbildung zum ersten Mal mit der Maschinenpistole MP5. [Quelle: Radio Bremen, Ilhan Coskun]

Die, die noch ganz am Anfang ihrer Polizeilaufbahn stehen, besucht Möglich auf seiner Reise zur Polizeiakademie Nienburg (Weser): Jasmina, Jonas und Jan sind Anfang 20, seit wenigen Monaten erst in der Ausbildung und noch Beamte auf Widerruf. Sie schießen an diesem Tag zum ersten Mal im Training mit der Maschinenpistole MP5. Einige Wochen später werden sie mit 1.600 anderen Anwärtern in Hannover bei der bis dato größten Vereidigung Niedersachsens von Boris Pistorius, Minister für Inneres und Sport, vereidigt.

Wie sollte die Polizei in der Zukunft aussehen? Sind die Reformen der Polizeigesetze der richtige Weg? Welche Chancen liegen in der nächsten Generation, welche Risiken birgt der Umbruch? Und was tun, wenn die Polizei versagt? Braucht es vielleicht eine unabhängige Behörde, die fehlerhafte Polizeiarbeit aufklärt? Die Rabiat-Reportage "Scheißjob Bulle?" geht diesen und anderen Fragen auf den Grund.

Ein Radio-Bremen-Film von Manuel Möglich.

Polizeitraining [Quelle: Radio Bremen, Ilhan Coskun]
In "Rabiat: Scheißjob Bulle?" darf Rabiat-Reporter Manuel Möglich am Training der Polizei teilnehmen und lernt Abwehrtechniken am eigenen Leib kennen. [Quelle: Radio Bremen, Ilhan Coskun]
Stabliste
Buch und RegieManuel Möglich
KameraAndy Lehmann und Ilhan Coskun
SchnittDanny Breuker
TonBoris Joens und Simon Wolf
ProduktionsleitungMichael Kappler
ProducerManuel Möglich und Christian Tipke
RedaktionJochen Grabler (Radio Bremen)
LeitungThomas von Bötticher (Radio Bremen)

Eine Produktion der Sendefähig GmbH im Auftrag von Radio Bremen für Das Erste © 2019.

Rabiat – das junge Reportageformat von Radio Bremen

Das Reportageformat "Rabiat" im Ersten gibt jungen Reporterinnen und Reportern die Möglichkeit, ihre Geschichte für ein großes Fernsehpublikum zu erzählen. Die Autorinnen und Autoren veröffentlichen ihre Reportagen seit knapp drei Jahren als "Y-Kollektiv" für funk, das Contentnetzwerk von ARD und ZDF. Sie sind preisgekrönt, nominiert, auffällig. Journalistinnen und Journalisten mit Haltung und Tiefgang im On, die auch mal voll in die Kamera sprechen, gehören zum Konzept. Der Fokus richtet sich auf die teilnehmende Beobachtung, das Kennenlernen, das Erleben.

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