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Rabiat

Deutschland den Deutschen?

Wie weltoffen sind wir noch?

20. Mai 2019, 23:00 Uhr | Das Erste

Deutschland schwankt zwischen "Merkel muss weg" und "Wir sind mehr". Wer ist Nazi? Wer ist Wutbürger? Wer ist bloß konservativ? Was macht die Mehrheit, die Mitte? Wie wappnet sich der Republikaner gegen die Feinde der Demokratie? Verblasst der Entwurf einer modernen und weltoffenen Gesellschaft? Das fragt sich Rabiat-Autorin Gülseren Ölcüm seit einigen Monaten. Für "Rabiat: Deutschland den Deutschen?" reist sie, die selbst zwei Pässe hat, durch die Republik, um herauszufinden, wie Deutschland derzeit tickt und wie sie selbst zu Deutschland steht.

Demo gegen Rechts [Quelle: Radio Bremen, Matthias Bähr]
"Rabiat: Deutschland den Deutschen?" besucht "Omas gegen Rechts", eine zivilgesellschaftliche überparteiliche Initiative, hier auf einer Demo in Fulda. [Quelle: Radio Bremen, Matthias Bähr]

Dabei begegnet Gülseren Ölcüm Heike Arnold. Sie möchte, dass ihre Enkel genauso frei und demokratisch aufwachsen, wie sie es konnte. Sie will keinen Rechtsruck im Land und keine autokratische Partei. Deswegen engagiert sie sich bei der Initiative „Omas gegen Rechts“. Zusammen gehen sie auf Demos oder organisieren andere Projekte. Rechts fängt für Heike Arnold und ihre Mit-Omas sehr früh an: jeder, der nach Herkunft, Ethnie und Religion differenziert und vor allem ausgrenzt. Stimmt die Definition?

Gülseren Ölcüm und Michel Friedman [Quelle: Radio Bremen, Matthias Bähr]
Rabiat-Reporterin Gülseren Ölcüm trifft Michel Friedman (Jurist, Medienmacher) in seiner Kanzlei in Frankfurt: "Ich bin neugierig. Ich möchte lernen. Und das geht nur, in dem man nur in einen Konflikt tritt. In dem man eine Meinung, eine Überzeugung hört, die nicht die eigene ist." [Quelle: Radio Bremen, Matthias Bähr]

Weiß der Jurist und Fernsehmoderator Michel Friedman Antworten, wie man streitet und ob man sich auf jede Diskussion einlassen sollte? Er diskutiert ausnahmslos mit jedem, sagt er. Aber auch für ihn gibt es Grenzen: "Wenn jemand den Holocaust leugnet, habe ich keine Gesprächsgrundlage mehr."

Fast 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben rechtspopulistische Denkmuster, sagt Prof. Wilhelm Heitmeyer, Soziologe. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Rechtsextremismus, Gewalt, soziale Desintegrationsprozesse und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Von ihm will Gülseren Ölcüm wissen, was gerade los ist, wann sich das alles angebahnt hat und wie er selbst mit der Situation umgeht.

Gülseren Ölcüm und Frauke Petry [Quelle: Radio Bremen, Matthias Bähr]
Rabiat-Reporterin Gülseren Ölcüm im Interview mit Frauke Petry (Blaue Wende/Das Bürgerforum): "Ich wollte nie Angst machen, aber ich schließe nicht aus, dass ich auch Angst mache." [Quelle: Radio Bremen, Matthias Bähr]

Auf ihrer Suche wagt die Rabiat-Reporterin schließlich selbst den Versuch und redet mit Rechtspopulisten. Sie trifft in Zwickau Frauke Petry, Ex-AfD-Vorsitzende. Für Gülseren Ölcüm hat Frauke Petry die Stimmung in Deutschland in den letzten Jahren stark beeinflusst. Unter ihrem Vorsitz fielen rechtspopulistische und teilweise extreme Äußerungen. Für sie gehört Polarisierung und Emotionalisierung zum Politik-Business. "Vielleicht schießt man da manchmal über das Ziel hinaus", so Frauke Petry, aber das gehört nun mal dazu.

Quer durch Deutschland führt "Rabiat: Deutschland den Deutschen?" und trifft Menschen, die sich für Toleranz und Vielfalt engagieren, und andere, die den Populismus vorangetrieben haben. Dabei geht es immer auch um die eigene Einstellung: Muss man nicht mehr die Diskussion suchen? Tut man manchen Menschen unrecht?

Ein Radio-Bremen-Film von Gülseren Ölcüm.

Stabliste
Buch und RegieGülseren Ölcüm
KameraIlhan Coskun und Matthias Bähr
SchnittDanny Breuker und Manuel Weingärtner
TonRagip Alkan und Simon Wolf
ProduktionsleitungMichael Kappler
ProducerManuel Möglich und Christian Tipke
RedaktionJochen Grabler (Radio Bremen)
LeitungThomas von Bötticher (Radio Bremen)

Eine Produktion der Sendefähig GmbH im Auftrag von Radio Bremen für Das Erste © 2019.

Rabiat – das junge Reportageformat von Radio Bremen

Das Reportageformat "Rabiat" im Ersten gibt jungen Reporterinnen und Reportern die Möglichkeit, ihre Geschichte für ein großes Fernsehpublikum zu erzählen. Die Autorinnen und Autoren veröffentlichen ihre Reportagen seit knapp drei Jahren als "Y-Kollektiv" für funk, das Contentnetzwerk von ARD und ZDF. Sie sind preisgekrönt, nominiert, auffällig. Journalistinnen und Journalisten mit Haltung und Tiefgang im On, die auch mal voll in die Kamera sprechen, gehören zum Konzept. Der Fokus richtet sich auf die teilnehmende Beobachtung, das Kennenlernen, das Erleben.

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