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Pergamon in Gips

Jubiläumsausstellung auf der Museumsinsel

15. September 2019, 15:30 Uhr | Arte

Aus Anlass ihres 200-jährigen Bestehens wird der Berliner Gipsformerei eine umfassende Jubiläumsausstellung in der neu eröffneten James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel gewidmet. Kunstwerke oder Menschen, ob lebend oder tot, in Gips abzuformen, galt im 19. Jahrhundert als hohe Kunst. Die Berliner Gipsformerei verfügt über einen weltweit einzigartigen Bestand von über 7.000 Formen. Erstmals porträtiert eine Dokumentation diese älteste Institution der Berliner Museen, die aktive Manufaktur wie wertvolle Sammlung ist.

Gipskopf [Quelle: Arte]

Die Berliner Gipsformerei verfügt über einen Bestand von über 7.000 Formen, sie hat sich zudem auf besonders großformatige Gipsabgüsse spezialisiert. Darunter befinden sich ein Mastermodell des David des Renaissancekünstlers Donatello oder Abformungen des Pergamon-Frieses.

40 laufende Meter dieses weltweit berühmten antiken Frieses werden nun als Kopie neu gegossen. Ein Millionenauftrag für die Berliner Gipsformerei. Die Arte-Dokumentation begleitet diesen anspruchsvollen Herstellungsprozess ein Jahr lang und beobachtet die Gipskunstformer in der Werkstatt bei der Ausübung dieses selten gewordenen traditionellen Handwerks.

Im 19. Jahrhundert galten Gipskopien als eigenständige Kunstwerke: Wilhelm von Humboldt oder Johann Wolfgang von Goethe haben sie gesammelt und in ihren Privathäusern präsentiert, der Maler Adolph von Menzel hat sie gleich in mehreren Gemälden verewigt: Gipsabgüsse von antiken Statuen oder Totenmasken berühmter Persönlichkeiten. Heute erlebt der Gips eine Renaissance. Zeitgenössische Künstler wie Jeff Koons oder Stella Hamberg erstellen Skulpturen aus dem strahlend weißen Material.

Zudem wirft die Dokumentation einen genauen Blick auf die wertvolle Sammlung: Darunter befinden sich auch Lebendabgüsse von Menschen aus der Kolonialzeit, die nun erstmals wissenschaftlich untersucht werden. Diese sogenannten anthropologischen Gesichtsabformungen wurden um 1880 von Forschungsreisenden in Afrika, Asien und Ozeanien erstellt, um Menschen zu typologisieren. Die Berliner Gipsformerei stellt sich - als aktive Manufaktur wie Hort einer wertvollen Sammlung - auch diesem viel diskutierten Erbe.

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