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Herbstgäste 2019

Wie die Schauspielerin Miriam Maertens dem Tod ein Schnippchen schlug

2. November 2019, 11:00 Uhr

Miriam Maertens ist eine starke Frau, das beweist sie nicht nur regelmäßig als Theater-Schauspielerin, sondern vor allem auch im Umgang mit ihrer Krankheit. Von Geburt an litt sie unter Mukoviszidose, einer schweren Lungenkrankheit. Miriam Maertens ignorierte alle schlechten Prognosen, kämpfte und bekam 2012 eine neue Lunge transplantiert. Ein bewegender Lebenslauf, über den die Schauspielerin sehr offen mit Bremen-Zwei-Moderatorin Katrin Krämer im Rahmen unserer Herbstgäste-Reihe im Horst-Janssen-Museum in Oldenburg sprach.

Miriam Maertens und Katrin Krämer im Horst-Janssen-Museum [Quelle: Radio Bremen]
Im Gespräch mit Bremen-Zwei-Moderatorin Katrin Krämer (rechts) erzählte Miriam Maertens sehr offen, wie sie und ihre Familie mit ihrer schweren Krankheit umgegangen ist

Das komplette Gespräch zum Anhören:
"Das einzige, was man braucht, ist jemand, der bei einem ist" – Schauspielerin Miriam Maertens [48:23 Minuten]

Dass Miriam Maertens Schauspielerin werden würde, war auf eine gewisse Art vorgezeichnet: Sie entstammt einer Hamburger Theater-Dynastie, ihr Großvater Willy Maertens war viele Jahre lang Intendant des Hamburger Thalia-Theaters. Allerdings litt seit ihrer Geburt an einem Gendefekt, der ihr ein normales Leben fast unmöglich machte. Ärzte attestierten ihr eine Lebenserwartung von gerade mal fünf Jahren.

Für ihre Eltern war das allerdings kein Grund, das kleine Mädchen in Watte zu packen, im Gegenteil: Miriam Maertens profitierte davon, dass ihre Mutter ihr viel zutraute. Sie durfte mit in die damals noch oft verqualmten, staubigen Theater, wo Vater und Großvater auf der Bühne standen und bekam die besondere Atmosphäre von Klein auf mit. Für Maertens' Selbstbewusstsein genau richtig:

Meine Mutter hat das toll gemacht. Sie hat mir die Freiheit gegeben, Sachen zu machen, die für meine Seele gut waren.

Miriam Maertens über ihre Mutter

Maertens feiert zweimal im Jahr Geburtstag

Ihre schwere Krankheit ignorierte Miriam Maertens so gut es eben ging und verheimlichte sie fast ihr ganzes Berufsleben lang. Diesen Kraftakt mit täglich mehrstündigen Inhalationen und häufiger Antibiotika-Behandlung beschreibt sie in ihrem Buch "Verschieben wir es auf morgen: Wie ich dem Tod ein Schnippchen schlug".

Miriam Maertens mit dem Musiker Andy Einhorn an der Gitarre [Quelle: Radio Bremen]
Andy Einhorn, ein befreundeter Musiker aus Bremen, überraschte Miriam Maertens in Oldenburg. Gemeinsam sangen sie einen Song von Tom Waits

Seit 2012 lebt Maertens mit einer Spenderlunge und feiert seitdem zweimal im Jahr Geburtstag. Für ihren zweiten Geburtstag ist sie vor allem ihrem Bruder sehr dankbar, der sie zur Transplantation und auch später zur Reha begleitete. "Wir sind heute ein Jahr älter", schreibt sie ihm jedes Jahr am Stichtag per SMS. Diese positive Erfahrung, wie ihre Familie mit der Krankheit umgegangen ist, möchte sie durch ihr Buch weitergeben. "Hätte ich das Buch gelesen, hätte es mir in meiner Situation geholfen", erklärt sie.

Vom Zürichsee an den Maschsee

Miriam Maertens und Katrin Krämer im Horst-Janssen-Museum [Quelle: Radio Bremen]
Verstanden sich auf Anhieb gut: Miriam Maertens und Katrin Krämer

Nach 14 Jahren am Schauspielhaus Zürich und nach Zwischenspielen unter anderem am Theater Bremen ist Miriam Maertens seit dem Sommer festes Ensemblemitglied am Staatsschauspiel Hannover. Dieser Schritt ist ihr als bekennende Norddeutsche leicht gefallen, aber an die niedersächsische Landeshauptstadt musste sie sich dann doch erst mal gewöhnen, gibt sie lachend zu:

Hannover war am Anfang ein gewisser Schock, aber das ist jetzt vorbei.

Miriam Maertens über ihre neue Heimat Hannover

Aktuell spielt sie in Hannover die Rolle der mysteriösen Mrs Kesselman in der Uraufführung "Zeit aus den Fugen" nach dem Science-Fiction-Autor Philip K. Dick. Und mit ihrem Buch wird sie auf Lesetour gehen – auf der sie übrigens auch singen wird. Eins der vielen kleinen und großen Wunder aus Miriam Maertens Leben.

Unsere Herbstgäste im Horst-Janssen-Museum in Oldenburg:
9. November, 11 Uhr: Frank Plasberg, TV-Moderator und Journalist 16. November, 11 Uhr: Jan Weiler, Schriftsteller

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. November 2019, 11:05 Uhr

Veranstaltungstermin:
2. November 2019, 11:00 Uhr

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