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Wintergäste 2020

Martina Buttler: "Die USA sind ein spannendes Mosaik"

Langjährige ARD-Korrespondentin

1. Februar 2020, 11:00 Uhr | Theater Bremen, Noon (Foyer Kleines Haus)

Ein wegweisendes Jahr hat in den USA begonnen. Mit Präsidentschaftswahlen und der großen Frage: Gelingt Donald Trump die Wiederwahl? Bremen Zwei-Wintergast Martina Buttler lebte neun Jahre lang als ARD-Korrespondentin in den USA und brachte viele frische Eindrücke mit ins Café Noon im Theater Bremen. Vor vollem Haus ging es von Washington nach Iowa, von Obama zu Trump, wieder nach Iowa und immer wieder zu den Menschen und dem "wirklichen Amerika".

Martina Buttler [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]
Aus Washington zurück: Wintergast Martina Buttler [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]

Das Gespräch mit Martina Buttler in voller Länge:
"Trump hat verdammt viel Macht" [44:25 Minuten]

Die USA und Martina Buttler: Das ist eine Geschichte, die schon zu Studentenzeiten begann. Und auch die vielen Jahre als Korrespondentin haben abgefärbt, meint sie. Sie hofft, sich die Freundlichkeit der Amerikaner zu bewahren, genau wie ihren ausgeprägten Sinn dafür, sich im Alltag für ihre Mitmenschen zu kümmern. Wobei: "Die Amerikaner" gebe es nicht, betont Martina Buttler immer wieder. Was also sind die USA für sie?

Es ist kein Melting Pot, sondern ein superspannendes, vielfältiges Mosaik.

Das Weiße Haus

Bis Ende 2019 lebte Martina Buttler in den USA, die letzten Jahre berichtete sie aus Washington. Eine Stadt, die nicht das wirkliche Amerika sei, eine Hauptstadt, auf Sumpf gebaut. Eine politische Stadt. Zwei Präsidenten erlebte sie im Weißen Haus. Ein normales Haus werde es nie für sie, sagt Buttler.

Das liegt an so Sätzen wie von Michelle Obama: "Dies Haus ist von Sklaven erbaut, und wir haben jetzt eine schwarze First Family, die darin lebt." Das macht so ein Haus nicht normal. ...Das ist schon etwas Besonderes, wenn man ins Weiße Haus gehen kann. Und manchmal guckt man so hinter die Kulissen und merkt, ach, die kochen auch alle nur mit Wasser.
Martina Buttler [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]
Auf Augenhöhe: Martina Buttler und Moderator Tom Grote [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]

Jetzt lebt Präsident Trump im Weißen Haus, und Martina Buttler würde keine Wette darauf abschließen, dass sich das im November ändere, sagt sie. Zwar lüge Trump ständig, und natürlich wüssten die Amerikaner das auch, aber "solange die Richtung stimmt, blenden sie das aus." Die Wirtschaftszahlen sprächen für Trump, und er sende klare Signale an seine Wählerschaft.

Man muss ihn ernst nehmen. Denn dieser Mann hat verdammt viel Macht.

Wo die Wahl entschieden wird

Nicht die in Deutschland viel diskutierte Außenpolitik, wie die Konflikte im Iran oder Syrien, werden die Wahl entscheiden, sagt Martina Buttler. Viel wichtiger sei die Innenpolitik, Themen wie die Besetzung des Supreme Court, die Waffengesetze, die Wirtschaft, die Krankenversicherung.

Martina Buttler [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]
Privates und Politisches: Martina Buttler erzählte über ihre Zeit in den USA. [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]

Wie konträr all dies in den USA beurteilt wird, erfuhr Martina Buttler auf ihren Reisen durchs Land: Vor einer Abtreibungklinik in Alabama – "Man muss sich das vorstellen wie ein Kriegsgebiet" – traf sie auf Abtreibungsgegner, die dort täglich aus tiefster Überzeugung heraus demonstrieren und für die Frauen beten. Und im Gespräch mit einer jungen Frau in Washington erfuhr sie, dass diese sich ein Maschinengewehr zusammengebaut hat – um ihre Habe gegen den Staat schützen zu können. Das Recht aus Waffenbesitz habe viel mit dem Gründungsgedanken Amerikas zu tun, sagt Martina Buttler.

Was man nicht unterschätzen darf, ist, wie sehr dieses Thema amerikanische Grundüberzeugungen angeht.

Entschieden werde die Wahl nicht in den großen Städten an der Ost- und Westküste, sondern im "Fly over Country" dazwischen. Dort, abseits von Washington und New York, sei das wahre Amerika und ...

... dort wird im November entschieden, wer der nächste US-Präsident ist.

Immer wieder Iowa

Eine wichtige Rolle spielt beim Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Bundesstaat Iowa: Dort beginnen traditionell die Vorwahlen; die Menschen in Iowa kommen den Bewerbern näher als alle anderen. Und das erwarten sie auch. Hillary Clinton hätte womöglich ganz anders dagestanden, wenn sie seinerzeit im Wahlkampf an einer Berufsschule in Iowa nicht den Hintereingang genommen hätte...

Doch Iowa ist nicht nur der Bundesstaat, in dem der US-Wahlkampf beginnt. Es ist auch der Staat, in dem Martina Buttler ein Jahr lang studierte. Sie gerät heute noch ins Schwärmen über den Staat, der geprägt wird von "corn and cows". Es sei eines der lebensentscheidensten Jahre für sie gewesen.

Ich habe eine Zeit lang in Iowa gelebt – das ist toll!  Das ist das wirkliche Amerika...Auf diesen Farmen leben die tollsten Menschen! Die haben ganz viel Musik.

Bilder, die bleiben

Martina Buttler [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]
Mal nachdenklich, mal fröhlich und immer offen: Martina Buttler. [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]

Abseits des politischen Tagesgeschehens den Alltagsgeschichten nachzuspüren, liegt Martina Buttler besonders am Herzen. Oft erfährt sie dabei Geschichten, die ihr nahegehen, erzählt sie offen und sehr persönlich. Natürlich sei es ihr Job als Journalistin, zu berichten und beide Seiten zu Wort kommen zu lassen, "das heißt aber nicht, dass man nicht mitfühlend sein kann".

Sie halte hinterher Kontakt zu den Menschen, denn es sei nicht selbstverständlich, dass sie ihr von den schwersten Momenten ihres Lebens erzählten.

 Ich habe mit einem Vater geredet, der sein Kind in Sandy Hook, der Grundschule, verloren hat. Ich kriege jetzt Gänsehaut, wenn ich Ihnen davon erzähle …Ich bin ja nicht nur Journalist, ich bin ja auch Mensch. …..dass der Mann abends in seiner Auffahrt steht und in den sternenklaren Himmel guckt und an seinen Sohn denkt – das bleibt bei mir als Bild.

Moderation: Tom Grote

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 1. Februar 2020, 11:05 Uhr

Martina Buttler im Porträt [3:49 Minuten]

Genaue Adresse:
Theater Bremen, Noon (Foyer Kleines Haus)
Goetheplatz 1-3
28203 Bremen

Veranstaltungstermin:
1. Februar 2020, 11:00 Uhr

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