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Wintergäste 2020

Harald Lesch: "Es ist doch eigentlich schön im Universum."

Physiker, Astronom, Naturphilosoph und Autor

8. Februar 2020, 11:00 Uhr | Theater Bremen, Rangfoyer

Physiker, Astronom, Erklärbär: Harald Lesch war unser Wintergast. Es ging vom Urknall in die Gaststätte der Großeltern, von der Mondlandung zum Briefmarkensammeln, launig und unterhaltsam. Und es wurde ernst, als Harald Lesch auf den Klimawandel zu sprechen kam. Eine Stunde voller Erkenntnisse, dargeboten von einem, der seinem Publikum Abstraktes höchst lebendig vermitteln kann. Sehr viele mehr hätten ihm gerne zugehört, doch schon eine halbe Stunde vor Beginn mussten die Türen wegen Überfüllung geschlossen werden.

Harald Lesch [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]
Lebhaft und anschaulich: Harald Lesch erklärt die Welt – vom Urknall bis heute. [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]

Das ganze Gespräch zum Anhören [44:11 Minuten] Wintergast Harald Lesch (Nachbericht) [3:22 Minuten]

Leidenschaftlicher Wissensvermittler

Sternenpathologe sei er, sagt Harald Lesch. Sterne seien interessant, denn "sie sind tot. Das ist wichtig." Sein Interesse an den Menschen sei allerdings viel größer als das Interesse an Sternen. Und beides hänge ja schließlich zusammen:

 Was mir hier gegenübersitzt, besteht zu 92 Prozent aus Sternenstaub… Dies Material ringsherum, das hier sitzt und sich freut – das ist applaudierende Sternenmaterie.  

Das Bild vom Sternenstaub gefällt ihm: "Ach, weißte was, Liebelein, es ist doch eigentlich schön im Universum."

Harald Lesch und Tom Grote [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]
Engagiertes Gespräch: Moderator Tom Grote und Harald Lesch. [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]

Jenseits aller Romantik, die wir mit dem Blick in den Sternenhimmel verbinden, betrachtet Lesch das Universum wissenschaftlich. Weiße Zwerge, schwarze Löcher oder der Urknall – "ich weiß es noch genau, das war an einem Samstagmorgen... " Sein Wissen darüber gibt er gerne weiter, als Hochschullehrer an der Uni München, in Wissenschaftssendungen und auf YouTube, wo ihm eine halbe Million Abonnenten zuhören.  

Ich glaube, ich habe so einen genetischen Defekt, dass ich versuche, aus allem was zu machen, was ich pädagogisch verwenden kann, um Leuten irgendwas unter die Großhirnrinde zu jubeln.

Brief an die Nasa

Harald Lesch [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]
Seine Kindheit, seine Hobbies, seine Familie: Wintergast Harald Lesch erzählte auch sehr Persönliches. [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]

Schon als Kind war Lesch vom Universum fasziniert; bis heute ist er großer Fan von Perry Rhodan und der Raumpatrouille Orion.
Als 10-Jähriger schrieb er einen Brief an die Nasa, weil er Astronaut werden wollte. Und er bekam tatsächlich eine Antwort; der Brief hängt heute über seinem Schreibtisch. Dabei war er lange verschollen und tauchte erst wieder auf, als nach dem Tod der Mutter die Wohnung aufgelöst wurde. "Ich habe Rotz und Wasser geheult."

Klimawandel und Energiewende

Harald Lesch glaubt an die Macht der Aufklärung, "gnadenlos". Er will immer wieder an die Vernunft und den Verstand der Menschen appellieren. Ein Thema, das ihm besonders wichtig ist, ist der Klimawandel. Und wenn er darüber spricht, wird er sehr deutlich:

Das Thema Klimawandel und Energiewende muss dringend aus der Parteipolitik rausgenommen werden. Das darf keine Frage sein. Das muss Staatsräson für die Bundesrepublik sein.

Es gehe jetzt darum, das erkannte Richtige zu tun; und das bedeute, soviel erneuerbare Energie wie irgend möglich auszubauen. Für sein Engagement bekommt er viele Hassmails, erzählt Harald Lesch. Das sei ihm vollkommen unverständlich.

Wieso bringt es jemanden dazu, mich zu hassen, wenn ich behaupte, dass Moleküle Infrarotstrahlung absorbieren? Ich kenne keines dieser Moleküle persönlich. Wer um alles in der Welt kann das persönlich nehmen?
Harald Lesch [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]
Wissenschaftler und Menschenfreund: Harald Lesch. [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]

"Einfach mal Dinge lassen"

Es war eine Stunde voller Erkenntnisse, dargeboten von einem, der seinem Publikum Abstraktes höchst lebendig vermitteln kann – mit Humor, dem gebotenen Ernst und einer großen Portion Menschenliebe. Was wünscht er sich von der Welt? Und was wünscht er sich für die Welt? Das sei eigentlich immer Dasselbe, meint Harald Lesch:

Gelassenheit, Großzügigkeit. Seid freundlicher zueinander. Einfach mal Dinge lassen. ... Und immer an den Satz von Hans Dieter Hüsch, meinem großen Helden, denken: "Zusammen – das ist das Glück!"

Im Porträt: Harald Lesch [2:50 Minuten]

Moderation: Tom Grote

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 8. Februar 2020, 11:05 Uhr

Genaue Adresse:
Theater Bremen, Rangfoyer
Goetheplatz 1-3
28203 Bremen

Veranstaltungstermin:
8. Februar 2020, 11:00 Uhr

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