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Frühlingsgäste 2019

Hanns-Josef Ortheil

Schriftsteller

11. Mai 2019, 11:00 Uhr | Café Farbwechsel im Horst-Janssen-Museum

Der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil war unser zweiter Frühlingsgast 2019. Seit vielen Jahren gehört er zu den beliebtesten und meist gelesenen deutschen Autoren der Gegenwart. Seine Romane und Erzählungen haben oft biografische Wurzeln.

Hanns-Josef Ortheil [Quelle: Radio Bremen, Levke Behrens]
Hanns-Josef Ortheil [Quelle: Radio Bremen, Levke Behrens]

Aus der Stille in die Welt der Wörter – Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil [47:57 Minuten]

Seit vielen Jahren gehört Hanns-Josef Ortheil zu den beliebtesten und meist gelesenen deutschen Autoren der Gegenwart. Was wohl auch damit zu tun hat, dass er – im Gegensatz zu vielen seiner Schriftstellerkollegen – keine Scheu vor sympathischen Hauptfiguren und vor großer Liebe kennt. Leere Worthülsen und Plattitüden mag er aber gar nicht. Seit seinem achten Lebensjahr schreibt er täglich. Kein klassisches Tagebuch, aber "Notaten" – also kurze, in sich geschlossene Texte, die einen literarischen Charakter haben. Dafür trägt Ortheil immer ein Notizbuch bei sich.

Ich habe praktisch jeden Tag geschrieben. Nicht mit dem Anspruch, etwas Literarisches zuschreiben, sondern die Zeit und das, was um mich herum ist, festzuhalten. Und das ist das große Schreibnetz, in dem ich mich bewege. Hanns-Josef Ortheil, Autor

Aus diesem Netz trenne er dann Texte heraus, die in seinen Büchern veröffentlicht werden. Darunter sind einige über die Reisen mit seinem Vater.

Der Geschmack von Gin mit Zitrone

Hanns-Josef Ortheil und Katrin Krämer [Quelle: Radio Bremen, Levke Behrens]
Zu Gast in Oldenburg: Hanns-Josef Ortheil [Quelle: Radio Bremen, Levke Behrens]

Jedes Jahr in den Sommerferien war der gebürtige Kölner mit seinem Vater unterwegs. Mal zu Fuß und ganz langsam durch Berlin, oder immer an der Mosel entlang. Dann die Schlussreise im Jahr 1967 von Antwerpen nach Istanbul  – mit dem Frachtschiff. Den Geschmack vom Gin mit Zitrone hat Hanns-Josef Ortheil noch auf der Zunge und "Penny Lane" von den Beatles im Ohr. Plötzlich die Erkenntnis: "Ich bin ein Außenseiter". Wie der Autor feststellte, lebte er in einem engen Kokon. Lernte seit er vier war Klavier, und in der Schule dann Latein und Griechisch. Auf der Fahrt über das Meer bekam der damals 15-Jährige dann den Einblick in eine ganz neue Welt. Festgehalten hat Hanns-Josef Ortheil diese Erkenntnis und andere im Buch "Mittelmeerreise" – aufgeschrieben 50 Jahre nach dieser Reise.

Die Beziehung zu seinem Vater war immer sehr eng. Vor seiner Geburt im Jahr 1951 hatten seine Eltern vier Söhne im Krieg und in der Nachkriegszeit verloren. Nach diesen traumatischen Ereignissen verstummte Ortheils Mutter und mit ihr der Sohn. Erst im Alter von acht Jahren fand Hanns-Josef Ortheil – auch eben durch die liebevolle Zuwendung und Förderung seines Vaters – zur Sprache zurück.

Zuhause in der Welt von Musik und Worten

In seiner neuesten Erzählung "Wie ich Klavierspielen lernte" schildert er seine Anfänge als musikalisches Wunderkind und die manchmal skurrilen Seiten eines Lebens als Konzertpianist – eine Karriere, die er mit Anfang 20 krankheitsbedingt aufgeben musste. Seine erste Lehrerin damals: die eigene Mutter. Da beide nicht sprachen, kommunizierten sie nur durch Blick und das Gehör. Die Mutter spielte vor, der Sohn anschließend nach.  Der kleine Hanns fing nicht nur an zu spielen, sondern er versuchte, das Klavier eher zu erforschen. Eine Liebe wurde entfacht. Sein großes Ziel: die Carnegie Hall in New York.

Hanns-Josef Ortheil und Katrin Krämer [Quelle: Radio Bremen, Levke Behrens]
Hanns-Josef Ortheil und Katrin Krämer [Quelle: Radio Bremen, Levke Behrens]

Auf dem Land im Westerwald – fern von der Mutter – versuchte Ortheils Vater, den Jungen "aufzuwecken".  Bei Spaziergängen erklärte er die Natur und versuchte, seinen Sohn dieselben Worte wiederholen zu lassen. Das Vokabular von Hanns-Josef Ortheil wuchs also jeden Tag an, nur nutzte er es nicht. Irgendwann hielt er die eigene Stille nicht mehr aus. Die ersten Worte nach Jahren des Schweigens: Der Zuruf "Gib doch mal her" zu zwei Jungs, die Fußball spielten.

Hanns-Josef Ortheil im Porträt [3:31 Minuten]

Moderation: Katrin Krämer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. Mai 2019, 11:05 Uhr

Genaue Adresse:
Café Farbwechsel im Horst-Janssen-Museum
Am Stadtmuseum 4-8
26121 Oldenburg

Veranstaltungstermin:
11. Mai 2019, 11:00 Uhr

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