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Wie harmlos ist der Müll auf der Deponie Käseburg?

Warum sich Bürger und Politik in Brake gegen die Einlagerung von leicht radioaktivem Müll wehren

30. Mai 2018, 15:35 Uhr | Berufsbildungszentrum Brake

Die Atom-Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 hatte auch in Deutschland Folgen. In Rekordzeit boxte die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung den Atomausstieg durch und entschied, die verbliebenen Atommeiler nach und nach vom Netz zu nehmen. Unter ihnen das Kernkraftwerk Unterweser (KKU) im Landkreis Wesermarsch nahe Brake. Im Frühjahr dieses Jahres hat dort der Rückbau begonnen. Um den anfallenden Bauschutt gibt es Streit. Wir diskutierten vor Ort.

Volker Raffel, Werner Neumann, Moderator Stefan Pulß, Thomas Brückmann, Harry Grotheer [Quelle: Radi Bremen, Henriette Breuer]
Die diskussionsrunde bei Bremen Zwei unterwegs [Quelle: Radi Bremen, Henriette Breuer]

Mitschnitt der Diskussion [41:14 Minuten] Zusammenfassung der Diskussion [3:42 Minuten]

Nach Einschätzung des Betreibers Preussen Elektra wird der Rückbau voraussichtlich 13 Jahre dauern. In dieser Zeit fallen unter anderem große Mengen Bauschutt an, darunter mehrere tausend Tonnen "freigemessene", also strahlungsarme Abfälle. Weil diese – wegen ihrer geringen Strahlung – nicht mehr der Strahlenschutzverordnung unterliegen, dürfen sie nach dem Gesetz auf Hausmülldeponien entsorgt werden.

Unberechtigte Ängste?

Zuschauer und Diskussionsrunde bei Bremen Zwei unterwegs [Quelle: Radi Bremen, Henriette Breuer]
Lebhaft und kontrovers: Die Zuhörer bei Bremen zwei unterwegs hielten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. [Quelle: Radi Bremen, Henriette Breuer]

Kernkraftwerk-Betreiber Preussen Elektra hat nun ein Gutachten in Auftrag gegeben, um zu prüfen, ob die Deponie im Braker Stadtteil Käseburg dazu geeignet ist, die in den kommenden Jahren anfallende Abfälle aufzunehmen. Doch viele Bürger und Politiker wehren sich gegen diese Pläne. Sie fürchten um ihre Gesundheit, sollte demnächst tatsächlich radioaktiv belasteter Bauschutt in ihrer Nachbarschaft gelagert werden. Außerdem verweisen sie auf die begrenzten Fassungskapazitäten der Deponie.

Zusätzliche Brisanz bekam das Thema vor wenigen Wochen, als bekannt wurde, dass bereits vor 20 Jahren damit begonnen wurde, radioaktiv belastete Abfälle aus dem KKU auf der Deponie zu entsorgen – teilweise ohne Wissen von Anwohnern und der lokalen Politik. Auch Landrat Thomas Brückmann (parteilos) steht unter Druck.

Protestplakat: Nie radioaktiver Müll auf die DepoNIE Käseburg [Quelle: Radi Bremen, Henriette Breuer]
Bürger und Anwohner kamen mit Protestplakaten. [Quelle: Radi Bremen, Henriette Breuer]

Eine Bürgerinitiative und mehrere Fraktionen aus dem Kreistag haben ihn dazu aufgefordert, die Abfall-Pläne des KKU-Betreibers abzulehnen. Festlegen will sich Brückmann jedoch erst, wenn das Gutachten zur Eignung der Deponie vorliegt. Damit wird ab dem Herbst gerechnet. Zuvor muss das Gutachten noch vom TÜV Nord geprüft beziehungsweise vom niedersächsischen Umweltministerium genehmigt werden.       

AKW-Abriss: Harmloser Bauschutt oder Atommüll für Brake? [4:47 Minuten]

Fragen:

  • Gehen Gesundheitsgefahren von "freigemessenen" Abfällen aus?
  • Wie genau läuft die Eignungsprüfung für die Deponie Käseburg ab?
  • Was sind die Alternativen zu diesem Standort?
  • Wurden Bürger und Politiker tatsächlich unzureichend über bereits erfolgte Abfalleinlagerungen aus dem KKU informiert?
  • Wie lösen andere Landkreise mit stillgelegten Atomkraftwerken die Abfallfrage?

Gesprächsteilnehmer:

  • Thomas Brückmann, parteilos, Landrat Landkreis Wesermarsch
  • Volker Raffel, Leiter Kommunikation Preussen Elektra Hannover
  • Werner Neumann, BUND, Sprecher Arbeitskreis Energie
  • Harry Grotheer, Sprecher Bürgerinitiative Atommüll Deponie

Moderation: Stefan Pulß
Redaktion: Christian Erber

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. Mai, 18.05 Uhr.

Genaue Adresse:
Berufsbildungszentrum Brake
Gerd-Köster-Straße 4
26919 Brake

Veranstaltungstermin:
30. Mai 2018, 15:35 Uhr

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