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Klimakiller oder Naturschutzprojekt?

Streit um Torfabbau-Pläne im Ahlenmoor

20. Juni 2018, 18:05 Uhr | Moorinformationszentrum, Wanna-Ahlenfalkenberg

Der Erdenhersteller Gramoflor will im Ahlenmoor bei Cuxhaven wieder Torf abbauen. Naturschutzverbände kritisieren die Pläne, Umwelt- und Klimaschutz müssten höher bewertet werden als wirtschaftliche Interessen, argumentieren sie.

Der Erdenhersteller Gramoflor will im Ahlenmoor bei Cuxhaven wieder Torf abbauen. Naturschutzverbände kritisieren die Pläne, Umwelt- und Klimaschutz müssten höher bewertet werden als wirtschaftliche Interessen, argumentieren sie.

Autor/-in: Stefan Pulß
Länge: 36:19 Minuten
Datum: Mittwoch, 20. Juni 2018
Sendereihe: Bremen Zwei unterwegs | Bremen Zwei

Zusammenfassung: Streit um Torfabbau-Pläne im Ahlenmoor [3:42 Minuten]

Das Ahlenmoor im Landkreis Cuxhaven gehört zu den größten Moorgebieten Niedersachsens. Bis vor etwa 20 Jahren wurde hier Torf abgebaut. Das alte Torfwerk ist heute ein Moorinformationszentrum, rund herum stehen viele Bereiche unter Naturschutz. Es gibt aber auch noch landwirtschaftliche genutzte Flächen. Vor allem Milchviehhalter bauen hier Grünfutter für ihre Tiere an. Auf diesen Flächen möchte der Hersteller von Pflanzenerde, Gramoflor aus Vechta, wieder in den Torfabbau einsteigen. Entsprechende Anträge liegen bereits bei der zuständigen Genehmigungsbehörde.

Umweltschützer kritisieren Torfabbau

Die Umweltschützer vom Bund fordern einen Stopp des Vorhabens. Natur- und Klimaschutz müssten höher bewertet werden als wirtschaftliche Vorteile eines Unternehmens und finanzielle Interessen der Landwirte. Torf sei ein großer Kohlenstoffspeicher und helfe, die Folgen des Klimawandels zu begrenzen. Zudem gebe es genügend Alternativen zur Torf in Gartenerden. Auch der Naturschutzbund Nabu lehnt den Torfabbau grundsätzlich ab, zeigt sich aber kompromissbereit. Er sagt, für den Erwerbsgartenbau geht es noch nicht ohne Torf. Das sieht auch der Erdenhersteller Gramoflor so. Torfhaltige Substrate seien die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche weltweite Anzucht von Obst- Kräuter und Gemüsepflanzen. Damit würde die Grundversorgung der Menschen garantiert und nicht nur das wirtschaftliche Interesse eines Unternehmens bedient. Für Gramoflor ist sein Torfabbauprojekt auch ein Naturschutzprojekt ist. Denn zum einen gehe Torf auch durch landwirtschaftliche Nutzung verloren – und das seit Jahrzehnten. Zudem habe sich Gramoflor bereits parallel zum Torfabbau zur Wiedervernässung und Moorrenaturierung verpflichtet.  

Wenn man jetzt auf diesen Flächen einfach das Wasser nur aufstaut, mit dem hohen PH-Wert, mit dem hohen Nährstoffgehalt – da wächst alles, aber mit Sicherheit kein Torf-Moos. Das werden dauer-Pflege-Flächen und wer soll das am Ende des Tages bezahlen?

Josef Gramann, Chef der Firma Gramoflor

Mit dieser rhetorischen Frage will Gramann die Zukunftsvision des BUND Vertreters zerstören. Denn auch Friedhelm Niemeyer vom Bund für Umwelt und Naturschutz räumt ein, dass die landwirtschaftliche  Nutzung der kultivierten Hochmoor-Grünlandflächen endlich ist. Gramoflor möchte an etwas mehr als zwei Prozent der 6000 Hektar Ahlenmoor benutzen. Viele Anwohner, Grundbesitzer und sogar den NABU hat Josef Gramann bereits auf seiner Seite. Naturschützer Hans-Joachim Ropers gibt zu bedenken, dass das, was der BUND vor hat, für die Umwelt schädlicher ist, als ein geregelter Torfabbau mit Kompensation:

Eine Vernässung solcher Flächen hat zur Folge, dass neben einem Teil von Kohlenstoff als Methan, 25 Mal so klimawirksam wie CO2, auch reichlich Lachgas freigestetzt wird. Mit 300facher Klimawirkug gegenüber CO2. Wir wollen auf intensiv genutzten Flächen den Torfabbau ermöglichen, wenn diese Voraussetzungen erfüllt werden, dass also zum Beispiel eben eine ausreichende Schwarztorfschicht erhalten bleibt, für eine anschließende Regeneration.

Hans-Joachim Ropers

Ropers vom Nabu sagt also: Weder Klima- noch Naturschutz widersprechen einem erneuten Torfabbau im Ahlenmoor.

Nach der Diskussion gibt es unter den Besuchern keine Einigkeit. Während insbesondere Landwirte und Grundstückseigentümer für den Torfabbau sind – einer berichtet sogar, wie er vor kurzem einen Eigentumsverzicht auf unbrauchbare Flächen gerichtlich durchgesetzt hat – sind interessanterweise einige Frauen aus Klimaschutzgründen dagegen.

Gesprächsteilnehmer:

  • Josef Gramann, Geschäftsführer  Gramoflor
  • Harald Brüning, Landwirt
  • Eleonore Lemke, BUND Cuxhaven
  • Eike Rachor, BUND Unterweser
  • Hans-Joachim Ropers, NABU Cuxhaven Bremerhaven
  • Maik Schwanemann, Samtgemeinde Land Hadeln
  • Nicole Friedhoff, Bürgermeisterin Wanna 

Moderation: Stefan Pulß
Redaktion: Martina Niemann

Streit um Torfabbau-Pläne im Ahlenmoor [3:32 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. Juni, 06:46 Uhr.

Genaue Adresse:
Moorinformationszentrum, Wanna-Ahlenfalkenberg
Am Hohen Kopf 3
21776 Wanna-Ahlenfalkenberg

Veranstaltungstermin:
20. Juni 2018, 18:05 Uhr

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