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Zwei nach Eins

Fabian Kahl

Antiquitätenhändler

13. August 2018, 13:05 Uhr

Jede Menge Piercings, auffällige, körperbetonte Kleidung und ein zur Hälfte kahl geschorener Kopf: Dass er auf sein Äußeres angesprochen wird, ist normal für Fabian Kahl. Der erst 26-jährige Antiquitätenhändler ist der Paradiesvogel der ZDF-Nachmittagssendung "Bares für Rares".

Fabian Kahl [Quelle: Eden Books, Nico Klein-Allermann]
Fabian Kahl [Quelle: Eden Books, Nico Klein-Allermann]

Immer öfter wird Fabian Kahl inzwischen auf offener Straße angesprochen. Kein Wunder, schließlich gehört er seit fünf Jahren zur Stammbesetzung von "Bares für Rares". In einer der erfolgreichsten Nachmittagssendungen im deutschen Fernsehen bringen Menschen ihre Kellerfunde und mögliche Antik-Schätze zu Moderator Horst Lichter, der sie von Experten schätzen lässt. Fabian Kahl und seine Kollegen legen sich dann ins Zeug, um das Stück zu erwerben.

"Riech mal dran, spür die Scherben des Tons..."

Dass Fabian Kahl ein Faible für alte, wertvolle Dinge besitzt, kommt nicht von ungefähr. Aufgewachsen als Sohn eines Antiquitätenhändlers, sah Kahls Zuhause schon immer wie ein Museum aus.

Mein Vater hat im heimischen Wohnzimmer immer seine Sachen ausgebreitet, die er so gekauft hat. Und so bekommt man diesen Zeitgeist und das Gespür für diese alten Dinge mit. Und wenn man auch noch einen Vater hat, der alles erklärt und nicht wie im Museum alles hinter die Vitrine legt, und sagt 'Fass mal an, riech auch mal dran, spür mal die Scherben des Tons von Fayence-Krügen und schau dir alles gut an', dann wächst man da so rein.
Fabian Kahl [Quelle: Eden Books, Nico Klein-Allermann]
Keine Angst vor Fehlschlägen: Fabian Kahl hat sich schon in vielen Dingen ausprobiert. [Quelle: Eden Books, Nico Klein-Allermann]

Von Kindesbeinen an war Kahl mit seinem Vater auf Trödel- und Antikmärkten unterwegs. Der junge Fabian baute den Marktstand auf, guckte seinem Vater über die Schultern und lernte das Einmaleins des Verkaufens. Mit 17 Jahren übernahm er schon ein Geschäft seines Vaters am Berliner Kurfürstendamm, doch erst einmal ohne Erfolg. 2012, nach vier Jahren Berlin, dann der neue Versuch in Sachen Selbständigkeit: In Leipzig eröffnete Fabian Kahl eine Kunstgalerie mit Lounge, obwohl er kaum die Miete für seine eigene Wohnung zusammen bekam. Über Wasser hielt ihn dann am Ende das Lounge-Geschäft, nicht aber der Handel mit Kunst. Das Geschäft floppte wieder, doch Kahls Eltern stärkten ihm stets den Rücken.

Die Chance des Lebens: "Bares für Rares"

Auf dem größten Leipziger Antik- und Trödelmarkt machte Kahl mit seinem Vater weiterhin regelmäßig Station. Und dann kam die Gelegenheit, die Fabian Kahls Leben entscheidend veränderte: Ein Kamerateam des ZDF sprach ihn an, ob er sich vorstellen könne, in einer ZDF-Sendung mitzumachen.

Ich glaube, wenn man so eine Chance bekommt, dann muss man die einfach ergreifen. Der Antikhandel war, als ich angefangen habe, auf einem rapide absteigenden Ast.

Obwohl Fernsehen in der Familie Kahl kaum eine Rolle gespielt hatte und der Apparat irgendwann verbannt wurde, war Kahls Neugier geweckt. Er sagte zu, bei "Bares für Rares" als Händler aufzutreten und erinnert sich heute, fünf Jahre später, noch ganz genau an seinen ersten Auftritt.

Ich habe damals nichts gesagt, ich habe mich einfach nicht getraut. Ich war ja 21 und totaler Frischling, was Antiquitätenhandel angeht. Aus der Schule raus, das erste Antiquitätengeschäft, das ich eröffnet hatte, ist gefloppt. Selbstbewusstsein war ein bisschen am Boden – und dann kommt man dahin und soll dann mit vier weiteren Händlern am Tisch sitzen, die alle 20, 30 oder auch 50 Jahre Lebens- und Handelserfahrung mehr haben als ich, und soll da jetzt bestehen. Und das hat mir am Anfang ein bisschen Angst gemacht.
Buchcover: Der Schatzsucher [Quelle: Verlag Eden Books]
Fabian Kahl: Der Schatzsucher, Verlag Eden Books, 2018 [Quelle: Verlag Eden Books]

Fälschungen, die wehtun

Aber Fabian Kahl wurde warm mit den älteren Händlerkollegen. Heute versteht er sich bestens mit dem Sendungsteam, sogar Freundschaften sind entstanden. Dank seines Händlerkollegen Wolfgang Pauritsch, sagt Kahl, lernte er so viel über Schmuck, dass er heute selbst einen Online-Shop mit Schmuck eröffnet hat und selbst mit dem Schmuck-Design begonnen hat. Einen Fehlkauf hat er bei "Bares für Rares" übrigens noch nie gemacht. Aber Lehrgeld musste er natürlich schon an anderer Stelle zahlen. Einmal brachte er eine Bronzefigur – einen Jockey zu Pferde – nach Hause. Der Preis: 3.500 Euro.

Das war dann eine Fälschung aus China, die man da für 200 bis 300 Euro kaufen kann. Aber ich bin dann keiner, der dann zu den Leuten zurückgeht und sagt 'Ich möchte das Geld zurück' oder 'Sie haben mich da gelinkt'. Sondern ich schau mir die Sachen dann an und weiß, wie eine Fälschung aussieht. Und gerade wenn es wehtut, prägt sich das noch mehr ein!

In seinem Buch "Der Schatzsucher: Auf der Jagd nach Kunst und Kuriositäten" hat Fabian Kahl jede Menge Tipps zusammengestellt, auf die man beim Kauf von Raritäten achten sollte. Warum er in der Damenabteilung einkaufen geht und was ihn an Afrika so fasziniert, das verrät er in "Zwei nach Eins".

Das Gespräch zum Anhören:
"Unser Haus sah aus wie ein Museum" – Antiquitätenhändler Fabian Kahl [39:48 Minuten]

Moderation: Stephanie Giese

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 13. August 2018, 13:05 Uhr

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