Livestream

Bremen Zwei Sendungen Zwei nach Eins

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Zwei nach Eins

Enno Park

Gehörloser mit Implantat

14. März 2018, 13:05 Uhr

Es begann mit einem wabernden Geräusch, dann konnte er langsam wieder Stimmen erkennen. 20 Jahre lang war Enno Park fast taub, dank eines Cochlea-Implantats kann der gebürtige Ostfriese, dessen natürliches Gehör zerstört ist, heute wieder hören. Heute nennt er sich selbst "Cyborg", weil in seinem Körper Technik eingebaut ist.

Enno Park [Quelle: Enno Park, Doris Spiekermann-Klaas]
Enno Park mit seinem Cochlea-Implantat [Quelle: Enno Park, Doris Spiekermann-Klaas]

Anfang der Achtziger Jahre bekam der 9-jährige Enno die Masern. Damals galten sie als "normale" Kinderkrankheit, die viele durchmachten. Doch ein Jahr später wurde festgestellt, dass Enno nicht mehr besonders gut hören konnte – eine Spätfolge der Masern-Infektion. Das Hörvermögen wurde immer schlechter, Enno Park entwickelte Strategien, wie das unbewusste Lippenlesen, die Umschulung auf eine Gehörlosen-Schule drohte.

Parks Cochlea-Implantat

Von außen sieht ein sogenanntes Cochlea-Implanat aus wie ein Hörgerät, aber damit werden keine Signale verstärkt, sondern eine magnetische Spule sendet Signale in Enno Parks Innenohr. Seine noch funktionierenden Nervenenden des Hörnervs werden somit elektrisch stimuliert.

Ein Eingriff mit Risiken

Über 20 Jahre ist der gebürtige Ostfriese fast taub gewesen. 2011 ließ sich Enno Park dann ein Cochlea-Implantat einsetzen. Eine Operation, vor der er sich lange Zeit scheute, denn bei einem solchen Eingriff wird das restliche Innenohr mit einem eventuell vorhandenen Resthörvermögen zerstört. Doch er ließ sich von anderen Gehörlosen überzeugen, wagte den Eingriff und hörte als erstes ein "waberndes, sphärisches Geräusch".

Das klang so ähnlich wie Trance-Techno, aber ohne Beat. Und dieses Geräusch hat mich die ersten Tage fast komplett umgeben. Es war wie ein akustischer Nebel, und aus diesem Nebel traten dann nach und nach über Tage und Wochen die anderen Geräusche erst hervor.

Das beste Jahr seines Lebens

Dann probierte Park die erste Musik aus: "Hells Bells von "AC/DC" – ein Song, den er aus seiner Kindheit in- und auswendig kannte. Das Erste, was er aus dem Geräuschnebel heraus wahrnahm, war das Schlagzeug. Etwa zwei Wochen nach der Operation verstand er wieder Stimmen, Worte, ganze Sätze. Das erste Jahr nach seiner Implantation bezeichnet Park heute als "das beste seines Lebens".

Es war erst einmal etwas Verlorenes wiederkriegen. Mein Gehirn hat unheimlich positiv auf das Implantat reagiert, und ich hatte nach ein paar Monaten ein Sprachverständnis von 100 Prozent!

Anfeindungen aus der Gehörlosen-Community

Enno Park [Quelle: Enno Park, Jakob Weber]
Enno Park [Quelle: Enno Park, Jakob Weber]

Manchmal muss Enno Park sich ein bisschen anpassen an sein Technik-Ohr. Wenn der Wind zu stark bläst, bekommt er ein unangenehmes Pfeifen zu hören. Aber sein Implantat hat auch Vorteile: Will er sich auf eine intensive Schreibarbeit konzentrieren, nimmt der Journalist und Autor die äußeren Teile seines Technik-Ohrs ab und genießt die absolute Stille.

Doch in der Gehörlosen-Community gibt es viele Menschen, die sehr schlecht über das Implantat reden, weiß Park. Das habe mehrere Gründe: Vorurteile, schlechte Erfahrungen mit alten Modellen aus den Anfangszeiten und die Tatsache, dass gehörlos Geborene komplett anders als hörend Geborene auf das Implantat reagieren.

"Cyborgs" sind auch nur Menschen

Technik in seinem Körper zu haben – das hat Enno Park am Ende doch nachhaltig fasziniert. Neben einem Cochlea-Implantat trägt er auch einen NFC-Chip unter der Haut, mit dem er zum Beispiel Türen öffnen oder sein Telefon entsperren kann. Mit seinem Verein "Cyborgs e.V." möchte Enno Park das Bild des Cyborgs als willenlose Kampfmaschine in der Öffentlichkeit korrigieren, will über Technologien informieren und die Verschmelzung von Mensch und Tier kritisch begleiten.

Ob ihn etwas aus der Ruhe bringen kann? Das verrät Enno Park in "Zwei nach Eins", genauso, warum Cyborgs auch nur Menschen sind.

Das Gespräch zum Anhören:
Enno Park: Der "Cyborg" [38:11 Minuten]

Moderation: Timo Grampes

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. März 2018, 13:05 Uhr

Mehr Informationen:

Enno Park im Internet

Mehr interessante Gespräche:

Hannelore Sommer, Blinde "Dinner im Dunkeln"-Mitarbeiterin René Prêtre, Herzchirurg und Kinderarzt Zwei nach Eins: Alle Gespräche im Überblick
Zwei nach Eins
Mehr zur Sendereihe "Gesprächszeit"
Service