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Naïssam Jalal

15. Juni 2019, 19:05 Uhr

Die 35-jährige Flötistin und Komponistin Naïssam Jalal sorgt unter anderem in der Pariser Jazzszene für Furore. Außerdem: Eine Film-Doku mit dazugehöriger CD-Box über Bob Dylan ist erschienen und CD-Tipps.

Naïssam Jalal [Quelle: Tour’n’sol Prod, Alexandre Lacombe]
Naïssam Jalal [Quelle: Tour’n’sol Prod, Alexandre Lacombe]

Zur Jazzahead war Naïssam Jalal mit ihrem Trioprojekt "Quest of the Invisible" angereist. Der Name  – "Die Suche nach dem Unsichtbaren" – scheint dabei Programm zu sein.

Ich wollte die spirituelle Dimension der Musik erkunden, denn Musik ist ja per se eine unsichtbare Kunst, nicht greifbar. Deshalb hat sie seit jeher diese besondere Beziehung zur Spiritualität entwickelt, zu Gott, zum Unsichtbaren, zum Licht... wie überhaupt zum Mystischen, auch zur Trance. Das sind alles Dinge, die mich sehr beschäftigen und denen ich mit den Kompositionen zu "Quest of the Invisible" auf den Grund gehen wollte.

Naïssam Jalal

Klassische Querflötenausbildung

Im Frühjahr veröffentliche sie mit ihrem Projekt "Quest of the Invisible" die gleichnamige Debutproduktion: gleich ein Doppelalbum. Die erste CD wurde als Trio eingespielt. Für CD zwei stieß der US-amerikanische Perkussionist Hamid Drake dazu. Zum Jazzahead-Auftritt erschien Naïssam Jalal mit der Basisbesetzung: an ihrer Seite der brasilianische Pianist Leonardo Montana und der französische Bassist Claude Tchamitchian.

Auf Leonardo bin ich 2013 gestoßen und war gleich vollkommen begeistert von seiner Art Klavier zu spielen, seine Tiefe, seine Farben, seine Fähigkeit, Melodien unterschiedlich zu beleuchten, da hatte ich große Lust, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Naïssam Jalal

Geboren wurde sie 1984 in Paris. Naïssam Jalal verbrachte ihre gesamte Kindheit und Jugend in Frankreich. Ihre syrischen Eltern, die als musikliebende Kunstmaler hierhin emigriert waren, ermöglichten der kleinen, damals erst sechsjährigen Naïssam, das Flötenspiel. Es folgte eine klassische Querflötenausbildung mit Abschluss am Konservatorium.

Musikalischer Wendepunkt mit 17 Jahren

Ihr musikalischer Wendepunkt kommt mit 17, als sie für sich die Welt der Improvisation entdeckt und begreift, dass sie Musikerin werden will. Zunächst heuert sie bei Funk-Bläsercombos an, tourt bald mit ihnen durch Frankreich und Mali. Und dann mit 19 entscheidet sie, alleine – und ohne allzu große Arabischkenntnisse – nach Syrien zu gehen, um am Konservatorium in Damaskus das Spiel auf der Ney-Flöte zu lernen.

Wenn Du in Frankreich als Kind von Einwanderern groß wirst, musst Du Dich ohnehin mit einer Art unbewusster Ablehnung auseinandersetzen, eine unausgesprochene, heimliche, stille Ablehnung, die aber dafür umso heftiger wirkt! Für mich war das auch sehr hart, und ich musste einfach wissen, was es mit dieser arabischen Identität auf sich hat, die mich ja auch prägt, obwohl ich eigentlich Französin bin.

Naïssam Jalal

In Damaskus hielt sie es damals 2003 nur drei Monate aus, die beklemmenden Bedingungen unter dem autoritären Regime von Bachar al-Assad trieben sie wieder fort, und zwar nach Kairo, wo sie drei Jahre lang bei einigen der großen Meister der klassischen arabischen Musik studieren konnte. 2006 ging es zunächst zurück nach Frankreich, es folgten sieben Jahre, wo sie zwischen Paris und Beirut hin- und herpendelte, mit libanesischen und palästinensischen Rappern auftrat. Seit vielen Jahren ist sie wieder in Paris sesshaft und dort bestens vernetzt vor allem mit der afrikanischen und orientalischen Musikszene. Ihre vielen Reisen haben auch ihre musikalische Persönlichkeit geformt, bedeuteten sie doch jedes Mal ein Eintauchen in andere Kulturen, aus denen sie dann schöpfen konnte.

Naïssam Jalal, Querflötistin [7:15 Minuten]

Weitere Themen im Magazin

Bob Dylan und seine "Rolling Thunder Revue"
Eine neue Anthologie enthält Musik von Bob Dylans sagenumwobener erster "Rolling Thunder Tour" 1975. Neben fünf kompletten Dylan-Live-Konzerten sind bisher unveröffentlichte Mitschnitte von den Proben zur Tour zu hören. Insgesamt enthält die Box 148 Tracks, von denen mehr als hundert bislang unveröffentlicht blieben. Bob Dylans "Rolling Thunder Revue" begann im Herbst 1975 und zeichnete sich dadurch aus, dass sie mit wechselnder Beteiligung von Gastmusikern in vorwiegend kleineren Theatern an der US-Ostküste und in Kanada Station machte. Die Box begleitet die von Martin Scorsese realisierte Film-Doku Film "Rolling Thunder Revue A Bob Dylan Story by Martin Scorsese", der am 12. Juni 2019 seine Premiere bei Netflix hatte.

40 Jahre Albumklassiker "Mingus"
Auch die kanadische Songpoetin Joni Mitchell war zu hören als Teil der "Rolling Thunder Revue" – vier Jahre später jedoch war sie auf einem völlig anderen Gleis unterwegs. Die todranke Jazz-Legende Charles Mingus hatte Mitchell gebeten, für einige seiner Kompositionen Texte zu schreiben und sie auch zu interpretieren. Das Album "Mingus" wurde dann zum entscheidenden Bruch von Mitchell mit der Popwelt für einige Jahre. Auch die Jazzwelt beäugte ihr Projekt zunächst skeptisch. Heute ist das Album eines in einer langen Reihe von Mitchell-Klassikern, nicht zuletzt aufgrund der ausführlichen Mitwirkung des Wunder-Bassisten Jaco Pastorius. Das Album erschien am 13. Juni 1979.

Richard Hawley
Interview-Ausschnitte und Eindrücke aus dem neuen Album "Further" des britischen Songwriters Richard Hawley, das Interessantes zu bieten hat.

CD-Tipp: Jamie Cullum
So, wie man Jamie Cullum auf seinem neuen Album erlebt, kennt man ihn ganz sicher noch nicht. Der Engländer hat mit "Taller" sein mittlerweile achtes Album veröffentlicht – darauf hat sich sein Klang verändert. "Taller" ist wie eine Begrüßung findet Julian Beyer.

Jamie Cullum: Taller

Am Mikrofon: Harald Mönkedieck

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. Juni 2019, 19:05 Uhr

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