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Rassismus

12. Juli 2020, 12:00 Uhr

Menschenrassen gibt es nicht, Rassismus unter Menschen dagegen schon. Spätestens seit der Ermordung George Floyds Ende Mai in Minneapolis durch amerikanische Polizisten hat die Frage an Brisanz gewonnen, wo überall es Rassismus in unserem Alltag gibt. Rassisten sind nämlich nicht immer nur "die Anderen", und rassistisches Denken und Handeln passieren oft unbewusst. Wir gehen dem Thema nach – hier bei uns in Deutschland. Wie sprechen wir über Rassismus? Wie zeigt sich Rassismus im Alltag? Welche gesellschaftlichen Strukturen und Machtmechanismen stecken dahinter? Wir versuchen, dem Begriff des Rassismus näher zu kommen, seinen Erscheinungen in der Sprache, im Film und der Literatur.      

Das Wort Rassimus steht auf eine Wand gesprüht (Symbolbild) [Quelle: DPA, Wolfram Steinberg]

Begriffsklärung Rassismus [6:33 Minuten]

Gedanken zum Rassismus

Der gewaltsame Tod des Afro-Amerikaners George Floyd entfachte nicht nur in den USA eine Rassismus-Debatte. Auch in Deutschland ist Rassismus ein Problem. Vor zwei Jahren erfand der Sozialaktivist Ali Can dazu einen Hashtag: #metwo, übersetzt: "Ich zwei". Unter Ali Cans Hashtag machten viele Menschen ihre persönlichen Erfahrungen mit Rassismus öffentlich. 

Gedanken zum Rassismus [2:43 Minuten]

Fakten

Rassismus ist ein globales Problem. Daran ändert auch die Anti-Rassismus-Konvention nichts, die die Uno im Jahr 1965 verabschiedete. In Deutschland garantiert Artikel 3 des Grundgesetzes allen Menschen die Gleichheit vor dem Gesetz. Trotzdem wurden und werden  Menschen in Deutschland aufgrund ihrer Herkunft und Hautfarbe diskriminiert oder ausgegrenzt. Im Jahr 2019 haben Wissenschaftler in der so genannten "Jenaer Erklärung" dazu aufgerufen, den Begriff "Rasse" nicht mehr zu verwenden. "Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung" heißt es in der Erklärung. 

Fakten zum Rassismus [1:10 Minuten]

Rassismus erleben

Rassismus fängt meist schon mit der Sprache an. Denn Sprache beeinflusst unser Denken und Handeln – und damit auch die Realität. Dementsprechend verfestigt sich Rassismus, wenn in der Sprache fremdenfeindliche Begriffe und ethnische Zuschreibungen benutzt werden. Das passiert mal absichtlich – und mal ganz unbewusst. Roland Jodin berichtet.

Rassismus und Sprache [5:29 Minuten]

Vom schwierigen Reden über Rassismus

Matthias Politycki [Quelle: Photoselection, Mathias Bothor]
Matthias Politycki [Quelle: Photoselection, Mathias Bothor]

Matthias Polityckis neuer Roman "Das kann uns keiner nehmen" führt nach Afrika. Es ist ein spannendes, unbequemes und verstörendes Buch, in dem Politycki wichtige Denkanstöße gibt: Was macht Menschen zu Rassisten? Richten wir uns vielleicht manchmal in unserer vermeintlichen Weltoffenheit allzu bequem ein? Was ist politisch schon "rechts" und was noch "links"? Dabei geht es dem Autor nicht nur darum, unsere festgefügten Anschauungen zu hinterfragen, sondern auch um schmerzvolle persönliche Erinnerungsarbeit.

Matthias Politycki: Das kann uns keiner nehmen

Rassismus im Film

Szene aus dem Fernsehfilm "Meine Heimat Afrika". [Quelle: DPA, ARD Degeto/Peter Evers]
Szene aus "Meine Heimat Afrika" [Quelle: DPA, ARD Degeto/Peter Evers]

Schwarze Menschen und afrikanische Länder werden seit den 1950er Jahren in vielen deutschen Film- und Serienproduktionen als triebhaft, kindlich-primitiv, oder kriminell dargestellt. Afrika als Kontinent, der entweder ohne weiße Hilfe verloren oder gleich ohne Afrikaner besser dran wäre: Dieses Bild hat sich in deutschen Filmen, besonders TV-Produktionen, bis heute gehalten. Schwarze Einheimische, die Hilfe anbieten oder gar kritisch nachfragen, dann aber als hilflose Statisten daneben stehen, während weiße Männer gönnerhaft und allwissend das Zepter in die Hand nehmen. So wie in "Meine Heimat Afrika", einer WDR-Produktion in Namibia von 2009.

Rassismus im Film [5:32 Minuten]

Mehr zum Thema:
Der Dirigent Brandon K. Brown: Die Klassik hat ein Rassismus-Problem.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Juli 2020, 12 bis 14 Uhr

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