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Klassikwelt

"Entartete Musik"

17. November 2019, 19:05 Uhr

Unter dem Vorwand des Rassenwahns und aus ästhetischer Engstirnigkeit wurde zur Zeit des Nazi-Regimes eine ganze Musikergeneration ausgelöscht. Als "entartet" wurde die Musik vieler Komponisten beschimpft. Sie wurden verfolgt, verboten und ermordet. Dieses dunkle Kapitel der Musikgeschichte ist unser Thema im Magazin "Klassikwelt".

Altes Foto von einem Mann, der mit einer Frau am Klavier an einem Notenblatt arbeitet. [Quelle: Radio Bremen]
Erwin Schulhoff zusammen mit der Choreografin Milča Mayerová, 1931
Der vom Holocaust verursachte Verlust für die Musik ist eine Katastrophe, deren Ausmaß für immer unbekannt bleiben wird.

Sarah Nathan-Davis

Eigentlich sollten die Stücke und deren Komponisten ausgerottet werden, doch immer mehr Interpreten entdecken die oft lebensfrohen und modernen Musikstücke wieder und nehmen sie in ihre Programme auf – zum Glück für das heutige Publikum.

Aufführungsverbote, Verfolgung und Ermordung

Erwin Schulhoff, einer der begabtesten und experimentierfreudigsten Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts, hatte ein besonderes Faible für Jazz. Das war den Nazis ein Dorn im Auge und er wurde in ein bayerisches Konzentrationslager deportiert, wo er 1942 verstarb.

Besonders das Lager Theresienstadt auf dem Gebiet der besetzten Tschechoslowakei galt als eine Sammelstelle für hochbegabte und angesehene Musiker. Ein perfides Unternehmen der Nazis, denn Theresienstadt galt als Vorzeigelager mit reichem Kulturleben. Komponisten wie Gideon Klein, Victor Ullmann und Pavel Haas waren dort interniert und die berühmte Kinderoper "Brundibar", des in Prag geborene Hans Krása, wurde im Lager mehr als 50-mal aufgeführt.

Musik in Auschwitz [6:03 Minuten]

Nicht nur jüdische Komponisten wurden von den Nazis verfolgt. Auch als "arisch" bezeichnete Musiker erhielten Aufführungsverbot und wurden somit oft gezwungen, ihr Leben in anderen Ländern neu aufzubauen. Paul Hindemith war einer von ihnen. Er emigrierte erst in die Schweiz und wanderte dann von dort in die USA aus. Ein Weg, den viele deutsche Künstler zu dieser Zeit gehen mussten, um zu überleben.

"Der Kaiser von Atlantis" in Theresienstadt [4:35 Minuten]

Am Mikrofon: Wilfried Schäper

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. November 2019, 19:05 Uhr, Wiederholung vom 31. März 2019.

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