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Bremen Zwei Sendungen Hörspiel

Hörspiel des Jahres 2018

Auf der Suche nach den verlorenen Seelenatomen

Von Susann Maria Hempel

25. März 2019, 21:05 Uhr

Das Hörspiel des Jahres 2018 basiert auf Gesprächen mit einem ehemaligen DDR-Häftling, der im Gefängnis einen schweren Schock mit darauffolgender Amnesie erlitt. Als vermeintlichem Republikflüchtling wurde ihm ein "Grenzproblem" übergestülpt, das nicht seins war. Und dann hat er eine Grenzerfahrung ganz anderer Art gemacht.

Hirsch-Zeichnung hängt an einer Wand [Quelle: RBB]
Hirsch-Zeichnung von Susann Maria Hempel [Quelle: RBB]

Im Gefängnis sei die Seele aus ihm "rausgemacht" worden, sagt er. Und sie ist bis heute nicht heimgekehrt in ihr Gefäß. Er denkt sie sich dennoch gut aufgehoben – dort nämlich, wo ihr immer am wohlsten war: im Wald. Als sein ältester Freund stirbt, beginnt der Häftling, der Autorin von seinem Leben zu erzählen. Sie wird auf die tiefe Verbundenheit aufmerksam, die beide zum Wald hatten. Ihr ganz eigener, in der Kindheit wurzelnder Mythos des Waldes wurde mit dem Tod des Freundes wieder lebendig.

Das Hörspiel zum Nachhören

Musik & Regie: Susann Maria Hempel
Produktion: rbb 2018
Länge: 54`31

Aus der Begründung der Jury:

… Durch kompositorisch reduzierte und elektronisch entfremdete hochromantische Liedsätze, Schumanns Eichendorff- und Heine-Vertonungen, durchbrochen von digitalem Vogelgezwitscher, Rotkehlchen und Zilpzalp, erschafft Hempel in und um diese Erzählung eine Atmosphäre, in der das, was wir Seele nennen, nahezu greifbar, ihre Verletzungen erfahrbar, und die Metaphern die ihrer Beschreibung dienen sollen, wirklich werden: Erfahrbar nur durch den intimen Sinn des Gehörs, schrecklich und schön…

Die Jury 2018
Viktorie Knotková (Dramaturgin Schauspiel Bremen) Regine Beyer (Radioautorin und -regisseurin) Benno Schirrmeister (Journalist, die taz) Gastgebender Sender 2018: Radio Bremen

Susann Maria Hempel, geboren 1983 im thüringischen Greiz, brach mit 16 Jahren die Schule ab und wirkte als Musikerin, Schauspielerin und künstlerische Mitarbeiterin im Performance- und Künstlerkollektiv "Theaterhaus Weimar". 2001 bis 2009 studierte sie Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar mit Schwerpunkt Kurz- und Experimentalfilm.

Susann Maria Hempel [Quelle: Samuel Henne]
Susann Maria Hempel [Quelle: Samuel Henne]

Als Stipendiatin der Thüringer Kulturstiftung erhielt sie 2012 das "cast&cut"- Kurzfilmstipendium in Hannover. Heute gehört sie zu den erfolgreichsten Experimentalfilmerinnen Deutschlands. Mit ihrem 18-minütigen Animationsfilm "Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen" gewann sie sieben Preise im In- und Ausland, unter ihnen "Der Deutsche Kurzfilmpreis" im Jahr 2014 und im Frühjahr 2015 den Grand Prix des Clermont-Ferrand Short Film Festivals, Frankreich. "Auf der Suche nach den verlorenen Sellenatomen" ist ihr zweites Hörspiel.

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