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Bremen Zwei Sendungen Hörspiel

Hörspiel

Geschlossene Gedanken

Von Andreas Krämer

7. Juli 2019, 18:05 Uhr

Mit einem Mikrofon und einem Laptop nahm der Schauspieler, Bühnenmusiker und Theaterpädagoge Andreas Krämer mit Langzeit-Strafgefangenen der JVA Bremen-Oslebshausen viele Stunden Gespräche, Erzählungen, ja Gedichte, die im Moment der Aufnahmen entstanden sind, auf.

Justizvollzugsanstalt Bremen [Quelle: Radio Bremen]
Justizvollzugsanstalt Bremen

Von Woche zu Woche wurden Themen bestimmt, über die dann gesprochen wurde. Und natürlich ging es dabei auch um Freiheit, Gerechtigkeit, Deutschland und seine Politik, um Religion, den Knastalltag, Sex, Kindheitserinnerung, den Tathergang, um das, was war, jetzt ist und nie wieder sein wird, um nie wieder Knast!

Entstehung des Hörspielmanuskripts

Hörspielaufnahmen in einer Zelle [Quelle: Radio Bremen Hörspielredaktion, Eva Garthe]
Hörspielaufnahmen in einer Zelle [Quelle: Radio Bremen Hörspielredaktion, Eva Garthe]

Aus den Gesprächsprotokollen entstand in mühevoller Abschrift ein viele Seiten starker Textkörper. Teils rührende, teils beklemmende Dokumente, entstanden  aus einer völlig anders wahrgenommenen oder eben nicht wahrgenommenen, wert oder eben nicht wertgeschätzten Welt von Menschen. Es sind teilweise aber auch fast absurd und abstrus anmutende Sequenzen dabei, die einem die Frage aufdrängen, ob das Eingesperrtsein noch ein sinnvoller Knast, ein sinngebender Strafvollzug sein kann? Wie kommt einer nach 15 Jahren aus dem Knast, was erwarten dann die Bevölkerung und den, der seine Strafe zwar abgesessen, mit dem aber vielleicht fast gar niemand auf ein Leben danach hingearbeitet hat?

Akustische Umsetzung

Andreas Krämer versteht die Gitterstäbe als Klangerzeuger [Quelle: Radio Bremen Hörspielredaktion, Eva Garthe]
Andreas Krämer versteht die Gitterstäbe als Klangerzeuger [Quelle: Radio Bremen Hörspielredaktion, Eva Garthe]

Andreas Krämer hat den Textkörper in seiner zeitlichen und thematischen Reihenfolge nicht verändert, lediglich gekürzt. Und: der ganze Textkörper, also die verschiedenen Stimmen, Argumente, Sichtweisen, Figuren und Rollen stopfte Krämer in ein "Superhirn eines Gefängnisses", gab ihm seine Stimme. Angereichert mit Originalgeräuschen und Klängen aus der JVA, die im Nachhinein aufgenommen wurden, wurde die bereits vorhandene, ursprünglich für die Strafgefangenen vorgesehene Hörspielaufnahme noch einmal bearbeitet.

Regie: Andreas Krämer und Christiane Ohaus
Mitwirkende: Andreas Krämer
Länge: 53`58 (Kurzfassung)
Produktion: RB 2010

Andreas Krämer, Jahrgang 1963, ist Schauspieler und Bühnenmusiker seit 1986, wo er am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg unter Peter Zadek begann. Weitere Stationen waren u.a. National Theater Mannheim, Schauspielhaus Zürich, Theater Bremen, wo er heute lebt. Andreas Krämer hat in vielen verschiedenen musikalischen Produktionen an verschiedenen Häusern mitgewirkt, als Sänger und als Komponist, schuf Klanginstallationen, Musik für verschiedene Bühnen und für Rundfunkproduktionen. Arbeitet zudem als Sprecher für verschiedene Rundfunkanstalten.

Christiane Ohaus, geboren 1959 in Osnabrück, studierte Philosophie und Germanistik in Tübingen und Berlin. In Berlin machte sie – schreibend, spielend, inszenierend – Theater in der freien Szene. Bei einem Volontariat in der  Künstlerischen Wortproduktion des RIAS Berlin lernte sie das Hörspiel kennen und lieben und blieb ihm seitdem verbunden. Nach sieben Jahren der freien Arbeit als Regieassistentin, Regisseurin und Autorin für diverse Rundfunkanstalten, fand sie eine feste Anstellung bei Radio Bremen, wo sie von 1993-2012 als Regisseurin zahlreiche Hörspiele, Feature, Lesungen und Funkbearbeitungen realisiert hat. Seit 2012 ist sie als Dramaturgin und Regisseurin fest im Team der Radiokunst des NDR.

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