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Fahrerflucht

von Alfred Andersch

1. März 2020, 18:05 Uhr

Die Reflexionen dreier betroffener Personen zeigen die Vor- und Nachgeschichten zu einem Ereignis, das fast ausgespart bleibt: ein tödlicher Unfall mit Fahrerflucht.

Alfred Andersch [Quelle: Imago, Leemage]
Alfred Andersch [Quelle: Imago, Leemage]

Die erste Person ist der Tankwart, der morgens um sechs Uhr von einer Polizeistreife nach einem beschädigten Wagen gefragt wurde. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon sämtliche Spuren gelöscht, das Schweigegeld des flüchtigen Fahrers knisterte in seiner Tasche.

Die zweite Person ist der Manager, der sich mit Cleverness zum Generaldirektor hinaufgearbeitet hat. Der unverschuldete Unfall und die entsetzliche Fehlleistung seiner Flucht haben ihm einen Strich durch seine Lebensrechnung gemacht – genauer: durch seine Sterbensrechnung.

Person Nummer drei ist das Mädchen: eine junge Verkäuferin mit einer Vorliebe für elegante Herrenkleidung und Pferde. Am Tag zuvor hatte sich für sie ein Traum erfüllt: In ihren Laden war ein chinesischer Jockey gekommen, der auf den ersten Blick die Begabung des Mädchens zum Reiten erkannt und mit einer unabweisbaren Sicherheit über ihr Schicksal entschieden hatte.

Mitwirkende:

  • Hans Christian Blech
  • Martin Held
  • Gustl Halenke
  • Ann Höling u. a.

Regie: Marcel Wall
Produktion: SWF/RB 1957
Länge: ca. 55 Minuten (gekürzte Fassung)

Alfred Andersch (1914-1980) wurde 1933 im KZ Dachau interniert, kam nach einer Intervention der Mutter frei. 1944 desertierte Andersch in Italien. Zusammen mit Hans Werner Richter redigierte er die Zeitschrift "Der Ruf" und gründete die "Gruppe 47" mit. Er war 1948 bis 1958 Redakteur beim NWDR und SWF. Bis zu seinem Tode lebte er als freier Schriftsteller in Berzona/Tessin.Andersch schrieb 15 Hörspiele, unter anderem "Die Letzten vom Schwarzen Mann" (1954), "Fahrerflucht" (1957), "Aktion ohne Fahnen" (1958) und "Die Brandung von Hossegor" (1976).

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