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Yadegar Asisi

Künstler

19. November 2018, 18:05 Uhr

Ein Rundumbild – 100 Meter lang, 30 Meter hoch, der Betrachter in der Mitte auf einem Turm mit mehreren Ebenen. Wer auf das Panorama blickt, geht auf Zeitreise in die Antike, nach Pergamon, und erlebt die Stadt mit dem berühmten Altar, als wäre er selbst dabei. Yadegar Asisi hat dieses Meisterwerk der Illusion geschaffen, das im Berliner Pergamonmuseum zu sehen ist.

Yadegar Asisi [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kolkmann]
Yadegar Asisi [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kolkmann]

Künstler Yadegar Asisi hat eine Neuauflage des Panoramas geschaffen, das schon 2011 vor dem Pergamonmuseum anderthalb Millionen Besucher anzog. Nun wird das Pergamonmuseum saniert – bis 2023 ist es nur teilweise zugänglich, der berühmte Altar wird eingerüstet im Inneren der Baustelle. Aber direkt gegenüber der Museumsinsel gibt es jetzt einen Ersatz: "Pergamonmuseum. Das Panorama."

Architektur mit den Linien der Natur

Das imposante Rundbild wird zusammen mit ausgewählten Originalplastiken aus dem Museum präsentiert. Das Konzept stammt von Yadegar Asisi – Architekt, Maler, Bühnenbildner – und seit über 10 Jahren Meister neuer, moderner Panoramen. Den Pergamon-Altar kennt er seit seiner Kindheit.

Und wissen Sie, was mich dort fasziniert hat? Nicht der Altar, sondern das Modell vom Altar, ich fand das Modell so schön. Und später als Architekturprofessor, wenn ich mit Studenten da reingegangen bin, hab ich gesagt: "Schaut Euch an, wie Menschen die Natur nicht vergewaltigt haben, sondern die Linien in der Natur gesucht haben, um dort ihre Architektur zu positionieren!"

Yadegar Asisi erzählt in der "Gesprächszeit", mit welchem Aufwand so ein riesiges Panorama entsteht, wie viele Menschen beteiligt sind, wie schwierig die Abstimmung mit den Institutionen ist.

Von außen sieht das immer so einfach aus. Aber allein, dieses Pergamon auf die Beine zu stellen, wie viele Menschen daran glauben mussten (…) Es gibt hunderte Dinge, warum so etwas nicht zustande kommt. Ich stehe ja selber immer verwundert da und denke: "Wer hätte das gedacht?!“
Panorama von Yadegar Asisi mit Blick auf den Burgberg [Quelle: Asisi]
Panorama von Yadegar Asisi mit Blick auf den Burgberg [Quelle: Asisi]

Mit Selbstbewusstsein den Mount Everest nach Leipzig geholt

Es ist nun schon die zweite Kooperation des Berliner Künstlers mit der Stiftung Preussischer Kulturbesitz. Angefangen hat seine Zeit als Panorama-Künstler 2003 in Leipzig. Da gab es ein Gasometer und die Idee, zum 50. Jahrestag der Everest-Besteigung den höchsten Berg der Welt nach Sachsen zu holen.

(...) da bin ich zu den Stadtwerken hin und sagte: "Ich hab zwar kein Geld, aber ich würde gern hier den Everest simulieren". Und da war der erste Satz: "Herr Asisi, Sie sehen uns bemüht, nicht fasziniert zu sein!" Und ich hab‘ gesagt: "Gut, ich kann Ihnen aber eines versprechen: Am 50. Jahrestag wird das in der ganzen Welt Titelseite sein."

Inzwischen gibt es aktuell acht Panoramen von Asisi. Und es werden immer mehr: "Luther" in Wittenberg, "Titanic – Das Versprechen der Moderne" in Leipzig, "Great Barrier Reef" in Pforzheim, "Amazonien" in Hannover und "Die Mauer" am Checkpoint Charlie.

"Ich teile mein Leben in Zehn-Jahres-Perioden ein"

Geboren ist Yadegar Asisi 1955 in Wien. Damals war seine Mutter, Witwe eines im Iran hingerichteten kommunistischen Offiziers, auf der Flucht. Von der DDR-Regierung wurde sie mit sechs Kindern aufgenommen. Aufgewachsen ist er dann in der DDR, in Leipzig und Halle, und nennt sich selbst ein "Ostkind". Er habe eine gute Kindheit gehabt. Nach seinem Architekturstudium legte dieselbe DDR-Administration dem Sohn Yadegar nahe, nun das Land zu verlassen, man habe seine Schuldigkeit getan. In der Bundesrepublik ging es 1978 weiter – als Maler, Architekt, Professor – bis Asisi die Kunstform Panorama leidenschaftlich packte – und er vom Professor zum Unternehmer wurde.

Ich teile mein Leben in Zehn-Jahres-Perioden ein. Die Zwanziger bin ich gestolpert von einem Ereignis zum anderen – in den Dreißigern habe ich mich gefragt: Wer bist Du eigentlich, was treibst Du hier? In den Vierzigern hab ich’s mir beantwortet, in den Fünfzigern etabliert und jetzt in den Sechzigern hoffe ich, dass ich zelebrieren darf.

Zelebriert wird jetzt der antike Tag in Pergamon. Und demnächst "Carolas Garten" in Leipzig. Das ist der Garten einer verstorbenen Freundin. In diesem Panorama  beobachtet der Künstler und Besucher von einer Blüte aus zum Beispiel eine Biene beim Sammeln der Pollen – eine kleine Welt ganz groß.

Moderation: Birgit Kolkmann

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich wusste, es hat eine Magie" – Panorama-Künstler Yadegar Asisi [39:26 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 19. November 2018, 18:05 Uhr

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