Livestream

Bremen Zwei Sendungen Gesprächszeit

Gesprächszeit

Wilke Brüning

Pensionierter Berufsschullehrer und Familienvater aus Oldenburg

6. August 2020, 18:05 Uhr

Ein Wochenmarkt in Oldenburg-Eversten Anfang Januar: Vor einem Stand hat Bremen Zwei-Moderator Mario Neumann den pensionierten Berufsschullehrer, Familienmensch und Bremen Zwei-Kenner Wilke Brüning getroffen. Er hat uns erzählt, wie er in Bremen-Sankt-Magnus aufgewachsen ist und wie sein Familienleben durch seine Tochter, die eine Behinderung hat, geprägt wurde.

Wilke Brüning [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Wilke Brüning [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

"Wir haben uns viel Kraft und viel Halt gegeben" – Wilke Brüning [37:55 Minuten]

Als Wilke Brüning die Frage "Eine Stunde reden?“ auf dem Schild von Bremen Zwei-Moderator Mario Neumann las, war seine Neugier größer als alle Bedenken und er verabredete sich zu einer spontanen Gesprächszeit-Aufzeichnung eineinhalb Stunden später im NDR-Studio Oldenburg. Genug Zeit also, um sich über sein Leben Gedanken zu machen und zu überlegen, was es zu erzählen gibt.

Aufgewachsen in St. Magnus in einfachen Verhältnissen

Wilke Brüning stammt aus Bremen-Nord, sein Vater arbeitete als Gärtner in Knoops Park – und auch dessen Vater und Großvater waren alles Gärtner.

Geprägt hat die Familie, dass beide Elternteile berufstätig sein mussten. Nach dem Zweiten Weltkrieg quasi sehen mussten, dass sie genügend Geld herbei schufen, um die Familie und damit auch mich und meinen Bruder zu ernähren und durchs Leben zu bringen.

Als Brüning nach der Realschule 1966 eine Lehre anfängt, hat er freie Auswahl, die Betriebe buhlten geradezu um den Nachwuchs. Er entscheidet sich für eine kaufmännische Ausbildung bei einer Reederei – Zugfahrkarte, Essensmarken und Führerschein inklusive.

Mario Neumann sucht Überraschungsgäste für Bremen Zwei [Quelle: Radio Bremen]
Mario Neumann hat Wilke Brüning mit diesem Schild neugierig gemacht. [Quelle: Radio Bremen]

Beim Grundwehrdienst lernt er Menschen mit höherem Abschluss kennen, schätzt die Diskussionen, macht danach die Fachoberschule, den Abschluss eines Betriebswirts an der Bremer Fachhochschule Wirtschaft. Durch ein Studium in Berlin sattelt er noch den Diplom-Handelslehrer auf.  Mehrere Jahrzehnte war er dann für den schulischen Part der Ausbildung, am Anfang auch für die "Grünen Berufe" wie Gärtner, zuständig.

Also für mich war immer wichtig, meine Schüler für wertvoll zu nehmen und so zu akzeptieren, wie sie sind.

Festnahme wegen Befehlsverweigerung 

Während seiner Wehrdienstzeit stellte Wilke Brüning aber auch fest, wie harsch es ist, mit Befehl und Gehorsam klar zu kommen. Er lässt sich nicht alles gefallen, wird stattdessen wegen Befehlsverweigerung eingesperrt, hält aber fest:

Ich habe gelernt, mich nicht anzupassen, wenn ich Sachen nicht nachvollziehen will und kann. Du kannst immer sagen: "So und so, das ist nicht richtig." Und das war auch so mein Lebensmotto, das ich dann weiter verfolgt habe.

Die Möglichkeiten des zweiten Bildungswegs verdankt Wilke Brüning der damaligen SPD-Regierung und erinnert sich gut, wie er Willy Brandt mit Fähnchen zuwinkte, als dieser durch St. Magnus fuhr. Eine Zeit lang ist er SPD-Mitglied und Vorsitzender der Jusos in Bremen-Nord, tritt dann aber nach dem Nato-Doppelbeschluss empört aus der Partei aus.

Die Familie gibt Halt und fordert auch

Ende der Siebziger Jahre heiratet Wilke Brüning und gründet in Oldenburg eine Familie. Im Laufe der Achtziger wird er Vater dreier Kinder, eines davon mit einer Behinderung. Erst ein Schock, dann eine kräftezehrende Herausforderung, die die optimistischen Eltern aber meistern.

Letztendlich hat das Ganze den Umgang untereinander uns auch gestärkt und geprägt. Ganz klar. Und das ist auch eine ganz wichtige Erfahrung, die wir gemacht haben.

Etliche Urlaube im Wohnwagen auf Ameland, in Osteuropa und der Wunsch, den ehemaligen Eisernen Vorhang mit dem Rad abzufahren – Wilke Brüning ist heute ein ruhiger Entdecker, engagiert beim Fahrradclub ADFC, leidenschaftlicher Jogger – schon seit 50 Jahren – und seit einiger Zeit macht er gerne etwas mit seinen ersten Enkelkindern. 

Moderation: Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 6. August 2020, 18:05 Uhr

Eine Stunde reden? Mehr interessante Gespräche:

Gökhan Aytekin, Arbeiter aus Bremen-Kattenesch Evelyn Herrmann, Lohnbuchhalterin aus Ganderkesee Danny Wilms, Wirtschaftsingenieurstudent aus Wilhelmshaven Qi Gong-Lehrer "Muneesh"
Gesprächszeit
Mehr zur Sendereihe "Gesprächszeit"