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Werner Nickel – "Muneesh"

Qi Gong-Lehrer

22. November 2019, 18:05 Uhr

Wir sind wieder unterwegs gewesen und haben jemanden gesucht, der bereit ist, eine Stunde mit uns über sein Leben zu reden. In der Sögestraße haben wir Werner Nickel getroffen, der viel lieber einfach nur "Muneesh" genannt werden möchte. "Shivam Muneesh" ist Sanskrit und bedeutet "der gute, große Weise"– diesen Namen bekam Werner Nickel 1988 im indischen Pune.

Werner Nickel [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Muneesh heißt mit bürgerlichem Namen Werner Nickel [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Das Gespäch zum Anhören:
"Mein gesamter Lebensentwurf ist ein besonderer" – Muneesh alias Werner Nickel [37:39 Minuten]

Pune 1988: Ein Psycholaboratorium, sagt Nickel, wo es viele Bioenergetik-Seminare und Workshops gab. Bis heute kommen etliche der international bekanntesten Therapeuten aus Pune, schwärmt der 75-Jährige. Das Jahr 1988 war eine Art Wendepunkt im Leben von Werner Nickel alias Muneesh, der als Lehrer für Politik und Wirtschaft am Gymnasium gearbeitet hat.

Mein gesamter Lebensentwurf ist ein besonderer.

"Ich bin Knall auf Fall vom Saarland nach Bremen geflüchtet"

Geboren und aufgewachsen ist Muneesh im Saarland, lebte dort in der legendären Buchladen-Wohngemeinschaft in Saarbrücken. Zu den politischen Veranstaltungen der Spontis, wie sie sich nannten, kam die Band "Ton, Steine, Scherben" und die Freude kam in die Politik, bringt es Muneesh auf den Punkt.

Das war eine sehr schöne, spannende Zeit. Linksalternativ hatten wir uns da verstanden!

Doch dann hatte er mit seinem Engagement in der "Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft" (GEW) gewissen Erfolg, ihm wurde ein Schuldirektor-Posten angeboten, wenn er dafür in die SPD eintritt. Stattdessen zog Muneesh nach Bremen um. Es war die Flucht vor einem bürgerlichen Leben, wie er im Rückblick feststellt.

In Bremen bin ich meinen Weg der Freiheit weiter gegangen.

"Auf dem Meditationsbänkchen komme ich zur Ruhe"

Nach einer Durststrecke nahm Nickel eine Auszeit, ein Urlaubsjahr, und ging auf große Tour: Ein Vierteljahr Tanztheater-Ausbildung in Kassel, ein Vierteljahr in Pune, wo der Gymnasiallehrer seinen Meister fand. Er kam dort als Linksalternativer an und wunderte sich sehr, dass der umstrittene, spirituelle Lehrer "Bhagwan" über Kommune, Kommunismus und Nietzsche sprach. Nickel war hin und weg und wird ab sofort Muneesh genannt. Dann ein Vierteljahr in Bali und ein weiteres Vierteljahr in Thailand, in Kobanjan, wo er Tai Chi als seine neue Leidenschaft kennen lernt. Er lernt viel, unter anderem von Barbara und Klaus Moegling sowie von Foen Tjoeng Lie und leitet inzwischen das Zentrum für Bewegung und Gesundheit im Bremer Viertel, eine Schule für Tai Chi, Qi Gong und Meditation.

Von diesen Ansätzen und Erfahrungen 1988 zehre ich immer noch!

Jeden Winter in Goa

Muneesh ist seit Jahren fast jeden Winter zwei Monate im indischen Goa, um mit Freunden Tai Chi Übungen am Strand zu machen, unter Palmen, mit Delfinen, die aus dem Wasser grüßen. Die Lebensenergie des Einzelnen erhöhen – das ist das Ziel. Eine App der Zeitschrift "Focus" hat ihm ein Lebensalter von 96,7 Jahren errechnet, sagt er lachend. Er ist froh, dass er gewisse Eigenarten der Lebensentwürfe seiner Vorfahren abschütteln konnte, die sich für die Familie aufgeopfert haben und sexuell unterversorgt schon mit rund 60 Jahren gestorben sind.

Also ich hatte sehr früh Verlusterfahrungen, die waren anscheinend prägend dafür, dass ich meinen Weg alleine gegangen bin und nicht vertrauen konnte, mich auf Menschen zu verlassen.

Muneesh, ein echter Alt-68er, heute etwas entspannter in Sachen Sex, braucht auch noch mindestens 21,7 Jahre. Denn er engagiert sich mit bei Fridays for Future zur Rettung des Planeten vor der drohenden Katastrophe, begleitet immer noch mit großem Interesse Kommunen-Projekte, ist von Terra Preta fasziniert und sagt: "Die Gesellschaft muss sich ändern."

Moderation: Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 22. November 2019, 18:05 Uhr

Eine Stunde reden? – Mehr unbekannte Menschen erzählen ihre Geschichte:

Christa Drews, Seniorin aus Bremerhaven Hiltrud Oehlkers, Anhängerin der Bahá’í Anke Metscher, Sozialpädagogin aus Bremen-Nord Realschullehrer Tobias Apel aus Bramstedt Nhum aus Bremen-Gröpelingen
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