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Hans Joachim Weber

Diplomat a.D.

30. September 2019, 10:49 Uhr

"Wir haben alle Tränen in den Augen gehabt", erinnert sich Hans Joachim Weber an diesen einen Moment. Heute vor 30 Jahren sprach Hans Dietrich Genscher die berühmten Worte, die 4.000 DDR-Flüchtlingen in der westdeutschen Botschaft in Prag die Ausreise erlaubten. Weber stand direkt unter dem Balkon, als Genschers Worte in dem Jubel der Menschen unterging.

Hans Joachim Weber steht vor einer grauen Wand  [Quelle: Radio Bremen, Hendrik Plaß]
Der Diplomat a.D. Hans Joachim Weber war 1989 bei Genschers berühmter Rede zur Ausreise der DDR-Büger dabei. [Quelle: Radio Bremen, Hendrik Plaß]

1989 – immer wieder gelangten DDR-Flüchtlinge über den Zaun auf das Gelände der westdeutschen Botschaft in Prag. Hans Joachim Weber war seit Januar 1989 Mitarbeiter in der Botschaft und zuständig für die Zufluchtsuchenden. Er musste dafür sorgen, dass die ca. 4.000 DDR-Flüchtlinge in der Botschaft untergebracht und versorgt wurden. Der Garten der Botschaft war ein Schlammfeld und die Müllberge häuften sich, aber Weber und seine Mitarbeiter sorgten zum Teil auch mit unkonventionellen Methoden dafür, dass es genug Essen, Betten und Beschäftigung gab, selbst die Haustiere hatten ihren Platz. Immer wieder erkundigte sich Genscher nach der Situation, und vor allem die Versorgung der Kinder sei eine Herzensangelegenheit für ihn gewesen, so Weber.

Wie es weiter geht, das wusste keiner. Es gab keinen Plan B, die Bundesregierung hat damals keinen Plan gehabt.

Am 30. September 1989 aber war es soweit: Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher betrat den Balkon der westdeutschen Botschaft in Prag und verkündete die Ausreisegenehmigung für die tausenden DDR-Flüchtlinge – einer der ersten Schritte zur Wiedervereinigung.

Diese Menschen, die damals in die Botschaft kamen, die haben nicht abgestimmt durch eine freie Wahl – die gab's ja nicht – sondern die haben mit den Füßen abgestimmt. Die sind einfach weg! Und die haben dafür gesorgt, dass wir heute in einem Deutschland leben.
Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (unter dem Fensterkreuz rechts) steht am 30.09.1989 mit anderen Politikern auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag. [Quelle: DPA, Reinhard Kemmether]
Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (unter dem Fensterkreuz rechts) steht am 30.09.1989 mit anderen Politikern auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag. [Quelle: DPA, Reinhard Kemmether]

"Ich bin ein Praktiker"

Gelernt hat Hans Joachim Weber zunächst Betriebsschlosser bei der Deutschen Bundesbahn, ein handfester Beruf, auf den er immer noch stolz ist und der ihm viel im Leben geholfen hat. Auch bei seinem ersten Aufenthalt im Ausland, als Entwicklungshelfer in Tunesien, kam ihm seine Berufsausbildung zu Gute. Er half, eine Schule mit aufzubauen und lehrte jungen Menschen den Beruf des Schlossers. Über das Chiffrieren, das er bei der Bundeswehr gelernt hat, kam er schließlich zum Auswärtigen Dienst und ist als Fernmelder mit Bundeskanzler Helmut Schmidt durch die Welt gereist. Im Dezember 1988 rief ihn der damalige Botschafter in Prag, Hermann Huber, an und fragte, ob er nicht nach Prag kommen wolle.

Das musst du machen, war so meine innere Stimme!

Hüter des Protokolls

Ab 1999 war Hans Joachim Weber als Protokollreferent im Auswärtigen Amt in Berlin tätig und musste unter anderem Joschka Fischer und Frank Walter Steinmeier als Außenminister bei Auslandsreisen und Konferenzen in Protokollfragen beraten. Was er auf den Reisen mit den beiden Politikern erlebt hat, wie er die tschechische Müllabfuhr mit Whiskey bestochen hat und wie er jetzt seinen Ruhestand verbringt, darüber hat er mit Hendrik Plaß in der Gesprächszeit gesprochen.

Moderation: Hendrik Plaß

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. September 2019, 18:05 Uhr

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