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Dorothea van der Koelen

Galeristin und Verlegerin

2. Januar 2020, 21:05 Uhr

"Ich finde Ihre Kunst so schön, ich möchte sie ausstellen – bekommen wir das irgendwie hin?" Mit diesen mutigen Worten überzeugte Galeristin Dorothea van der Koelen schon mit Mitte 20 Künstler wie Günther Uecker oder Daniel Buren. In ihrer "Cadoro", der Casa Dorothea in Mainz, vereint sie heute Galerie, Verlag und Forschung – und hat dafür auch teure Kunstwerke verkauft.

Dorothea van der Koelen [Quelle: Archiv Galerie Dorothea van der Koelen]
Dorothea van der Koelen [Quelle: Archiv Galerie Dorothea van der Koelen]

Das Gespräch zum Anhören:
"Wenn man jung ist, ist man auch mutig" – Galeristin Dorothea van der Koelen [38:09 Minuten]

Direkt nach dem Abitur hat die Galeristin und Verlegerin Dorothea van der Koelen vor 40 Jahren ihre erste Ausstellung eröffnet – in ihrem Elternhaus in Mainz. Mittlerweile hat sie 600 Ausstellungen organisiert, nicht nur in ihren eigenen Galerien in Mainz und Venedig, sondern weltweit in 29 Ländern. Denn schon als junge Frau konnte sie große Namen von sich überzeugen.

Bei Günther Uecker war ich 23 Jahre alt, bei Daniel Buren 26, bei Francois Morrelet ebenfalls 26 und bei Raimund Giercke war ich 25. Die waren eigentlich eher verblüfft, als ein junges Mädchen vor ihnen stand und sagte: "Ich finde Ihre Kunst so schön, ich möchte sie so gerne ausstellen, bekommen wir das irgendwie hin?" Wenn man ganz jung ist, ist man auch mutig, im Sinne von übermütig.

"Wenn man jung ist, ist man mutig"

Von Anfang an interessierte Dorothea van der Koelen konkrete, konzeptuelle und konstruktive Kunst.

Ich finde eben Kunst schön, die mir erlaubt, das zu denken, was ich denken will. Das Konstruktive liebe ich, weil es mehr aufbaut als zerstört, es ist nicht destruktiv, sondern konstruktiv. Bei dem Konkreten finde ich die klaren Formen so schön, weil sie so einfach sind. Und das Konzeptuelle macht mir Spaß, weil die Ideen dahinter wichtig sind.

Als Frau bringt sie eine besondere Perspektive auf die Kunst und Einfühlungsvermögen für die Künstler mit:

Vielleicht sind Frauen noch ein bisschen empathiefähiger. Ich glaube schon, dass ich mich sehr gut in diese Konzepte eindenken und sie gut verstehen kann.

"Ich will, dass unser geistiges Potential eine Rolle spielt."

Einen ausgeprägten Sinn für Kunst und Ästhetik hat sie bereits in ihrem Elternhaus als Tochter einer Künstlerin und eines Architekten entwickelt. Am Essenstisch diskutierte die Familie über ästhetische Formen und ethische Werte. Später studierte Dorothea van der Koelen – neben ihrem Dasein als Jung-Galeristin – Kunstgeschichte, Philosophie und Buchwissenschaft und gründete mit ihrem Bruder einen eigenen Kunstbuch-Verlag. 2003 hat sie dann die gemeinnützige "Dorothea van der Koelen Stiftung" ins Leben gerufen, die Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbringen soll und den kunsthistorischen Nachwuchs fördert:

Mir geht es darum, dass junge Kunsthistoriker, Geisteswissenschaftler, unsere Bildungselite auch mit praktischen Fähigkeiten ausgestattet wird. Sonst werden unsere Museen bald nicht mehr von Kunsthistorikern geleitet, sondern von Eventmanagern, weil die besser mit Sponsoren, Besuchern und Geld umgehen können. Ich will aber, dass unser geistiges Potential weiterhin eine Rolle spielt.

Mit der "Cadoro" in die Zukunft

Galerie, Verlag, Bibliothek, Forschungszentrum – seit fünf Jahren sind van der Koelens vielfältigen Aktivitäten unter einem Dach gebündelt, in der Cadoro, der Casa Dorothea in Mainz. Den 2.000-Quadratmeter-Bau hat Dorothea van der Koelen selbst entworfen und auch finanziert. Dafür musste sie das eine oder andere Kunstwerk aus ihrer Sammlung verkaufen.

Und jetzt arbeite ich daran, dass die Cadoro mich überlebt. Das Haus Dorothea, das alles vereint, was ich im Leben mit der Kunst zu tun hatte. Ich versuche Mittel und Wege zu finden, dass das Haus nach mir fortgeführt werden kann.

Moderation: Christine Gorny

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. Januar 2020, 21:05 Uhr

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