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Gesprächszeit

Tobias Apel

Realschullehrer aus Bramstedt und Überraschungsgast auf Bremen Zwei

12. Juli 2019, 18:05 Uhr

"Eine Stunde reden?" ist das Motto unserer Gesprächszeit-Serie, bei der ganz normale Menschen zu Wort kommen, die uns zufällig über den Weg laufen. Bei Tobias Apel passierte das neulich auf der Breminale vor der Bremen Zwei Bühne. Er ist Realschullehrer in Syke und hat auch schon an den Deutschen Schulen in Caracas in Venezuela und Medellín in Kolumbien unterrichtet.

Tobias Apel [Quelle: Mario Neumann, Mario Neumann]
Tobias Apel [Quelle: Mario Neumann, Mario Neumann]

Das Gespräch zum Anhören:
"Gut, dann gehen wir nach Caracas" – Tobias Apel [38:08 Minuten]

Realschullehrer Tobias Apel tummelte sich vor der Bremen Zwei-Bühne auf der Breminale als er auf unseren Moderator Mario Neumann traf. Gerade hatte er die Vorstellung des Dada-Duos "Theatre du pain" gesehen und hatte anschließend Lust, sich für "Eine Stunde reden?" in der Gesprächszeit zu verabreden.

Musik und Physik – eine ungewöhnliche Kombination

Wer Musik auf Lehramt studiert, durfte damals in Osnabrück frei kombinieren. Tatsächlich gab es neben Tobias Apel noch fünf weitere Studierende im Jahrgang mit derselben, eigentlich ungewöhnlichen Kombination eines Musik- und Physik-Studiums. Doch eine eingeschworene Gemeinschaft wurde das trotzdem nicht, Tobias Apel hielt sich eher an die Musikstudierenden als an die "nerdigen" Naturwissenschaftler. Wenn seine Schüler auf der Bühne über sich hinaus wachsen, ist er begeistert.

Wenn ein Schüler überfordert ist, macht er dicht und hat kein Bock mehr auf gar nichts. Das ist ganz schwierig. Auf der anderen Seite: Wenn man diejenigen ausreizt, die ein Faible dafür haben, ist das ganz toll und total schön. Wenn die auf der Bühne plötzlich über sich hinauswachsen, wahnsinnig gro ß werden und ganz tolle Sachen machen, ist das irre. (...) Plötzlich ist es gigantisch, was auf der Bühne passiert und dann kommen einem die Tränen und es kommt die Gänsehaut.

Selbst bezeichnet er sich als Musik-Handwerker. Tobias Apel spielt E-Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard, fühlt sich aber in keinem Instrument so richtig zuhause. Seinen Schülern bringt er dafür gerne alles bei und begleitet sie musikalisch bei Aufführungen.

Ich habe gerade wieder mit Kiddies die West Side Story gemacht. Das ist toll gewesen!

"Ich möchte nicht nach Afrika"

Doch bevor er die Standard-Laufbahn eines Lehrers einschlug, machte sich Tobias Apel vor 17 Jahren auf an die deutsche Schule in Venezuela. Obwohl er das Land eigentlich gar nicht auf dem Schirm hatte. "Ich möchte nicht nach Afrika" war sein erster Gedanke, als er die Stelle in Venezuela angeboten bekam. Heute lacht er darüber. Er erlebte den lautstarken Protest gegen Präsident Chavez, ging auf unterschiedliche Demonstrationen und ist erstaunt, wie viel in dem Land immer noch funktioniert, obwohl dort eigentlich das Chaos herrscht.

Ich bin der Meinung, dass es das Land eigentlich über Dialog hätte schaffen können aus dieser Krise herauszukommen. Aber die Fronten sind so verhärtet, dass keiner dem anderen zuhören will.

In Venezuela lernte er auch seine heutige Frau kennen, mit der er einige Zeit später noch einmal in Lateinamerika war. Damals unterrichtete er an der Deutschen Schule in Medellín Kinder von deutschen Arbeitnehmern. Diese Zeiten im Ausland haben sein Leben geprägt, insbesondere was Neugier und Offenheit betrifft, sagt Apel.

Miteinander reden statt mit dem Kopf durch die Wand

Schon als 17-jähriger machte Tobias Apel eine sehr intensive Erfahrung, als sein sechs Jahre älterer Bruder allein zu Hause einen Asthma-Anfall nicht überlebte und Tobias der einzige Angehörige ist, der zunächst vor Ort sein kann. Bis heute denkt er gerne an ihn zurück, wenn er beispielsweise Cat Stevens hört.

Das war ein ziemlich Schock für mich, für die Familie, für alle. Weil keiner damit gerechnet hatte.

Mit Angehörigen oder anderen Mitmenschen nicht im Reinen zu sein, hält er für keine gute Idee. Diese Lehre zog Tobias Apel aus der Situation, als sein Vater starb. Er ist grundsätzlich davon überzeugt, dass miteinander reden und das Aufeinander zugehen entscheidend ist für unsere Gesellschaft. Die zunehmende Polarisierung in Deutschland, die er nach seiner Rückkehr aus Lateinamerika beobachtet hat, betrachtet er mit Sorge.

Mich treibt ganz stark das Miteinanderleben um. Wie gehen wir Menschen miteinander um, wie verhalten wir uns? Und ich erlebe bei uns in der Schule, aber auch in der deutschen Gesellschaft, eine steigende Aggressivität.

Moderation: Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Juli 2019, 18:05 Uhr

Mehr Überraschungsgäste in der Gesprächszeit:

Malin Uhlhorn, Schülerin aus Kirchweyhe Hiltrud Oehlkers, Anhängerin der Bahá’í Nhum aus Bremen-Gröpelingen Anke Metscher, Sozialpädagogin aus Bremen-Nord Christa Drews, Seniorin aus Bremerhaven
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