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Thomas de Maizière

CDU-Politiker

15. März 2019, 18:05 Uhr

Eigentlich wollte er nie Politiker werden, heute blickt er auf fast 30 Jahre aktive Politikgestaltung zurück. Thomas de Maizière war Landespolitiker, Chef des Kanzleramts unter Kanzlerin Angela Merkel, Bundesverteidigungsminister und Innenminister. Im März 2018 schied er aus dem Bundeskabinett aus und erzählt heute, wie er das "Regieren" gelernt hat.

Thomas de Maizière [Quelle: privat]
Thomas de Maizière [Quelle: privat]

Heute ist Thomas de Maizière Abgeordneter in Bundestag und vertritt den Wahlbezirk Meissen. Auch wenn der Abschied nach zwölf Jahren Bundespolitik schwer fiel, so ist der gebürtige Bonner doch dankbar, auf diesem Wege aus der Regierung auszuscheiden. Das letzte Jahr hat er genutzt, um ein Buch über das "Regieren" zu schreiben, ehrenamtliche Ämter zu übernehmen und tatsächlich Joggen zu gehen oder ein Fitness-Studio zu besuchen.

Thomas de Maizière scheut keine Wechsel. Schon als Kind musste er mehrmals den Wohnort und die Schule wechseln, da sein Vater, ein Berufsoffizier der Bundeswehr, oft versetzt wurde. Der jüngste von vier Kindern hat dennoch seine Kindheit sehr genossen und war schon in jungen Jahren politisch interessiert. Schon mit zehn Jahren las er Zeitung und machte sich Gedanken über die Politik. Später trat er in die Junge Union ein, mit 17 Jahren war er Mitglied der CDU.

Richard von Weizsäcker war verschnupft...

1983 begann Thomas de Maizière seinen politischen Weg als Redenschreiber für den Regierenden Bürgermeister von West-Berlin, Richard von Weizsäcker. Als dieser jedoch 1984 Bundespräsident der BRD wurde, zog Thomas de Maizière nicht mit nach Bonn.

Ja, da war er ein bisschen verschnupft, es war eine tolle Chance für den Bundespräsidenten zu arbeiten. Aber ich hatte mich gerade frisch verliebt, in meine heutige Frau, und ich sagte ihm, die Liebe geht vor und ich gehe nicht mit nach Bonn.

Selbstzweifel nach verlorener Landtagswahl

Nach Bonn ist Thomas de Maizière nicht gezogen, doch führten ihn weitere politische Ämter erst mal nach Schwerin. 1998 gab es jedoch einen kleinen Bruch in seiner politischen Karriere. Thomas de Maizière war Chef der Staatskanzlei, als die CDU die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern verlor. Der Berufspolitiker verlor seinen Job und musste sich neu orientieren:

Ich war ja auch sehr jung, ich war Mitte 40 und hatte keine Arbeit und dachte: "Jetzt rufen ganz viele Leute an, bieten mir ganz viele Jobs an" – aber niemand rief an. Das hat mich am Anfang etwas besorgt, ich wusste auch nicht, ob ich mich bewerben sollte, wie das geht, ich hatte immer nur Erfolg gehabt. Das beschäftigte mich, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, ich ging ja dann bald nach Dresden.

Angela Merkel ließ ihm fünf Stunden Zeit für eine Entscheidung

Cover: Thomas de Maizière, Innenansichten der Politik, Herder [Quelle: Herder, NurPhoto/Emmanuele Contini]
Thomas de Maizière, Innenansichten der Politik, Herder [Quelle: Herder, NurPhoto/Emmanuele Contini]

In Dresden arbeitete er unter anderem als Chef der Staatskanzlei und als Minister des Inneren, bevor Kanzlerin Angela Merkel ihn 2005 nach Berlin holte, um Chef des Kanzleramtes zu werden. Fünf Stunden hatte er nach dem entscheidenden Anruf Zeit, zu überlegen.

Heute blickt Thomas de Maizière auf zwölf Jahre Bundespolitik zurück. Seine Erfahrungen, den Umgang mit Krisen und Konflikten beschreibt er in seinem Buch "Regieren. Innenansichten der Politik", das im Februar 2019 erschien. Wie er mit Kritik umgeht, warum Wechsel in der Politik durchaus gesund sind und warum er fast Berufssoldat geworden wäre und die Idee dennoch verworfen hat, darüber hat er mit uns in der "Gesprächszeit" gesprochen.

Moderation: Ziphora Robina

Das Gespräch zum Anhören:
"Du musst dich schnell entscheiden, sagte sie" – CDU-Politiker Thomas de Maizière [38:25 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. März 2019, 18:05 Uhr

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