Livestream

Bremen Zwei Sendungen Gesprächszeit

Gesprächszeit

Tankred Stöbe

Notfallmediziner im Vorstand von "Ärzte ohne Grenzen"

25. November 2019, 18:05 Uhr

Als der Krieg in Syrien begann, richtete Tankred Stöbe mit seinem Team von "Ärzte ohne Grenzen" in einer Felshöhle einen Operationssaal ein. Er operierte, während draußen geschossen wurde. Und das war nicht sein erster Einsatz in einem Krisengebiet. Immer wieder lässt er seinen Job in einem Berliner Krankenhaus hinter sich, um weltweit dem Sinn seines Berufes nachzuspüren.

Tankred Stöbe [Quelle: Imago, Future Image]
Tankred Stöbe [Quelle: Imago, Future Image]

Das Gespräch zum Anhören:
"Es ist schockierend, wie ungerecht die Welt ist" – Tankred Stöbe [36:30 Minuten]

Gerade ist er aus Venezuela zurückgekommen. 20 Mal war der Internist und Notfallmediziner Tankred Stöbe in den vergangenen Jahren für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" im Einsatz – überall dort , wo Menschen in Not geraten sind durch Krieg, Naturkatastrophen, Seuchen.

Ich habe Glück gehabt, dass ich früh in meinem Arztberuf die Entscheidung gefällt habe, rauszugehen mit "Ärzte ohne Grenzen" und seither gar nicht mehr rauskomme. Ich merke, mit den ersten Einsätzen hat es mir so eine neue Sinnhaftigkeit des Berufes gezeigt, dass ich da auch immer Kraft tanke für den Arztberuf in Deutschland.

Einsätze zwischen Minenfeldern und Kugelhagel

Der Tipp, sich für "Ärzte ohne Grenzen" zu bewerben, kam von einem Freund. Damals hatte Stöbe gerade sein Studium beendet und die Promotion eingereicht, die Frage nach der Zukunft stand an. Der erste Einsatz führte den heute 50-Jährigen nach Myanmar. Ein Einsatz zwischen zwischen Minenfeldern. Es folgten Aufträge in Libyen, Afghanistan, Sierra Leone und im Gazastreifen. Gleich zu Beginn des Krieges in Syrien richtete er mit Kolleginnen und Kollegen in einer Felshöhle einen Operationssaal ein. Die Ärzte operierten während draußen geschossen wurde.

Wir haben keine Nacht im gleichen Haus verbracht. Wir mussten damit rechnen, dass wir vom Regime aufgespürt und angegriffen werden.

Es hilft, den Sinn des Arztberufes nicht zu vergessen

Menschen zu helfen, Lösungen für Probleme finden, das treibt den Mediziner an. Geboren ist Tankred Stöbe in Nürnberg, aufgewachsen am Bodensee. Das Engagement  wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Seine  alleinerziehende Mutter – eine mutige Frau – reiste am Ende der Apartheid nach Kapstadt, um dort in einem Township, einen Kindergarten mitaufzubauen.

Tankred Stöbe ist ein Mann mit zwei Leben. Das eine findet in den Krisenregionen der Welt statt, im anderen arbeitet er im Schichtdienst als Notfallmediziner in Berlin. Aber nach einiger Zeit im deutschen Klinikalltag fängt es bei ihm wieder an zu kribbeln:

So nach einigen Monaten steigt bei mir das Bedürfnis. Jetzt musst du mal wieder woanders Medizin machen, um die Sinnhaftigkeit deines Berufes nicht  zu vergessen und ich merke schon auch, dass das wie so ein Motivations-Akku ist, der sich immer wieder auflädt. 

Moderation: Martina Bittermann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. November 2019, 18:05 Uhr

Mehr interessante Gespräche:

Bahman Nirumand, Exil-Iraner und Autor
Gesprächszeit
Mehr zur Sendereihe "Gesprächszeit"