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Tanja Kliemann

Ordnungscoach

9. Januar 2020, 18:05 Uhr

Neues Jahr, neue Ziele. Für viele Menschen heißt das auch: "Endlich mal aufräumen, endlich mal Platz schaffen". Tanja Kliemann hilft denjenigen, die sich nur schlecht von Dingen trennen können. Sie ist Aufräumcoach und fragt: Macht das dritte Teeservice glücklich? Passt das zehnte Kleid – oder war es im letzten Sommersale einfach nur günstig?

Tanja Kliemann  [Quelle: Radio Bremen, Hilke Theessen]
Tanja Kliemann [Quelle: Radio Bremen, Hilke Theessen]

Das Gespräch zum Anhören:
"Dinge nehmen einen in Besitz" – Aufräumcoach Tanja Kliemann [31:13 Minuten]

Zwischen den Jahren ist Tanja Kliemanns persönliche Aufräumzeit. Dann bringt sie wieder Struktur in ihre Dinge und Unterlagen – und zwar mit großer Freude:

Ich brauche Ordnung, um mich wohlzufühlen.

Erst einmal einen Überblick verschaffen

Seit fünf Jahren schon ist Kliemann als Ordnungs- und Aufräumcoach selbständig. Von Anfang an waren ihre Auftragsbücher voll – heute gibt es Wartelisten von mehrere Wochen. Ihre Kunden sind oft Frauen, die sich zwischen Beruf und Familie aufreiben und dann den Überblick verlieren. Manchmal fängt es dann ganz einfach mit dem Kleiderschrank an.

Wir räumen den kompletten Kleiderschrank aus und dann haben wir einen riesigen Haufen. Und dann sortieren wir erst mal nach Themen: Alle T-Shirts auf einen Haufen, alle Hosen, alle Blusen. Und dann kann es sein, dass wir eine Kleidershow machen und die Menschen ihre Kleider anziehen. Und ich frage dann: Wie fühlen Sie sich jetzt? Und dann stellt man fest, das ist viel zu eng, oder die Farbe ist nicht mehr "in" oder es war einfach ein Fehlkauf.

Tränen fließen, wenn alte Fotos hervorgekramt werden

Auch kreative Selbständige wie Musiker oder Restauratoren rufen bei Tanja Kliemann an und bitten um Hilfe bei der Ordnung des Papierkrams. Für Tanja Kliemann, die eine kaufmännische Ausbildung hat, kein Problem. Den Großteil ihrer Kunden aber sind ältere Menschen, die kurz davor stehen, in ein Altersheim oder eine kleine Wohnung zu ziehen. Viele von ihnen haben Häuser, die vom Keller bis unters Dach mit Dingen gefüllt sind.

Man muss zwischendurch auch mal Tränen trocknen, wenn alte Fotos angeguckt werden oder Bilder, die Erinnerungen hervorrufen. Das ist für die Menschen auch nicht einfach, aber ich kann gut zuhören.

Vielen fällt es schwer, Dinge wegzuwerfen, die eigentlich zu schade für die Müllkippe sind. Dann weiß Tanja Kliemann, was die Flüchtlingshilfe gerade braucht oder sie organisiert den Transport der noch schönen Dinge in Sozialkaufhäuser.

Wenig Dinge, viel Energie

Aber wie wird man eigentlich Aufräumcoach? Ein zerbrochene Beziehung führte Tanja Klieman vor vielen Jahren zum Neustart nach Bremen. Ihre beruflichen Wurzeln liegen im kaufmännischen Bereich, wo sie bis zur kaufmännischen Büroleiterin aufstieg und zuletzt zehn Jahre im Außendienst und in der Kundenbetreuung gearbeitet hatte. 2012 endete ihr Leben dann erst einmal in persönlicher "Unordnung": Burn-Out lautete die Diagnose. Ein Blick zurück in die Kindheit erinnerte sie dann daran, was sie schon immer gern gemacht hat: Für Ordnung sorgen. So kreierte sie ihr eigenes Berufsfeld, das ihr tägliche neue Energie gibt.

Dinge nehmen einen in Besitz und nehmen einem auch ganz viel Energie. Dinge muss man pflegen, man muss sie saubermachen, man muss sich um sie kümmern. Wenn man weniger Dinge hat, hat man auch gleichzeitig viel mehr Energie.

Moderation: Hilke Theessen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. Januar 2020, 18:05 Uhr

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