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Tan Caglar

Comedian

21. Februar 2020, 18:05 Uhr

Darf man über Behinderte Witze machen? Man darf, findet Tan Caglar. "Auch Comedy sollte grundsätzlich barrierefrei sein", sagt Caglar, der 1980 mit "Spina bifida" auf die Welt kam. Eine seltene Rückenmarkserkrankung, die schleichend Besitz von seinem Körper ergriff. Erst erschwerte sie ihm das Laufen, vor rund 15 Jahren zwang sie ihn schließlich in den Rollstuhl.

Tan Caglar [Quelle: Agentur 190a, Angela Wulf]
Tan Caglar [Quelle: Agentur 190a, Angela Wulf]

Das Gespräch zum Anhören:
"Mit der Proleten-Karre auf den Behindertenparkplatz" – Comedian und Rollstuhlbasketballer Tan Caglar [40:13 Minuten]

Auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, war für den begeisterten Basketballer damals ein schwerer Schlag, der für ihn in der Depression endete. Dem Vorschlag, es doch mal mit Rollstuhl-Basketball zu probieren, konnte Caglar zunächst nichts abgewinnen:

Meine erste Antwort damals war: "Danke für den Vorschlag, aber fünf Behinderte, die sich gegenseitig den Ball an den Kopf werfen, darauf habe ich keinen Bock." Das war für mich eine reine Reha-Sport-Maßnahme, eine bessere Physiotherapie – bis ich gesehen habe, was wirklich dahintersteckt.

Rollstuhl-Basketball: Eigentlich doch ganz geil!

Die Fernsehübertragung des paralympischen Basketballturniers 2008 in Peking war für ihn der Wendepunkt in seinem bis dahin noch jungen Leben im Rollstuhl.

Was ich dort sah, konnte ich kaum glauben: große, breite Typen mit Glatze und Tattoos, die sich gegenseitig aus den Rollstühlen ballerten. Eine Mischung aus Basketball und Autoscooter. Da dachte ich: eigentlich doch ein ganz geiler Sport!
Tan Caglar [Quelle: Agentur 190a, Privat]
Basketball spielt immer noch eine große Rolle in Caglars Leben. [Quelle: Agentur 190a, Privat]

"Rollt bei mir"

Und so begann Caglars Karriere als professioneller Rollstuhlbasketballer. Und nicht nur das. Auch als Model, Schauspieler und Comedian hat sich der Deutsch-Türke – der sich selbstironisch als "Schweizer Taschenmesser der Minderheiten" bezeichnet – inzwischen einen Namen gemacht.  

"Rollt bei mir - wenn Träume laufen lernen"

Seine Autobiografie "Rollt bei mir – wenn Träume laufen lernen" ist im Ullstein-Taschenbuch-Verlag erschienen und kostet 12 Euro (E-Book  9 Euro).

"Rollt bei mir" heißt seine erste Bühnenshow, in der er humorvoll aus seinem Leben berichtet. Anekdoten gibt es reichlich, denn als Rollifahrer kann man viel erleben. Oft wird es unfreiwillig komisch, wenn ihm Nicht-Behinderte Fragen stellen wie:  "Darfst du eigentlich betrunken Rollstuhl fahren“? Caglar hat gelernt, solche Situationen mit Humor zu nehmen und schlagfertig zu antworten:

In diesem Fall: "Nein, natürlich nicht. Die Polizei verbietet mir dann die Weiterfahrt und ich muss zu Fuß nach Hause gehen!" Super sind auch Fragen wie: "Entschuldigung, auf der anderen Straßenseite fährt auch ein Rollstuhlfahrer – kennen Sie sich eigentlich?"

Humor, so Caglars Fazit, sei eine tolle Sprache, um Zuschauer bei so sensiblen Themen wie "Inklusion" abzuholen. Letztlich sei es aber sein Ziel, dass er den Rollstuhl überhaupt nicht mehr erwähnen muss, um sein Publikum zu fesseln. Der Comedian ist überzeugt:

Erst wenn der Rollstuhl hierzulande dieselbe Akzeptanz genießt wie ein Selfie-Stick, dann ist wahre Inklusion erreicht!

Moderation: Christian Erber

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. Februar, 18:05 Uhr

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