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Gesprächszeit

Steffen Gosewisch

Kolumbien-Auswanderer und Gründer eines Hilfsprojekts

26. Juli 2019, 18:05 Uhr

Einen Neuanfang wagen – wer träumt manchmal nicht davon? Unsere Gäste in der Gesprächszeit in dieser Woche haben es alle gewagt. Mit 23 Jahren ist Steffen Gosewisch nach Kolumbien ausgewandert. Erst hat er ein Restaurant aufgemacht, dann konnte er es nicht mehr mit ansehen, dass die Kinder in Kolumbien hungern müssen. Mit seiner kolumbianischen Frau Lina hat er das Hilfsprojekt Viracocha gegründet. Jetzt ist er 51 Jahre alt und sagt: "Ich bin da, wo ich immer sein sollte".

Steffen Gosewisch [Quelle: Radio Bremen, Kirsten Rautenberg]
Steffen Gosewisch [Quelle: Radio Bremen, Kirsten Rautenberg]

Das Gespräch zum Anhören:
"In Kolumbien bin ich da, wo ich immer sein sollte" – Steffen Gosewisch [40:01 Minuten]

Das Schicksal hat ihn immer wieder nach Kolumbien zurückgeschickt, sagt Steffen Gosewisch. Eigentlich wollte er durch die Welt reisen – in Kolumbien hat alles gut geklappt, während in anderen Ländern vieles nicht geklappt hat. Also hat es ihn immer wieder zurück nach Kolumbien gezogen.

Hilfe für die Kinder der Ärmsten

2001 startet Steffen Gosewisch sein Hilfsprojekt "Viracocha". 24 Kinder bekommen ein tägliches Mittagessen, Schulmittel und verschiedene Workshops. Schon sechs Jahre später gehen 100 Kinder und Jugendliche aus der ärmsten Bevölkerungsschicht bei "Viracocha" ein und aus. 2017 erweitern seine Frau und er das Programm und öffnen ihre Türen für Vorschulkinder, minderjährige Mütter und alte Menschen. Auch sie bekommen jetzt täglich ein Mittagessen. Doch nicht irgendeines – "Superhelden-Diät" nennt Steffen Gosewisch sein Essen, weil es sehr reichhaltig ist und vieles enthält, was Körper und Geist wirklich brauchen, sagt er. Von einem "normalen" Kantinenessen hält er nichts.

Nachhaltig und ökologisch

"Ich bin ein Öko – durch und durch", sagt Steffen Gosewisch und lacht. Heißt: Er möchte sein Hilfsprojekt nachhaltig gestalten. Das hat er geschafft: Für das Pariser Klimaabkommen war "Viracocha" das Vorzeigeprojekt beim Thema Nachhaltigkeit. Das nachhaltige Leben erreicht er unter anderem damit, dass alle Lebensmittel im eigenen Garten unter den Gesichtspunkten der Permakultur angebaut werden. Dafür werden Pflanzen so angebaut, dass sie ein möglichst dauerhaftes, stabiles Ökosystem bilden, das sich möglichst selbst erhält und in das kaum eingegriffen werden muss.

Finca in Kolumbien mit Schulkindern [Quelle: Steffen Gosewisch]

Auf einer Schulfinca ermöglichen Steffen Gosewisch und sein Verein "Viracocha" Kindern aus armen Familien den Schulbesuch. Links ist der Hauptklassenraum, rechts ein Schlafraum für Gäste. Quelle: Steffen Gosewisch

Menschen blicken durch ein Gitter nach unten. [Quelle: Steffen Gosewisch]

"Malokka" – Versammlungsort – heißt der Hauptklassenraum der Kinder. Quelle: Steffen Gosewisch

Kinder bekommen Mittagessen auf der Finca Viracocha [Quelle: Steffen Gosewisch]

Da sich viele Eltern in Kolumbien das Geld für Lernmittel und Mittagessen nicht leisten können, bekommen die Kinder auf der Schulfinca Viracocha auch ein tägliches Essen. Quelle: Steffen Gosewisch

Steffen Gosewisch und seine Frau Lina in Kolumbien [Quelle: Steffen Gosewisch]

Vor rund 18 Jahren haben Steffen Gosewisch und seine Frau Lina in San Agustín im Süden von Kolumbien ein neues Zuhause gefunden. Quelle: Steffen Gosewisch

Steffen Gosewisch mit einem "Agrarnivel", einer Art Wasserwaage. [Quelle: Steffen Gosewisch]

Und seither packt Gosewisch an in seinem Projekt: Ein Stein an einem Faden hilft ihm wie eine Wasserwaage beim Ausrichten. Quelle: Steffen Gosewisch

Steffen Gosewisch streift mit kolumbianischen Kindern durch den Wald [Quelle: Steffen Gosewisch]

Viele Gruppen kommen auch zu Workshops auf die Finca. Quelle: Steffen Gosewisch

Steffen Gosewisch und Kinder beugen sich über einen Lageplan der Finca "Viracocha". [Quelle: Steffen Gosewisch]

Dann streifen sie zusammen mit Gosewisch über das Gelände der Finca "Viracocha". Quelle: Steffen Gosewisch

Steffen Gosewisch zusammen mit seiner Frau Lina und den Kindern Yanila und Sinam. [Quelle: Steffen Gosewisch]

Steffen Gosewisch zusammen mit seiner Frau Lina und ihren beiden Kindern. Yanila und Sinam machen derzeit eine Ausbildung in Deutschland. Quelle: Steffen Gosewisch

In diesem Jahr startet das Ehepaar etwas ganz Neues: Da Jugendliche in Kolumbien es schwer haben, eine Ausbildung zu finden, bietet das Projekt verschiedene Ausbildungen in ökologischer Landwirtschaft, intelligenter Gastronomie und nachhaltigem Tourismus an. Was das genau heißt, erzählt der Auswanderer in der "Gesprächszeit".

Unterstützung kommt aus Deutschland

Spenden bekommt "Viracocha" durch die Unterstützung eines Partnervereins aus seiner Heimatstadt Salzgitter. Seine Eltern, Freunde und Bekannte sind Mitglieder des Vereins. "Dafür bin ich echt dankbar - ohne sie würde ich es nicht schaffen", sagt Steffen Gosewisch. Seine Eltern leben mittlerweile in Sudwalde im Kreis Diepholz. Bei einem Besuch bei ihnen hat Steffen Gosewisch bei Bremen Zwei im Studio vorbeigeschaut. Sein Sohn und seine Tochter leben seit kurzem wieder in Deutschland und machen beide eine Ausbildung: Der Sohn als Koch, die Tochter als Gärtnerin mit Kursen in Permakultur.

Im Gespräch mit Bremen Zwei erklärt der sympathische Mann, warum es ihm so wichtig ist, Nachhaltigkeit in die Welt zu bringen, wie groß sein Hilfsprojekt noch werden soll und warum es manchmal wichtig ist, auf die Zeichen des Schicksals zu hören.

Moderation: Kirsten Rautenberg

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 26. Juli 2019, 18:05 Uhr

Weitere Informationen:

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