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Stefanie de Velasco

Autorin

25. Februar 2020, 18:05 Uhr

Über das Großwerden bei den Zeugen Jehovas zu schreiben – das war schon lange der Plan von Stefanie de Velasco, die selbst in dieser Gemeinschaft aufgewachsen ist und sie im Alter von 15 Jahren verlassen hat. Das hat sie mit ihrem Roman "Kein Teil der Welt" nun geschafft. Es ist aber keine Abrechnung mit der Glaubensgemeinschaft.

Stefanie de Velasco [Quelle: Radio Bremen, Kristin Hunfeld]
Stefanie de Velasco [Quelle: Radio Bremen, Kristin Hunfeld]

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich habe gelernt zu leben" – Autorin Stefanie de Velasco [37:08 Minuten]

1978 in Oberhausen geboren und in St. Augustin bei Bonn aufgewachsen, war Stefanie de Velasco bis zu ihrem 15. Lebensjahr selbst eine Zeugin Jehovas. Dann stieg sie aus. Ohne die Lehre an sich zu hinterfragen, kam ihr doch vieles falsch vor. Der Konflikt eskalierte und sie wurde aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Ihr Glück: Ihre Eltern haben sie nicht verstoßen.  

Leben lernen

Nach dem Abitur studierte sie in Bonn, Berlin und Warschau unter anderem Europäische Ethnologie. Obwohl sie sich zuerst unter diesem Studienfach nicht vorstellen konnte, fing sie in einer Vorlesung als Gasthörerin Feuer. Sie sagt, durch dieses Studium habe sie sich nicht nur gebildet, sondern auch gelernt zu leben.

Das war für mich eine ganz tolle und wichtige Wahl, weil ich ja eigentlich aus einer Welt kam, die ganz anders war und ich mich oft sehr fremd gefühlt habe am Anfang in dieser normalen Welt. Und die Europäische Ethnologie blickt mit einem fremden Auge auf die eigene Kultur. Und das war sozusagen genau auf mich gemünzt.

Auch das Schreiben habe sie während der Zeit an der Universität gelernt. 2013 erschien ihr Debütroman "Tigermilch", der direkt einschlug: Es war für den Jugend-Literaturpreis nominiert, wurde verfilmt und für die Bühne adaptiert.

"Kein Teil der Welt"

2019 ist mit "Kein Teil der Welt" ihr zweiter Roman erschienen. Im Mittelpunkt steht ein junges Mädchen, das mit ihren Eltern nach der Wende von Nordrhein-Westfalen in die ostdeutsche Provinz zieht. Sie gehören den Zeugen Jehovas an und wollen vor Ort helfen, eine Gemeinde aufzubauen. Obwohl es kein autobiografisches Buch ist, fließen viele Erfahrungen von Stefanie de Velasco mit ein. Aber es ist keine Abrechnung mit den Zeugen Jehovas. Es geht um die Freundschaft von zwei Mädchen. 

Ich schreibe einfach gerne über junge Frauen, weil das meine eigene Erfahrungswelt ist und weil es nach wie vor viel zu wenig literarische Publikationen dazu gibt, beziehungsweise, viele einfach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen wie der Familienroman.

Warum sie für den zweiten Roman sechs Jahre gebraucht hat und warum sie erstmal keine Romane schreiben will und sich dafür für das Klima einsetzen möchte, erzählt Stefanie de Velasco in der Gesprächszeit.

Moderation: Kristin Hunfeld

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. Februar 2020, 18:05 Uhr

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