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Gesprächszeit

Sophie Passmann

Moderatorin, Feministin, Autorin

7. März 2019, 18:05 Uhr

"Es ist der Job von Feministinnen, zu nerven. Wir tun das nicht aus Langeweile oder Themenarmut. Das ist eine Überlebensstrategie!“ – das sagt die Autorin und Moderatorin Sophie Passmann. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben: "Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch".

Sophie Passmann bei einem Auftritt [Quelle: DPA, Bernd von Jutrczenka]
Sophie Passmann [Quelle: DPA, Bernd von Jutrczenka]

Sophie Passmann moderiert im Radio beim WDR-Sender "1Live", arbeitet als Fernsehautorin für Jan Böhmermanns Sendung "Neo Magazin Royale" und auf Twitter bestimmt die 25-Jährige die gesellschaftlichen Debatten mit. Über 73.000 Menschen folgen ihr dort, auf Instagram sind es mehr als 53.000. Nun hat sie ein Buch über einen Kampfbegriff geschrieben: "Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch". Dafür hat sie Männer in Machtpositionen und Prominente, die in unserer Gesellschaft etwas zu sagen haben, getroffen. Zum Beispiel Kai Diekmann, Sascha Lobo, Rainer Langhans, Robert Habeck, Kevin Kühnert, Marcel Reif oder Jörg Thadeusz.

Ich wollte mich diesem Feindbild, diesem Klischeebegriff des alten weißen Mannes, nähern und rausfinden: Was macht den aus? Was ist der? Kriegt man den weg? Will man das sein als Mann? Was macht man, wenn man das nicht sein möchte?

Manche Gesprächspartner musste sie überzeugen, manche haben bereitwillig oder amüsiert mitgemacht, manche haben auch freundlich abgesagt, erzählt Sophie Passmann. Dabei hat sie das Gefühl durchaus genossen, welches der provokante Buchtitel in Männern auslöst.

Man liest erst mal 'alter weißer Mann' im Titel und denkt so: 'Oaarr, was passiert da?' und dann liest man 'Schlichtungsversuch'. Ich mag diese Verwirrung, diesen Zweikampf im Titel.

Heranpirschen an die Figur des "alten, weißen Mannes"

Doch mit wem hat man es eigentlich dabei zu tun? Ständiges Unterbrechen, leicht joviales Verhalten bei Kritik, Frauen die Welt erklären wollen – das sind Verhaltensweisen, die Sophie Passmann mit dem typischen "alten, weißen Mann" verbindet.

Doch bei den Gesprächen zu ihrem Buch hat sie festgestellt, dass sie keinen ihrer Gesprächspartner nach einem klaren Schwarz-Weiß-Muster in eine Schublade stecken würde. Auch ihren eigenen Vater hat Sophie Passmann für ihr Buch befragt. Von ihm hat sie zuerst erfahren wie einschränkend und mächtig ein konservatives Regelwerk für den Alltag sein kann.

Das sind so Kleinigkeiten gewesen wie: 'Eine Frau hat niemals nackte Beine, auch nicht im Sommer, sie hat immer eine Strumpfhose an.' (...) 'Eine Frau raucht nicht auf der Straße' – das ist immer noch so ein geflügeltes Wort in der Familie Passmann.

Feministin dank frauenfeindlicher Unterhaltungsbranche

Dass sie sich heute als Feministin bezeichnet, wurde Sophie Passmann nicht in den Schoß gelegt. Als Studentin der Politikwissenschaften musste sie sich zwar eine Zeit lang intensiv mit der statistischen Häufigkeit von frauenfeindlicher Kommunikation auseinandersetzen, aber erst das Arbeiten in der medialen Unterhaltungsbranche offenbarte ihr eine offensichtliche Benachteiligung von Frauen, sagt die 25-Jährige.

Wo man ständig mit der Frage konfrontiert wird: 'Warum sind Frauen eigentlich nicht lustig?'. Das hat mich viel eher radikalisiert als die bloße Statistik und die nackten Zahlen. Weil ich dachte: 'Mein Gott Freunde, schaut euch doch mal um in dieser Gesellschaft. Es kann nicht sein, dass wir weiterhin nur Jungs in eng ansitzenden Anzügen im Fernsehen haben.'
Cover: Sophie Passmann, Alte weiße Männer, KiWi Verlag [Quelle: Kiepenheuer & Witsch]
Sophie Passmann, Alte weiße Männer, KiWi Verlag [Quelle: Kiepenheuer & Witsch]

Kernkompetenz "Nerven"

Für Feministinnen hat Sophie Passmann auch eine "Jobbeschreibung" parat. Als Kernkompetenz nennt sie "Nerven können". Deswegen hat sie auch Sätze wie "Alle Männer sind Sexisten" in ihr Buch eingebaut. Passmann weiß, dass sie damit keinen Beliebtheitswettbewerb gewinnt, sondern sich viele Männer und auch Frauen darüber ärgern werden. Oft macht sie sich auch angreifbar, wenn sie auf Twitter Witze über gesellschaftlich relevante Themen macht. Zwar sei es manchmal psychisch anstrengend, Hass im Internet zu ertragen, aber sie könne gut damit leben, anzuecken oder sich auch mal unbeliebt zu machen. Wenn es ihr reicht, legt Sophie Passmann dann einfach mal das Handy weg.

60 Jahre Barbie – 60 Jahre unrealistische Schönheitsideale

In der "Gesprächszeit" spricht Sophie Passmann auch über die Barbie, die am 9. März 2019 ihren 60. Produktionsgeburtstag feiert, und Geschlechterklischees, die schon im Kinderzimmer etabliert werden.

Barbie ist natürlich der Traum eines unrealistischen Schönheitsideals. Sie ist dünn, groß, blond, weiß – also das ist sehr ungesund, glaube ich.

Passmann betont aber, dass nicht nur Frauen von Schönheitsidealen erdrückt werden. Auch ein "Ken" sei meist weiß, sehr groß und habe unglaubliche Bauchmuskeln, also den quasi perfekten Körper. Auch für Jungs wünscht sie sich ein Aufwachsen jenseits von Geschlechterklischees.

Ich finde den Gedanken sehr schön, dass Kinder mit der Gewissheit aufwachsen, dass es erst mal nicht so eine große Rolle spielt, ob sie ein Junge oder ein Mädchen sind oder irgendetwas anderes.

Das Gespräch zum Anhören:
"Es ist der Job von Feministinnen, zu nerven" – Sophie Passmann [38:32 Minuten]

Moderation: Timo Grampes

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. März 2019, 18:05 Uhr

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