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Gesprächszeit

Sönke Hofmann

Geschäftsführer NABU Bremen

2. Juli 2020, 21:05 Uhr

Bremens Nabu-Vorsitzender Sönke Hofmann [Quelle: Radio Bremen, Tammo Jans]
Bremens Nabu-Vorsitzender Sönke Hofmann [Quelle: Radio Bremen, Tammo Jans]

Weltweit gibt es mehr als eine Million verschiedene Insektenarten. Die Welt der Krabbeltierchen ist extrem vielfältig – und unverzichtbar für das Gleichgewicht der Ökosysteme. Doch es findet ein massives Insektensterben statt, die Artenvielfalt schwindet. Sönke Hofmann ist Geschäftsführer des NABU Bremen und sagt, wir können uns unseren aktuellen Lebensstil nicht mehr leisten.

"Dieses ressourcenintensive Leben ist die pure Dekadenz" - Sönke Hofmann, NABU-Chef Bremen [37:06 Minuten]

Wenn man Sönke Hofmann über die Insektenwelt sprechen hört, spürt man förmlich das Glühen in seinen Augen. Er sagt, dort gebe es nichts, was es nicht gebe. Auch menschliches Verhalten wie Niedertracht und Täuschung sei zu beobachten.

Es ist einfach phänomenal und faszinierend bis ins Letzte, aber es ist eben auch so erschreckend vielfältig. 33.000 Arten haben wir alleine in Deutschland und es gibt keinen Menschen auf der Erde, der diese 33.000 Arten alle auseinanderhalten kann.

Rückgang der Biomasse von Fluginsekten um drei Viertel

Doch der Bestand der Insekten ist bedroht. Große Aufmerksamkeit erregte in 2017 eine Studie aus Krefeld. Laut ihr ging die Menge an Fluginsekten in den letzten 27 Jahren um etwa drei Viertel zurück. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und sind menschengemacht: von Agrargiften und Überdüngung bis hin zu den generellen Klimaveränderungen in Folge unserer Lebensweise.

Der derzeitige Energieverbrauch, der derzeitige Lebensstil, den wir uns leisten (...) mit dem ressourcenintensiven Leben, das wir führen - das ist die pure Dekadenz. Und das dürfen wir und können wir uns nicht mehr erlauben. (...) Ansonsten wird die nächste Generation ganz, ganz massive Probleme kriegen.

Mitmach-Aktion "Insektensommer"

Nach Veröffentlichung der Krefelder Studie hat der NABU eine bundesweite Mitmach-Aktion gestartet. Im "Insektensommer" kann mitgeholfen werden, Daten zur Artenvielfalt und der Häufigkeit bestimmter Insekten zu sammeln. In einem Zählzeitraum von einer Woche werden eine Stunde lang die im Garten zu entdeckenden Insekten gezählt und gemeldet. Der erste Zählzeitraum ist bereits beendet, der zweite Zählzeitraum findet vom 31. Juli bis 9. August statt.

Es ist die erste Zählaktion dieser Art. Von den Zahlen verspricht sich der NABU vor allem, über die Jahre Trends ableiten zu können.

Naturschutz statt Forstwirtschaft

Aufgewachsen ist Sönke Hofmann in Walle und Osterholz-Scharmbeck, in Göttingen hat er Forstwirtschaft studiert. Die Forst-Partie war ihm aber zu konservativ, wie er während des Studiums feststellte. Seinen Abschluss machte er trotzdem. Im Anschluss versperrte er sich aber ganz bewusst den Weg für eine Karriere in dem Bereich, indem er in der Gewerkschaftszeitung einen vernichtenden Artikel über die Zustände an der Hochschule schrieb.

Über den Zivildienst lernte Sönke Hofmann dann den Naturschutz kennen und geht seither in ihm auf. Seit 1995 baut er mit viel Herzblut und Leidenschaft den Naturschutzbund Bremen auf, seit 2000 ist er zudem ehrenamtlicher Vorsitzender des Schullandheims Dreptefarm in Wulsbüttel, wo Kinder die Natur erleben können.

Über all dies, aber auch über "Gärten des Grauens" und die Frage, was wir alle tun können, um Insekten in unseren Gärten einen guten Lebensraum zu bieten, spricht Sönke Hofmann in der Gesprächszeit.

Moderation: Britta Lumma

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 02. Juli 2020, 21:05 Uhr

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