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Gesprächszeit

Sherry Hormann

Regisseurin

9. Mai 2019, 18:05 Uhr

Der Mord an Hatun Sürücü sorgte 2005 für Schlagzeilen in Deutschland. Sie wurde von einem ihrer Brüder erschossen, der ihren westlichen Lebensstil verachtete. Das Wort "Ehrenmord" bestimmte damals die Gazetten. Nun hat Regisseurin Sherry Hormann Sürücüs Geschichte auf die Leinwand gebracht: "Nur eine Frau" startet am 9. Mai in den Kinos.

Sherry Hormann [Quelle: DPA, Sebastian Gabsch/Geisler-Fotopress]
Regisseurin Sherry Hormann [Quelle: DPA, Sebastian Gabsch/Geisler-Fotopress]

Sherry Hormann ist eine deutsche Regisseurin, die einfach alles kann: Leichte Komödien wie "Irren ist männlich", Dramen wie "Leise Schatten", internationale Großproduktionen wie "Die Wüstenblume" und Fernsehserien wie "Der Kriminalist". "Nur eine Frau" heißt nun ihr neuer Film und der widmet sich wieder einem düsterem Thema.

Ein Mord, der bundesweit durch die Presse ging

Das Drama befasst sich mit dem Thema Ehrenmord in Deutschland, wobei Sherry Hormann schon den Begriff "Ehrenmord" nicht mag. Die Geschichte basiert auf dem Fall Hatun Aynur Sürücüs, die 2005 von ihrem jüngeren Bruder Nuri auf offener Straße in Berlin erschossen wurde. An einer Bushaltestelle, nur wenige hundert Meter von ihrem schlafenden, fünfjährigen Sohn entfernt. Produzentin Sandra Maischberger fragte Sherry Hormann, ob sie diese Geschichte verfilmen möchte.

Sie hat meine Filme gesehen und sagte: Ich möchte, dass du das machst!

Dem Opfer eine Stimme geben

Der Fall Hatun Sürücü ging damals bundesweit durch die Presse. Ihr Film lässt uns tief in die Welt einiger streng gläubiger Muslime in Deutschland blicken. Für das Drehbuch wurden alte Fall-Akten durchgearbeitet, mit Zeitzeugen gesprochen und es war Sherry Hormann wichtig, nicht dem Täter, sondern dem Opfer eine Stimme zu geben.

Ich brauchte eine Weile, um mich zu entscheiden, musste erst mal zum Thema recherchieren. Es war für mich sehr wichtig zu zeigen, wer dieser Mensch ist, den es nicht mehr gibt. Was ist das für eine Stimme, die wir nie wieder hören können? Eine Frau, die eben nicht Opfer ist, sondern eine Kämpferin, Kriegerin.

Es ist nicht der erste Film über starke Frauen, der Sherry Hormann gelungen ist. Sie hat einen Film über Natascha Kampusch gedreht und mit "Wüstenblume" auf Beschneidungen von Mädchen hingewiesen. Aber alle Filmstoffe haben auf die ein oder andere Weise den Weg zu ihr gefunden, wie sie in unserem Gespräch bemerkt: "Die sind alle auf mich zugekommen."

Die Finsternis anschauen, um Lachen zu können

Regisseurin Sherry Hormann und Hilke Theesen [Quelle: Radio Bremen]
Regisseurin Sherry Hormann und Hilke Theesen

Acht von neun Filmen werden immer noch von Männern gedreht. Auch Sherry Hormann hat lange gehadert mit ihrer Arbeit als Regisseurin. Sie galt als Expertin für die "leichten Stoffe", die man aber ansonsten nicht ernst nehmen muss. Sie zog sich viele Jahre mit ihrer Tochter in die Wälder von Massachusetts in den USA zurück, um Abstand zu gewinnen. Dann kam sie zurück und begann wieder zu arbeiten – anders und ernster. Zum Beispiel für den "Kriminalisten" mit Christian Berkel.

Als ich zurückkam, fing ich buchstäblich wieder von vorne an. (...) Und über das neue Generieren einer Serie konnte ich noch mal schauen, wie viel von Abgründen steckt eigentlich in mir. Und kapierte dann: "Na klar, ganz viel". Denn sonst hätte ich auch keine Komödien machen können. Weil: Man muss sich die Finsternis anschauen, um Lachen zu können.

Große Traurigkeit überkam die Tochter einer deutschen Malerin und eines amerikanischen Jazz-Musikers, als sie in der "Gesprächszeit" von ihrem verstorbenen Mann Michael Ballhaus erzählte, und was sie von ihm gelernt hat.

Wie es für sie war, den Film "Nur eine Frau“ auf dem internationalen Tribeca Filmfest in New York vorzustellen und woran sie gerade arbeitet – all das erzählt Sherry Hormann auch auf Bremen Zwei in der "Gesprächszeit".

Das Gespräch zum Anhören:
"Wir haben die Tendenz, über die Täter zu sprechen" – Regisseurin Sherry Hormann [36:20 Minuten]

Moderation: Hilke Theessen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. Mai 2019, 18:05 Uhr

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