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Sebastian Weiss alias "Sepalot"

DJ und Produzent

7. Januar 2020, 18:05 Uhr

Was macht einen guten DJ aus? Sebastian Weiss aka Sepalot hat nur ein Ziel: Sein Publikum auf eine große, spannende musikalische Reise zu schicken. Mit seinem Sepalot Quartet ist der ehemalige Blumentopf-DJ derzeit jazzig unterwegs und sagt: "Seit langem habe ich mich nicht mehr so wohl gefühlt mit der Musik, die ich mache."

Sepalot auf der Breminale 2016 [Quelle: Radio Bremen, Michael Ihle]
Sebastian Weiß als "Sepalot" auf der Breminale 2016 [Quelle: Radio Bremen, Michael Ihle]

Das Gespräch zum Anhören:
"Als DJ bin ich musikalischer Kurator" – Sebastian Weiss alias Sepalot [37:19 Minuten]

Mit "Blumentopf", der Rap-Formation aus München, machte Sebastian Weiss seine großen musikalischen Schritte. Damals bekam er auch seinen Künstlernamen "Sepalot" verpasst. Denn seine Rap-Kollegen hatten alle schon Künstlernamen – und "Sebastian", hieß es damals, "das geht nicht". Vor rund drei Jahren hat sich die Formation aufgelöst. Auch weil er und seine Kollegen das Gefühl hatten, immer öfter in eine Rolle schlüpfen zu müssen, die nicht mehr zu ihnen passte.

Inzwischen ist Sebastian Weiss als "Sepalot" solo unterwegs. Mit dem Sepalot Quartet bringt er derzeit Studiowerke aus den letzten zehn Jahren seines Schaffens auf die Bühne. Das aktuelle Album vereint Hip-Hop, Elektro und Jazz und wurde live in der Goldenen Bar in München aufgezeichnet.

Ein guter DJ ist jemand, der es schafft, einen großen Spannungsbogen zu schaffen. Und im Endeffekt ist er wie der Kurator von einer Ausstellung. Der musikalische Kurator einer Party.

Auf das Set kommt es an!

Wenn er auflegt, geht es Sebastian Weiß nicht darum, dass es immer knallt vor der Bühne. Viel wichtiger ist ihm, sein Publikum in einen musikalischen Flow zu versetzen, der es durch den Abend trägt.

Ein Kompliment, das ich mal gekriegt habe, war auf einer ganz kleinen, schimmeligen Party in München. Nach meinem Set kam eine Dame zu mir und hat gesagt "Wie nennt man das, was du auflegst? Wie nennt man das Gesamte, was du auflegst?" Wir haben dann ein bisschen gesprochen und es hat mich total gefreut, weil sie eben nicht die einzelnen Songs gesehen hat, sondern den ganzen Abend. Sie hat praktisch begriffen, dass es nicht nur die einzelnen Songs sind, sondern wie man die Leute auf eine Reise schickt.
Sepalot auf der Breminale 2016 [Quelle: Radio Bremen, Michael Ihle]
Sebastian Weiß [Quelle: Radio Bremen, Michael Ihle]

Die größte Strafe? Urlaub im All-Inclusive-Hotel

Von sich selbst sagt er, dass er ein emotionaler Mensch ist, der lange über schlechten Gefühlen brüten kann und aus dem es manchmal auch herausplatzt. Doch oft kommt es gar nicht so weit. Lieber vergräbt sich Sebastian Weiss mal ein oder zwei Tage in der Ferienwohnung in den Bergen, bevor er sich dann wieder in den Familienalltag stürzt. Er ist Vater von Grundschulkindern, zu denen er einen sehr engen Draht hat. Gerade weil er eben keinen Nine-to-Five-Job hat, ist er überzeugt:

Ich würde sagen, es ist ein ganz normales Familienleben. Wenn ich dann aber andere Familien kennenlerne, die Eltern von Schulfreunden von unseren Kindern, merke ich schon, dass wir Aliens sind.

Von seinen eigenen Eltern hat er übrigens Neugier und die Freunde an Input mitbekommen, erzählt Sebastian Weiss. Statt wie alle anderen nach Italien fuhr er als Kind zum Beispiel in die eher unbekannte Bretagne, die Ferien-Unterkünfte stets selbst organisiert.

Die größte Strafe für mich wäre ein Urlaub im All-Inclusive-Hotel – oder noch schlimmer auf einem Kreuzfahrtschiff!

Mit dem Sepalot Quartet entsteht gerade ein neues Album von Sebastian Weiss. Anfang 2020 soll es erscheinen. In der Gesprächszeit spricht Weiss über männliche Vorbilder und seine Rolle als Vater, und darüber, warum Basisdemokratie in der Kunst oft keine so gute Idee ist.

Moderation: Christine Heuck

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. Januar 2020, 18:05 Uhr

Mehr Musiker in der Gesprächszeit:

Francesco Wilking und Moritz Krämer Nachwuchspianist Parvis Hejazi Musiker Ingo Pohlmann Musikerin Etta Scollo
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