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Gesprächszeit

Roni Levy

Bäckerei-Café-Inhaberin aus Israel

5. Juli 2019, 18:05 Uhr

Was macht die israelische Küche aus? Die Vielfalt, sagt Roni Levy, denn Juden aus aller Welt hätten die Speisen aus ihrer Heimat mit nach Israel gebracht. Vor fünf Jahren kam sie der Liebe wegen aus Tel Aviv nach Bremen und verkauft in ihrem Café Spezialitäten, bei denen einem das Wasser im Munde zusammenläuft: Hummus, gefülltes Pita-Brot oder Süßigkeiten wie Pekan-Halva oder Malabi.

Roni Levy  [Quelle: Roni Levy]
Roni Levy [Quelle: Roni Levy]

Das Gespräch zum Anhören:
"Israelisches Essen? Gibt es nicht" – Roni Levy []

Groß geworden ist Roni Levy in Tel Aviv. Die Atmosphäre dort beschreibt sie als sehr lebhaft, mit vollen Cafés, Menschen auf den Straßen und Flaneuren am Mittelmeerstrand. Bremen ist dagegen ganz anders. Das graue Wetter gegen die Sonne Israels eintauschen zu müssen, fiel Roni Levy nicht leicht. Doch nach zwei Jahren fasste sie den Entschluss: "Ich bringe die Atmosphäre von Tel Aviv hier her."

Ich habe angefangen mit Partys im Sommer – einer Tel Aviv-Style-Party im Laden.

Lecker: Hummus, Pita oder Halva

In Israel hatte sie schon immer mit Essen zu tun und hatte zuletzt einen Laden, in dem sie Hochzeitstorten herstellte. In Bremen-Schwachhausen führt Roni Levy das Bäckerei-Café "Delicious". Dort verkauft sie Kuchen und Torten, die sie nach eigenen Rezepten backt. Außerdem gibt es Brot und israelische Spezialitäten wie Hummus, gefülltes Pita-Brot oder Süßigkeiten wie Pekan-Halva oder Malabi, einer Art arabischer Panna Cotta-Speise. Bei ihr findet man Sachen, die man sonst nicht in Bremen findet.

Ich habe viele Stammkunden. Die Nachbarschaft, aber es kommen auch viele aus Lilienthal und Osterholz für Hummus, Brot und Kuchen.

"Was ist israelisches Essen?"

Sie ist glücklich in Bremen, doch natürlich vermisst Roni Levy ihre Eltern und ihre drei Geschwister, von denen zwei weiter in Israel wohnen. Auch in ihrer Familie erlebte sie täglich die Vielfalt der israelischen Küche. Ihr Vater ist im Irak geboren, ihre Großeltern mütterlicherseits in Griechenland. Aus den verschiedenen Herkunftsländern haben all ihre Familienmitglieder auch ihr Essen mitgebracht. Deswegen gibt es in ihrer Familie schon immer gefüllte Weinblätter oder Börek wie in Griechenland sowie die irakisch-arabische Küche ihres Vaters. Auf Märkten und in Restaurants erlebt man in Israel täglich die Vielfalt der Länder, erzählt Levy.

Jemand hat mich mal gefragt: "Was ist israelisches Essen?" Und ich habe gesagt: "Es gibt kein israelisches Essen." Die Juden kommen von überall und alles ist gemischt.

Sufganiot – die israelischen "Berliner"

Roni Levy liebt Sabich, ein Pitabrot, das mit Gemüse, gekochtem Ei und einer Soße gefüllt ist. Zwei bis drei Mal im Jahr veranstaltet sie auch israelische Kochkurse in Bremen. Und zum Lichterfest Chanukka gibt es in Levys Café in der Graf-Moltke-Straße auch Latkes, die unseren Kartoffelpuffern ähneln und Sufganiot. Letzteres ist ein Teiggebäck wie unsere "Berliner".

Als ich das erste Mal nach Deutschland gekommen bin und Sufganiot – die Berliner – gesehen habe, war ich schockiert. Ich habe immer gedacht, das ist "Unseres". Aber die Juden aus Deutschland sind nach Israel gekommen und haben das vielleicht mitgebracht.

"Ich bin nicht religiös – aber ich bin Jüdin"

Obwohl sie nicht religiös ist, war es Levy zu Anfang in Bremen wichtig, in der Nähe der Synagoge in der Schwachhauser Heerstraße zu wohnen. Ansonsten hätte ihr das Gefühl für Schabbat und für die israelischen Feiertage gefehlt, erklärt sie.

Ich möchte ein bisschen was von meiner Heimat und meiner Religion im Gefühl haben. Ich gehe in die Synagoge zu Feiertagen und Israel ist bei mir immer wichtig. Ich bin nicht religiös – aber ich bin Jüdin.

In der Gesprächszeit spricht Roni Levy über ihre Hoffnungen auf die Beilegung des Nahost-Konflikts, über das Verbot in die Heimat ihres Vaters, den Irak, zu reisen – und über ihre Pläne, ein größeres israelisches Restaurant in Bremen zu eröffnen.

Moderation: Martin Busch

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 5. Juli 2019, 18:05 Uhr

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