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Gesprächszeit

Roland Emmerich

Hollywood-Regisseur

7. November 2019, 18:05 Uhr

Er hat das Weiße Haus mehrfach in die Luft gejagt, New York, Paris und Los Angeles zerstört und die Erde von Aliens angreifen lassen. Roland Emmerich ist Experte, wenn es darum geht, auf der Leinwand Dinge kaputt zu machen. Für die Gesprächszeit haben wir ihn in München zum Interview getroffen, als er seinen neuen Film "Midway" vorgestellt hat.

Regisseur Roland Emmerich [Quelle: Imago, Zuma Press]
Regisseur Roland Emmerich [Quelle: Imago, Zuma Press]

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich war immer schon Fan von Desaster-Filmen" – Roland Emmerich [32:44 Minuten]

Roland Emmerichs Filme werden fast immer Blockbuster. Nun hat er die Schlacht bei Midway verfilmt, in der die USA im Zweiten Weltkrieg einen Großteil der japanischen Flugzeugträger versenkt und Japan in die Defensive gedrängt hat. Die dreitägige Schlacht setzt Emmerich mit Hilfe von Computertechnik sehr lebensnah und gewohnt effektvoll in Szene.

Ich glaube, die Schlacht um Midway ist die größte Comeback-Story des Zweiten Weltkriegs.

Emmerich hat gleich groß angefangen

"Midway" im Kino

Roland Emmerichs neuer Film startet am 7. November bundesweit in den deutschen Kinos. In Bremen ist er in den großen Multiplex-Kinos zu sehen.

In seinen Anfangsjahren wurde Roland Emmerich gerne etwas spöttisch als das “Spielbergle von Sindelfingen” bezeichnet. Doch aus dem Schwaben ist einer der bekanntesten deutschen Exporte nach Hollywood geworden. Dabei wollte Emmerich eigentlich Filmausstatter werden. Doch bei einem Praktikum beim damaligen Süddeutschen Rundfunk entdeckte eine Kollegin sein Talent und riet ihm, sich an der Filmhochschule zu bewerben. Dort wurde er, der sich früher nie vorstellen konnte, mal Kino zu machen, genommen – und machte schon früh auf sich aufmerksam.

Kino sollte nicht klein sein – es muss groß und aufregend sein.

Schon sein Abschlussfilm als Student, "Das Arche Noah-Prinzip" kostete 50 mal mehr als die Projekte seiner Kommilitonen – rund 1 Million D-Mark. Unter anderem mit Hilfe des legendären Produzenten Bernd Eichinger und zahlreichen Filmförder-Gremien trieb Emmerich das Geld auf. Der Lohn: eine Einladung in den Wettbewerb der Berlinale und internationale Aufmerksamkeit, die ihm recht bald Jobangebote aus Hollywood einbrachten. Dort kombinierte er irgendwann das Genre des Katastrophenfilms mit dem des Science-Fiction-Films. Das Ergebnis hieß "Independence Day" und brachte ihm den endgültigen Durchbruch.

"Ich musste mich nie um einen Job kümmern."

Inzwischen kann Emmerich auf eine gut 40-jährige Karriere zurückblicken, die er zu großen Teilen in den USA verbrachte. Er hat inzwischen auch den amerikanischen Pass, aber trotz der langen Zeit ist er immer auch Schwabe geblieben.

Ich hab‘ mich immer für Amerika interessiert. Jetzt muss ich sagen: Ich bin so halb Amerikaner, halb Deutscher. Es hört sich seltsam an, aber ich habe auch beide Pässe und wähle auch in beiden Ländern.

Im Talk in der Gesprächszeit wechselt er fließend vom Englischen in seinen Heimatdialekt. Nur eine schwäbische Eigenschaft besitzt er nicht – Sparsamkeit. Auch wenn seine Mutter ihn immer dazu ermahnt, gibt er Geld aus "wie blöd" - auch für karitative Zwecke. So unterstützt er nicht nur das Gay and Lesbian Center in Los Angeles, er spendet auch für Obdachlose und den Klimaschutz. Der liegt ihm so sehr am Herzen dass er mit "The Day After Tomorrow" schon vor 15 Jahren einen Film über das Thema gedreht hat, in dem der Klimawandel weite Teile der Erde in eine Eiswüste verwandelt.

"Ich möchte bis zum Ende meines Lebens im Regiestuhl sitzen”  

Inzwischen ist Emmerich 63 Jahre alt, doch ans aufhören denkt er nicht. Mindestens zehn Drehbücher hat er noch in der Schublade, sein nächster Film ist schon in Planung - “Moonfall” soll er heißen und es ist – mal wieder – ein Katastrophenfilm. Aber einer "mit philosophischem Unterbau", wie Emmerich betont. In seinen Filmen tauchen immer wieder auch US-Präsidenten auf, die immer an ihre “echten” Vorbilder wie Bill Clinton oder Barack Obama erinnern. Dem aktuellen amerikanischen Präsidenten wird diese Ehre nicht zuteil werden – denn, so sagt Emmerich: “Ich drehe ja keine Horrorfilme”.

In der Gesprächszeit erzählt Roland Emmerich auch, welchen seiner Filme er im Rückblick lieber nicht gemacht hätte, was er sich privat so anschaut und warum er auf der Leinwand immer wieder gerne das Weiße Haus zerstört.

Moderation: Marius Zekri

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. November 2019, 18:05 Uhr

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