Livestream

Bremen Zwei Sendungen Gesprächszeit

Gesprächszeit

Peter Urban

ESC-Urgestein, Musikjournalist, Moderator, Musiker

14. Mai 2019, 18:05 Uhr

In Tel Aviv ist er zum 22. Mal die Stimme des Eurovision Song Contests: ESC-Urgestein Peter Urban. Seit mehr als 40 Jahren ist er Musikjournalist beim NDR, hat sogar seine Doktorarbeit zur Poesie des Rocks geschrieben und steht mit seiner eigenen Band auf der Bühne. Im letzten Jahr ist Peter Urban 70 Jahre alt geworden, doch aufhören kommt für ihn auch 2019 noch nicht in Frage.

Peter Urban [Quelle: NDR, Christian Spielmann]
Peter Urban kommentiert seit 1997 den Eurovision Songcontest. [Quelle: NDR, Christian Spielmann]

Als Peter Urban 1997 das erste Mal den Eurovision Song Contest kommentiert hat, hieß der Musik-Wettbewerb noch "Grand Prix Eurovision de la Chanson". Als der NDR ihn als Kommentator angefragt hatte, war Peter Urban zuerst sehr überrascht.

Ich habe erstmal gesagt: 'Bist du wahnsinnig, mich zu fragen?' Nach dem zweiten Überlegen habe ich gesagt: 'Warum eigentlich nicht, es ist wie eine Sportsendung, es geht um Wettbewerb, einer gewinnt und man kommentiert das live vor einem großen Fernsehpublikum.' Außerdem findet es in europäischen Großstädten statt, man kommt ein bisschen herum. Und musikalisch fing es ja schon an, sich zu wandeln.

Das größte Musik-Spektakel der Welt

Damals flogen nur Peter Urban und ein Kollege aus der Redaktion zum Wettbewerb. Vieles hat sich seitdem verändert. Peter Urban reist in einem Team von 30 Leuten, die Musik ist moderner geworden, genauso die Performances. Und die Zuschauerzahlen sind gestiegen: 200 Millionen Zuschauer verfolgen mittlerweile die größte Musik-Show der Welt am Fernseher. Und Urban sitzt dann hoch oben in seiner Kabine und kommentiert live die Show. Berühmt ist er für seine Kommentare, die zwar spontan klingen, aber vorher genau überlegt sind. Wie lautet das Geheimrezept, wie man die Herzen der Europäer knackt?

Also, eins ist ganz sicher, der Titel muss berühren. Er muss von Herzen kommen, er muss eine schöne Melodie haben, aber nicht nur das. Er muss die Leute anfassen, irgendwo, vom Rhythmus her, von der Melodie her, von der Ausstrahlung her, das ist ein ganz schwieriges Gebiet. Da haben sich viele schon versucht und sind in Klischees verendet. Das ist nicht so einfach. Man muss wirklich quer durch die Länder und quer über den Kontinent die Leute berühren können.
Peter Urban und Anna Postels [Quelle: Radio Bremen, Anna Postels]
Peter Urban und Anna Postels [Quelle: Radio Bremen, Anna Postels]

"Ein großartiges Beispiel für das Verständnis in Europa!"

Peter Urban ist sich sicher: Der ESC verbindet Länder und Menschen. Er schwärmt von der Gemeinschaft unter seinen Kollegen, die für die jeweiligen Länder den Musikwettbewerb kommentieren.

Es ist eine wunderbar harmonische Atmosphäre, ein großes Ereignis und trotz aller Konkurrenz herrscht da eine wunderbare Stimmung. Ein großartiges Beispiel für das Verständnis in Europa, das muss ich ganz ehrlich sagen.

Ein einziges Jahr konnte Peter Urban nicht am Wettbewerb teilnehmen – 2009 wegen einer Operation. Vom Krankenhaus aus hat er die Show angesehen – mit "blutendem Herzen". Geboren in Bramsche, aufgewachsen in Quakenbrück, lebt er heute mit seiner Frau und den zwei Kindern in Hamburg. An Rente denkt Peter Urban noch lange nicht. Musik ist überall in seinem Leben, und so will er weiter seine Musiksendungen moderieren, bei denen er die Songs selbst aussuchen kann. Und der Eurovision Song Contest? Der steht bei ihm weiter im Kalender.

"Tel Aviv passt viel besser zum ESC als Jerusalem"

2019 geht es nun nach Tel Aviv. Israel sei "ein begeistertes ESC-Land", sagt Peter Urban. Das erste Mal war er 1999 vor Ort als Dana International den Titel ins Land geholt hatte. Damals fand die Veranstaltung noch in Jerusalem statt, dieses Mal geht es für Urban und sein Team in die Mittelmeerstadt, wo trotz Schabbat öffentlicher Nahverkehr fahren wird.

Es ist so, dass die religiösen Regeln in Tel Aviv nicht ganz so streng befolgt werden wie in Jerusalem. Da war es damals wirklich schwierig am Schabbat eine Probe zu machen. Das wird hier anders geregelt, die Proben werden trotzdem stattfinden. Aber man akzeptiert die religiösen Bestimmungen des jüdischen Glaubens und das ist auch vollkommen in Ordnung.

In der "Gesprächszeit" erzählt Peter Urban von Interviews mit Harry Belafonte, Bruce Springsteen und Elton John, wie er sich von seiner Hüfte nicht unterkriegen lässt, und wie er die Chancen des deutschen Beitrags zum ESC in diesem Jahr einschätzt.

Das Gespräch zum Anhören:
"Israel ist begeistertes ESC-Land" – Peter Urban [35:54 Minuten]

Moderation: Anna Postels

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. Mai 2019, 13:05 Uhr.

Mehr interessante Gespräche:

DJ und Musikproduzent Christian "Gu" Gutjahr Schauspieler Armin Rohde Alle Gespräche im Überblick
Gesprächszeit
Mehr zur Sendereihe "Gesprächszeit"