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Michael Kiwanuka

Soulsänger und Songwriter

12. September 2019, 18:05 Uhr

Das erste Album war ein Riesenerfolg, beim zweiten Album durchlebte Michael Kiwanuka eine Krise. "Es gab viele Selbstzweifel und Unsicherheiten", erinnert er sich. Im Oktober erscheint das dritte mit dem einfachen Titel "Kiwanuka" und im Tourbus hat uns der Soulsänger und Songwriter jetzt von seinem Traum eines afrikanischen Woodstock-Festivals und seiner Kindheit im Londoner Stadtteil Muswell Hill erzählt.

Michael Kiwanuka [Quelle: DPA, AAP/April Fonti]
Michael Kiwanuka [Quelle: DPA, AAP/April Fonti]

"Es gab viele Selbstzweifel und Unsicherheiten" – Michael Kiwanuka [29:37 Minuten]

Er ist einer der bemerkenswerten Newcomer der letzten Jahre. Ganz klein fing Michael Kiwanuka aus Großbritannien an: Mit der Akustikgitarre schrieb er erste Songs, trat in Pubs auf und machte parallel noch auf Wunsch seiner Mutter einen Abschluss an der Westminster University, nachdem er das harte Musikstudium an der Royal Academy of Music abgebrochen hatte.

Dann fanden Scouts meine Songs bei MySpace und kamen zu den Pub-Gigs, wo vielleicht fünf Leute waren. Auf einmal war es wie eine Lawine: Bekam einen Plattenvertrag, brachte einige EPs heraus und gewann aus dem Nichts das "The Sound of 2012"-Kritiker-Poll der BBC. Mit einem Mal war ich auf Tour in Europa und Amerika – ohne Pause.

Nachdem die Karriere 2012 ins Rollen geriet, ging alles ziemlich schnell. Michael Kiwanuka supportete Stars wie Adele, spielte auf großen Festivals – und fühlte sich trotzdem oft eingeschüchtert und nicht qualifiziert genug. Nach zwei Alben soll das dritte in diesem Jahr erscheinen.

Beim neuen Album habe ich gelernt: Du musst lernen, loszulassen und zu träumen. Wieder wie ein Kind zu sein.

Zwischen Tottenham Hotspurs und der Musik von Muswell Hill

Jede Biografie über ihn erwähnt, dass Kiwanukas Familie aus Uganda stammt. Doch Kiwanuka betont, dass seine Eltern nicht vor dem Bürgerkrieg geflohen waren, sondern das Land vor allem aus wirtschaftlichen Gründen verlassen hatten.

In Kampala war es hart wegen der Wirtschaftskrise. Kein Vergleich zum Westen. Es war einfach sehr schlecht und man geht dann.

In London bauten sich seine Eltern eine neue Existenz auf. Sein Vater studierte Elektrotechnik, seine Mutter arbeitete als Sekretärin und Krankenschwester. Michael und sein älterer Bruder kamen in Großbritannien zur Welt und wuchsen im Stadtteil Muswell Hill auf, in dem heute die gut situierte Mittelschicht wohnt. Seit er fünf oder sechs Jahre alt ist, ist Michael Kiwanuka Fan der Tottenham Hotspurs, im Teenager-Alter kam dann die Liebe zur Musik dazu. Er lieh sich Hendrix- und Beatles-Alben aus und ging voll auf im Schmelztiegel seiner Schule, in dem Skater, Grunge-Rocker und Neunziger-Punks ihre Lieblingsmusiker auf den Rucksack schrieben.

Die Schule in Muswell Hill war ein großer Einfluss. Sehr künstlerisch orientiert. Viele Musiker kamen von dort.

Als alles noch neu war: Kiwanuka ist Fan der Sechziger

Michael Kiwanukas Großmutter, seine Tanten, Cousins, Nichten und Neffen leben immer noch in Uganda. Ein Besuch sei längst überfällig, sagt der 32-Jährige. Vor 12 Jahren hat er das Land zuletzt besucht und hat sich gerade mit zwei seiner Musikerinnen über den Schatz der afrikanischen Geschichte und ihre Kultur unterhalten.

Wir sprachen darüber, wie es wohl wäre, eine Tour in Afrika zu machen. Die beiden kommen zur Hälfte aus Jamaika. Wenn du älter bist, dann fühlt sich das wohl eher an wie ein Nachhausekommen.

Kiwanuka ist ein großer Fan der 1960er Jahre, als die Musikszene noch neu war und Alben, Tourneen und Radiostars gerade erst entstanden. Internationale Künstler mit lokalen Bands zusammen zu bringen – auch die Idee von einem afrikanischen Woodstock-Festival spinnt immer mal wieder in Kiwanukas Kopf herum.

Das ist immer noch ein Traum für mich. Und es liegt auch etwas sehr Kraftvolles in der Vorstellung, wie Menschen in Uganda spüren, dass sich ihre Leute im Westen noch daran erinnern, woher sie kommen und dass ihnen etwas an Afrika liegt.

Moderation: Harald Mönkedieck

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. September 2019, 18:05 Uhr

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Sebastian Weiß alias "Sepalot" Pianist Parvis Hejazi Musiker Ingo Pohlmann Francesco Wilking und Moritz Krämer
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