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Martina Voss-Tecklenburg

Trainerin der Frauenfußball-Nationalmannschaft

6. Juni 2019, 18:05 Uhr

Am 8. Juni steht das erste Gruppenspiel der deutschen Fußball-Frauen bei der Weltmeisterschaft an. Trainerin Martina Voss-Tecklenburg hat monatelang auf diesen Termin hingearbeitet. In ihren 51 Lebensjahren hat sie den deutschen Frauenfußball weit vorangebracht. "Das größte Selbstverständnis ist, dass Mädchen heute überall Fußball spielen können", sagt sie.

Martina Voss-Tecklenburg im Studio [Quelle: Radio Bremen, Janine Horsch]
Martina Voss-Tecklenburg [Quelle: Radio Bremen, Janine Horsch]

Duisburg in den Siebzigern: Angst vor dem Ball hatte Martina Voss-Tecklenburg, die mit vier Geschwistern, darunter einem Zwillingsbruder, aufgewachsen ist, nie. Aber einsam unter Mädchen mit ihrer Fußballbegeisterung hat sie sich dann doch oft gefühlt.

Ich habe Leichtathletik gemacht, Handball gespielt, Tischtennis gespielt, war in vielen anderen Dingen auch sehr gut. Aber ich wollte immer Fußball spielen.

Als es mit der Vereinskarriere losging, war die Mutter erst wenig begeistert, dass die kleine Martina nun mit Stutzen und Stollenschuhen loszog. Doch die ersten Erfolge hinterließen Eindruck und Freude auch im Elternhaus.

Homophobie: Der Frauenfußball ist weiter als der Männerfußball

FIFA Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2019

Die WM der Frauen findet vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich statt. Das deutsche Team von Martina Voss-Tecklenburg spielt in der Gruppe B gegen China, Spanien und Südafrika. Die deutschen Gruppenspiele werden am 8., 12. und 17. Juli ausgetragen.

Neben den Zweikämpfen auf dem Platz kämpfte Martina Voss-Tecklenburg auch gegen die Vorurteile in den Achtzigern: Von Mannweibern und Lesben und langsamem Frauenfußball war häufig die Rede. Dass sie später mehrere Jahre mit einer Frau, ihrer Mitspielerin Inka Grings, liiert war, war in den Medien präsent, weil beide damit offen umgingen. "Ich möchte auch heute nichts verstecken", sagt Martina Voss-Tecklenburg, die aus eigener Erfahrung weiß, dass in Sachen Homophobie der Frauenfußball ein ganzes Stück weiter als der Männerfußball ist.

Es ist ein Vorteil, weil du freier und selbstbestimmter leben kannst. Und ich stelle mir immer vor, wie die Situation eines Fußballers ist, der in seiner Homosexualität lebt, vielleicht auch ein bisschen gefangen ist, weil er das nicht öffentlich machen darf. Wir wissen alle: Es gibt Schein-Freundinnen, zum Teil Schein-Ehen.

Erst "Flankengott im Kohlenpott", dann Nationalspielerin

Bis in die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hatte sich Martina Voss-Tecklenburg als Spielerin hochgespielt. Mit 16 hat sie ihr erstes Länderspiel absolviert. Sich neben dem beliebten Männerfußball zu etablieren, war für den deutschen Frauenfußball lange Zeit schwierig. Doch die Akzeptanz wird größer, sagt die heute 51-Jährige.

Ich glaube, wir haben eines erreicht: Das größte Selbstverständnis ist, dass Mädchen heute überall Fußball spielen können. Dass es normal ist, dass sich die Vereine geöffnet haben. Aber es war ein langer, langer Weg.

Vertrauen zu ihren Spielerinnen ist ihr wichtig

Seit November 2018 ist Voss-Tecklenburg nun Bundestrainerin der deutschen Frauen-Elf und will das Team bei der Weltmeisterschaft in Frankreich zum Titel führen. Doch Sportlerinnen-Karriere und Ausbildung oder Studium zu vereinbaren ist für die jungen Spielerinnen gar nicht so einfach. Denn es werden – anders als viele männliche Fußballprofis – nur die Wenigsten nach ihrer aktiven Zeit von der Fußballerinnen-Karriere leben können. Deswegen sind Martina Voss-Tecklenburg persönliche Gespräche und das Vertrauen zu ihren Spielerinnen sehr wichtig.

Ich kann Leistung nur dann objektiv beurteilen, wenn ich vielleicht auch weiß, dass die Spielerin im Moment hochbelastet in der Schule ist und manche Dinge vielleicht gar nicht erfüllen kann.

"Ich bin selbstbewusster durch den Fußball geworden"

Auf Bremen Zwei spricht Martina Voss-Tecklenburg in der "Gesprächszeit" über ihre Trainingsphilosophie, wie sie als junge Fußballspielerin ein Kind großgezogen und wie der Fußball ihr Leben geprägt hat.

Ich bin heute ein Mensch, der ich nicht wäre, wenn ich den Fußball nicht gehabt hätte. Ich durfte in Länder reisen, die ich sonst wahrscheinlich nicht gesehen hätte, ich durfte an Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen teilnehmen. Ich bin eine Persönlichkeit dadurch geworden, ich bin selbstbewusster geworden. Ich habe so viele Werte über den Fußball bekommen, dass ich auch bereit war, auf gewisse Dinge zu verzichten.

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich wollte immer Fußball spielen" – Martina Voss-Tecklenburg [34:34 Minuten]

Moderation: Janine Horsch

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 6. Juni 2019, 18:05 Uhr

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