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Martin Wehrle

Karrierecoach

17. September 2018, 18:05 Uhr

Haben Sie schon mal gedacht: "Ich arbeite in einem Irrenhaus?" Martin Wehrle ist Karrierecoach und hört das von vielen seiner Klienten. Da ist zum Beispiel der Mann, der im Urlaub war, ohne dass sein Chef es bemerkt hätte. Martin Wehrle hat viele Erfahrungen seiner Klienten – auch harmlosere – niedergeschrieben. Sein Fazit: Firmen haben sich von Tretmühlen in Klapsmühlen verwandelt.

Martin Wehrle  [Quelle: RandomHouse, A. Heeger]
Martin Wehrle [Quelle: RandomHouse, A. Heeger]

Martin Wehrle hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich: Er ist Journalist und lange stellvertretender Chefredakteur der Anglerzeitschrift "Blinker" gewesen. Danach hat er drei Abteilungen in einem großen Unternehmen geleitet. Dort hat er viel über Arbeits- und Hierarchiestrukturen gelernt. Und ist in das Dilemma geraten, loyal gegenüber der Chefetage zu sein oder seinen Mitarbeitern reinen Wein einzuschenken. Er wollte lieber Letzteres und hat sich zum Karrierecoach weitergebildet – zu großen Teilen autodidaktisch.

Erfolg? Durch Introvertierte, aber nicht mit Schaumschlägern

Jetzt berät er Mitarbeiter, wie sie besser in ihrem Job klarkommen. Dabei bricht er vor allem eine Lanze für die introvertierten Menschen: Er sagt, dass sie oft bessere Mitarbeiter seien als die großen Schwätzer. In seinen Coachings bringt er zurückhaltenden Menschen bei, wie sie sich gegen Vielredner durchsetzen können. Der Chefetage rät er, mehr auf die introvertierten Menschen zu setzen als auf die Schaumschläger, denn Letztere hätten meist nicht halb so viel auf dem Kasten wie sie behaupten.

Schluss mit der Schauspielerei in Einstellungsgesprächen!

Doch die würden eben leider meistens eingestellt, sagt Martin Wehrle. Ohnehin seien Vorstellungsgespräche eher "Verstellungsgespräche", denn sowohl der Chef verspricht in diesen "Verstellungsgesprächen" meist das Blaue vom Himmel, als auch der Bewerber beschreibt sich oft so, dass er auf diesen Job passt, ohne seine wahren Stärken und Schwächen zu nennen. Martin Wehrle plädiert daher für mehr Offenheit und Transparenz in Unternehmen – und Vorstellungsgesprächen.

Da Ehrlichkeit aber in Unternehmen oft fehle, wundert es den Karrierecoach auch gar nicht, dass VW und andere Autohersteller jahrelang ihre Mitarbeiter und Kunden belogen haben. Martin Wehrle sagt dazu: Bei VW habe man lieber den Mund gehalten, damit der Skandal, der in ihrem eigenen Haus schwelte, nicht an die Öffentlichkeit gelange.

Martin Wehrle  [Quelle: RandomHouse, A. Heeger]
Sich verstellen im Vorstellungsgespräch? Kann Martin Wehrle auch! [Quelle: RandomHouse, A. Heeger]

"Noch so ein Arbeitstag und ich dreh durch!" heißt das Buch, in dem Martin Wehrle seine langjährigen Erfahrungen aus seiner Zeit als Arbeitnehmer, als mittlerer Manager, aber auch als Berater niedergeschrieben hat. In der Gesprächszeit erzählt Martin Wehrle, warum er mit 21 Jahren vom Bundesverfassungsgericht angeklagt wurde, wie er die ehemalige Familienministerin Manuela Schwesig beraten hat und warum der Mindestlohn nichts bringt. Außerdem erzählt er, wie "irre" Unternehmen wieder gesunden können und warum Chefs ehrlicher werden sollten.

Das Gespräch zum Anhören:
"Die Kompetenz sitzt nicht in der Teppichetage" – Karriereberater Martin Wehrle [37:56 Minuten]

Moderation: Kirsten Rautenberg

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. September 2018, 18:05 Uhr

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